Hörner aus der Maschinenwelt. Erstes Konzert nach Coronalockdown in der Bayerischen Staatsoper

(Foto mit den Munich Opera Horns von Wilfried Hösl) Es war ein in jeder Hinsicht bemerkenswerter Abend: Nach elf Wochen ohne Oper und Konzert in München gelang es ausgerechnet der Bayerischen Staatsoper noch vor irgendwelchen anderen Konzertveranstaltern mit ihren „Munich Opera Horns“ erstmals wieder Livemusik mit Publikum anzubieten. Der Ort dafür war außergewöhnlich: die Unterbühne des Nationaltheaters mit ihren futuristisch anmutenden gewaltigen Winden, Zügen und Hubmechanismen, von denen man sich kaum genau vorstellen kann, wie sie funktionieren. (Von Klaus Kalchschmid)
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Das Theater Krefeld und Mönchengladbach öffnet seine großen Bühnen im Juni für 22 Vorstellungen

Erster Sonderspielplan für Krefeld Mönchengladbach unter Corona-Bedingungen
Sopranistin Sophie Witte aus dem Ensemble. Foto: Simon Erath

Wie schön, mal wieder in einem Opernhaus zu sein! Die Einladung zur Pressekonferenz ins Glasfoyer der Oper Krefeld kam zwar sehr kurzfristig. Das Hygienekonzept des “Sonderspielplans” ist ja auch erst Freitag durchgewunken worden. Die heilige Kuh der Corona-Bedingungen! Vier Arbeitstage später sitzen der Generalintendant vom Theater Krefeld und Mönchengladbach, Michael Grosse, GMD Mihkel Kütson, Operndirektor Andreas Wendholz und Schauspieldirektor Matthias Gehrt an einem langen Board – immer ein Platz frei zwischen ihnen – und erklären den ersten Sonderspielplan unter Corona-Bedingungen im Juni. An Tischchen, die mit Abstandsgebot verteilt im Foyer stehen, sitzen die Journalisten. (Von Sabine Weber)

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Venedig singen und rudern! Nuria Rial und Holger Falk auf Spurensuche in der Lagune

“Il Gondoliere Veneziano” ist beim Label PROSPERO 0003 erschienen und “Venice’s fragrance” beim Label deutsche harmonia mundi.

‘Lagunenklänge’ bedienen die Sehnsucht nach Venedig gleich in zwei aktuellen Aufnahmen. Der deutsche Bariton Holger Falk beschwört das Flair der Lagune mit Liedern venezianischer Gondolieri, unterstützt vom Klangdesign-Duo Merzouga, das atmosphärisch Möwenschrei, Wellenschlag, knarzende Schiffstaue oder Glockenläuten einmischt.
Die katalanische Sopranistin Nuria Rial hat unerhörte aber original verbürgte venezianische Barockfarben aufgespürt. Sie lässt sich von Mandolinen begleiten, die venezianische Komponisten von Vivaldi bis Buranello, alias Baldassare Galuppi aus Burano, effektvoll eingesetzt haben. Das kitzelt ebenfalls die Sehnsucht nach dem Süden sehr charmant. (Von Sabine Weber)
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HAT DIE RUHRTRIENNALE 2020 NOCH EINE CHANCE?

(Foto: Gebläsehalle Duisburg von Joerg Brueggemann) Bereits am 22. April wurde die Ruhrtriennale als eines der ersten internationalen Festivals abgesagt. Das Aushängeschild der Festivals in NRW hat der Lockdown der Corona-Pandemie früh getroffen. Gegen den Wunsch der Intendantin Stefanie Carp, die vom Kultusministerium nur wenige Stunden vor der Entscheidung in Kenntnis gesetzt wurde. Dabei böten die kolossalen Hallen, Kokereien und Maschinenhäuser der einstigen Schwer- und Stahlindustrie-Ruinen doch enorm viel Platz, um Abstandsregelungen für die Künstler und das Publikum einzuhalten. Das Angebot umfasst ja auch nicht nur Musiktheater-, Schauspiel- und Tanzprojekte, sondern auch Installationen mit Video und Lichtprojektionen. (Siehe Pressemeldung Zur Absage der Ruhrtriennale 2020) Museen werden derzeit im Rahmen der Corona-Lockerungen wieder geöffnet. Die Theater öffnen Ende Mai, freilich unter komplizierten Hygienebedingungen. Aber auch diesen Anforderungen könnte man sich in den Ruhrtriennalen-Hallen mit entsprechend geschultem Personal stellen. Der Kulturrat NRW hat die NRW-Landesregierung jedenfalls aufgefordert, wenn Kulturbereiche noch in diesem Monat wieder geöffnet werden, auch die Ruhrtriennale wieder stattfinden zu lassen. In einer angepassten und kondensierten Version. Worum könnte es gehen? Die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp stellt sich den Fragen von klassikfavori! HAT DIE RUHRTRIENNALE 2020 NOCH EINE CHANCE? weiterlesen

