Große Magiershow im Zirkusrund! – „Zoroastre“ in Münster mit Haute-Contre-Star David Tricou!

Rameaus Spätwerk „Zoroastre“ war schon 1749 in Paris ein sensationelles Bühnenspektakel, was Beleuchtung nebst Feuerwerk, Bühnenmaschinerie und Kostüme anging. Am Theater Münster verordnet Regisseur Georg Schütky den Kampf der Lichtgestalt Zoroastre gegen die Mächte der Unterwelt in eine umtriebige Zirkusarena. (Von Sabine Weber) Große Magiershow im Zirkusrund! – „Zoroastre“ in Münster mit Haute-Contre-Star David Tricou! weiterlesen

Zum Tode von Maurizio Pollini und Peter Eötvös

Nach dem Tod von Aribert Reimann hat die Welt der klassischen Musik nun zwei weitere Verluste zu beklagen.
Am Samstagabend nach dem Nachhausekommen konnte man schon die Nachrufe auf Maurizio Pollini im Radio hören. Auch hier in Köln war er häufig zu Gast. (Von Jukka Höhe)

Vor weniger als zehn Jahren noch ganz auf der Höhe seiner Kunst in der Kölner Philharmonie: Ein Soloabend, geprägt von der souveränen Beherrschung der Technik, die es ihm ermöglichte, sich ganz der Interpretationen des Werkes zu widmen.

Maurizio Pollini
Maurizio Pollini. Foto: Wikimedia Commons

Dies alles erschien so selbstverständlich, das man es an dem Abend gar nicht so wahr nahm: erst in der Erinnerung, der Distanz wird die Größe wahrnehmbar.

Pollini vermochte es, seine Zuhörer ganz in das Werk mit zu nehmen. So dass dieser Abend mit ihm in der großen, 2000 Zuhörer fassenden Philharmonie, ganz intim, wie ein Kammermusikabend erschien, gegeben für sich und einige wenige vertraute Freunde. Ein souveräner Abend.

Wenige Jahre später: erneut steht ein Abend mit Pollini an. Die erste Absage, das Konzert wird verschoben. Kurz vor dem Nachholtermin dann die zweite Absage, eine erneute Verschiebung. Auf unbestimmte Zeit. Schließlich wird das Konzert ganz abgesagt.

Dann ergibt sich doch noch die Möglichkeit, Pollini erneut in der Philharmonie zu erleben. Er spielt wie für sich allein, als gebe es nur ihn, seinen Flügel und die Musik. Seine vertraute Musik, die er so oft gespielt hat: Er spielt frei, und es scheint, als spielte er seine ganz persönlichen Variationen der Werke: ein berührender Abend. Und ein Abschied.

Am Sonntagabend dann die nächste Nachricht: Peter Eötvös ist nach langer Krankheit gestorben. Schon zur Premiere seiner letzten Oper Valuschka konnte er nicht mehr anreisen. Er der so sehr die Interpretationen seiner Werke durch andere Musiker schätzte, denn sie erschienen ihm – neben dem reichen Zuspruch des Publikums – wie ein Prüfstein für die Qualität des Werks. Er freute sich stets, den Blick seiner Kollegen, Ihre Sichtweise auf sein Werk, zu erleben.

Peter Eötvös im Gespräch
Peter Eötvös im Gespräch. Foto: Jukka Höhe

So war es kein Wunder, ihm auch bei der Premiere von Der Goldene Drache in Mönchengladbach zu begegnen.
Auf das Gespräch, dass sich bei dieser Gelegenheit mit dem großen Komponisten und feinen Menschen Peter Eötös ganz spontan ergab, möchten wir Sie, statt eines langen Nachrufes, hinweisen.

Glanz und Pracht in Lullys „Te Deum“ mit Les Epopées unter Stéphane Fuget

Jean-Baptiste Lully bedient in dieser geistlichen Musik nicht nur die große Opernklaviatur, sondern fügt Pauken und (sic) sieben Trompeten hinzu, um dem lateinischen Text des „Te Deums“ das Klangbild der Majestät zu verleihen. Stéphane Fuget und sein Ensemble Les Épopées, samt Chorverstärkung von Les Chantres und dem Kinderchor Les Pages am Centre de Musique Baroque de Versailles glänzen in ihrer „Collection des Grand Motets“ mit einer neuen Aufnahme. (Von Sabine Weber)

Label Centre de Musique de Barocke de Versailles. CVS117

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Wie sag’ ich’s Ihr? Joseph Bolognes „L’amant anonyme“ bekommt in Essen „Unerwartete Wendungen“!