Verbrecherische Geheimnisse und betörende Madrigalklänge. Thomas Larchers erste Oper ist auf DVD nachzuhören!

1949 hat Yasushi Inoue ein Drama über Fremd- und Hintergehen, Geheimniskrämerei und Einsamkeit in der Novelle “Das Jagdgewehr “1949 veröffentlicht. 60 Jahre später hat der Schweizer Komponist Thomas Larcher die Novelle vertont. Bei den Bregenzer Festspielen wurde sie uraufgeführt. Jetzt ist sie auf DVD nachzuerleben. Es geht um einen Mann, der seine Frau Midori mit deren Cousine Saiko unmittelbar nach der Hochzeit betrügt. Saiko schwört, sich umzubringen, sobald Midori von diesem „Verbrechen“ erführe. Midori weiß von Anfang an von diesem Verhältnis, schweigt aber. Als Saiko tödlich erkrankt, offenbart Midori ihr Wissen. Saiko hat auch vor ihrer Tochter Shoko geschwiegen. Shoko erfährt durch ein Tagebuch von dem Verhältnis ihrer Mutter zum Onkel. Das Schweigen ist Drama! Das Geheimnis lüften drei Briefe, die die drei Frauen unabhängig von einander an den Mann, Geliebten und Onkel Josuke Misugi schreiben. Der übermittelt sie an einen Poeten, der ihn einsam mit Gewehr durch den Schnee hat stapfen sehen und darüber ein Gedicht verfasst hat, in dem sich der einsame Jäger wiedererkennt und ihn kontaktiert. Daraus hat Friederike Gösweiner ein Libretto verfasst, hat die Briefe zu Parallelhandlungen verstrickt, die Thomas Larcher zu einer eiskalten aber das Herz quetschende Kammeroper vertont hat. Jetzt ist sie auf DVD nachzuerleben. (Von Sabine Weber)
DAs Jagdgewehr von Thomas Larcher ist jetzt auf DVD nachzuerleben. Sie wurde bei ihrer Uraufführung bei den Bregenzer Festspielen aufgenommen Verbrecherische Geheimnisse und betörende Madrigalklänge. Thomas Larchers erste Oper ist auf DVD nachzuhören! weiterlesen

Leidenschaftlich und persönlich: der französische Sinfoniker Albéric Magnard!

Albéric Magnard war Zeitgenosse Claude Debussys und eine noch randständigere französische Komponistenpersönlichkeit als Albert Roussel. Dirigent Fabrice Bollon und das Philharmonische Orchester Freiburg machen sich derzeit beim Label Naxos in Koproduktion mit dem SWR zu dessen musikalischen Anwälten. Nach seinen vier Sinfonien kehren sie mit ihrer dritten CD und Magnards Konzertouvertüre op 10, seinen Hymnen op. 14 und op. 17, und einer Suite d’orchestre dans le style ancien op. 2 sogar zu seinen sinfonischen Anfängen zurück. (Von Sabine Weber)
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Viel “hohes c” mit Samuel Mariño

Wenn ein Sopranist am Opernhimmel erscheint sind spektakuläre Töne angesagt! Samuel Mariño ist Venezolaner, 26 Jahre alt und ist mit hohem c sehr großzügig. Jendenfalls auf seiner Debüt-CD beim Label Orfeo in Koproduktion mit dem Deutschlandfunk und den internationalen Gluck-Festspielen mit Arien von Händel und Gluck. Seine musikalischen Partner sind das Händelfestspielorchester Halle unter Michael Hofstetter. (Von Sabine Weber)

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Beethrifft 2020: Was uns zu denken gibt!

 

Beethoven-Logo des Bärenreiterverlags. Der hat einen interessanten Trailer auf seiner Netzseite veröffentlicht.

(3. Mai 2020) Natürlich vergessen wir Beethovens 250. Geburtstag nicht! Trotz Corona-allmächtig-allüberall. Zufällig stolpere ich über einen kleinen Trailer, der vorführt, wie wir in diesen Zeiten von der Arbeit der Notenentzifferer, der Urtextforscher, der Verlage, die “spreaden”, nicht zuletzt von verständigen Interpreten, die davon infiziert neu ansetzen, lernen können. Lassen wir dahingestellt, dass, auf Beethoven bezogen, natürlich auch ein großer Musikverlag meint, nur mit Mondschein- und Neunteklängen Werbung machen zu können. Immerhin hört man in diesem Trailer auch den mittleren Satz der cis-moll Sonate op. 27 Nr. 2, zu dem meine Klavierprofessorin mal meinte, „das sei das unterschätzte Alpenblümchen zwischen den (Berg-)Gipfeln (1. und 3. Satz). Immerhin gibt es auch kurz Streichquartett. Und wie Jonathan del Mar, Beethovenforscher und Herausgeber einer neuen Urtext-Edition, in Beethovens Rasumowsky-Quartett einem angeblich falschen Ton Recht verschafft, ist bemerkenswert… Oder einem scheinbar wiederkehrenden Rhythmus-Modell eine ‘Andersartigkeit’ einfordert. Auch Beethoven wird im Detail gern überhört wenns anders einfacher geht! Das gibt in heutigen Zeiten zu denken. Es ist meist komplexer, als Vordergrundermittler es für die schnelle Formatierung gern hätten. Seien wir um die dankbar, die im Hintergrund die gründliche Arbeit auch gegen Widerstand nicht scheuen, Fragen aufwerfen und kritisch bleiben. Hier zum Trailer.

Siehe auch weitere Beethrifft 2020-Beiträge auf Klassikfavori: Beethrifft 2020-Oper Bonn; Beethrifft 2020 Gürzenich-Orchester. U.a.

Auf DVD und Blu-Ray erscheint im Juli der Stummfilm „Die Stadt ohne Juden“ von 1924. Neu vertont von Olga Neuwirth

Und Klassikfavori hat ihn bereits gesichtet und hingehört. Denn Olga Neuwirth ist gerade für ihr Lebenswerk mit dem Robert-Schumann-Preis geehrt worden. Das enge Verhältnis von Text, Szene und Musik hat Olga Neuwirth seit „Bählamms Fest“ (1998) nach der Satire von Leonora Carrington stets interessiert; oft arbeitete sie dabei mit Elfriede Jelinek zusammen. Erst 15 Jahre nach der Uraufführung im Jahr 2003 konnten die multimedialen Finessen von „Lost Highway – A Video-Opera“ nach dem gleichnamigen Film von David Lynch bei einer Frankfurter Produktion erfüllt werden. Mit ihrer musikalischen Überschreibung und inhaltlichen Neufassung von Alban Bergs Oper als „American Lulu“ (2011) betrat die österreichische Komponistin ebenso Neuland, wie sie mit dem Musiktheater nach Virginia Woolfs „Orlando“ (Wien 2019) alle Register der Literaturvertonung zog. Auch mit ihrer ebenso kühnen wie stilistisch vielfältig geschichteten Musik zu einem Film wie „Die Stadt ohne Juden“, der zugleich Antisemitismus vorführt und sich ihm entgegenstellt, wagt die 51-jährige Komponistin wieder viel und gewinnt noch mehr. (Von Klaus Kalchschmid)

“Die Stadt ohne Juden”, ein satirischer Stummfilm von 1924, der neu vertont von Olga Neuwirth am 17. Juli auf DVD in der Arte Edition erscheint.

Auf DVD und Blu-Ray erscheint im Juli der Stummfilm „Die Stadt ohne Juden“ von 1924. Neu vertont von Olga Neuwirth weiterlesen

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