„Schwarzer Mozart“ wurde Joseph Bologne de Saint-Georges seiner dunklen Hautfarbe wegen genannt. Sohn eines ausgedienten Musketiers und einer schwarzen Sklavin, konnte er den Geigenbogen ebenso brillant wie den Degen führen. Er hat in der französischen Nationalgarde die junge Republik verteidigt und wäre dennoch fast auf dem Schafott gelandet. Sechs Opern hat er komponiert. Eine, „L’amant anonyme“, ist komplett überliefert. Am Aalto in Essen wird diese „Comédie mêlée en deux actes“ wiederentdeckt und bekommt „Unerwartete Wendungen“: Neue Musik, ein „Seniorinnenquartett“, zwei Zuschauer, zwei „Spoken Word Artists“ und „Street-Dancers“! Es geht erstaunlich gut! (Von Sabine Weber)
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Der letzte große Komponist des 20. Jahrhunderts ist tot: Aribert Reimann

Aribert Reimann. Foto: Schott-Verlag

Der Komponist, Pianist und leidenschaftliche Liedbegleiter Aribert Reimann ist am 13. März im Alter von 88 Jahren in Berlin verstorben. Über siebzig Werke füllen seinen Katalog, Liederzyklen, Kammermusik, Orchesterwerke und neun Opern. Wie in klassikfavori-Kritiken dokumentiert, gehörte Aribert Reimann zu den Opernkomponisten, deren Werke es ins Repertoire der Häuser Europas geschafft haben. Das zeigen zuletzt die besprochenen Inszenierungen von Hilsdorf „Bernarda Albas Haus“ für Gelsenkirchen, Marthalers „Lear“ in München oder Kay Links „Medea“ am Aalto in Essen. Derzeit steht „Lear” in der Inszenierung von Joe Hill-Gibbins auf dem Spielplan der Staatsoper in Hannover. Während der Proben hat Reimann regen Anteil am Entstehen genommen und stand in direktem Kontakt mit Beteiligten. Am 21. März findet dort die letzte Aufführung „in memoriam” statt. Schon lange begleitet Klaus Kalchschmid Reimanns Opern. Für Klassikfavori hat er einen persönlichen Nachruf verfasst.
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„König David“ von Arthur Honegger mit der Kartäuserkantorei

Bei Chorkonzerten herrscht immer eine besondere Atmosphäre, weil viele im Publikum eine Verbindung zu Chormitgliedern haben. Es wird sich allseits freundlich begrüßt. Selfies werden in Gruppen vor dem Eingang der Kölner Philharmonie gemacht. Die Kartäuserkantorei hat hier auch einen Namen. 1970 gegründet von Peter Neumann, damals auch Kantor an der Kölner Kartäuserkirche, liegt die Leitung nach Philipp Ahmann jetzt in den Händen von Paul Krämer. Bei großen sinfonischen Chorkonzerten ist die Kartäuserkantorei immer wieder auch mit dem Gürzenich-Orchester Köln aufgetreten. Musiker des Gürzenich-Orchesters waren jetzt auch bei Arthur Honeggers biblischem Oratorium „König David“ dabei. (Von Sabine Weber) „König David“ von Arthur Honegger mit der Kartäuserkantorei weiterlesen

Schönberg 150 – im Arnold Schönberg Center in Wien

 

Arnold Schönberg feiert in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag. Das Arnold Schönberg Center in Wien arbeitet auf Hochtouren, um im Jubiläumsjahr den Begründer der Zweiten Wiener Schule gebührend zu würdigen und zu zeigen, was die Genialität von Arnold Schönberg auch ausgemacht hat. Kuriose Erfindungen. Schönberg hatte auch Schülerinnen. Deren Werk sollte längst wiederentdeckt sein, wie die Direktorin des Arnold Schönberg-Centers Dr. Ulrike Anton sagt. Am 8. März, am Frauenwelttag, findet ein Kammermusikabend mit Werken von Vilma von Webenau statt, Schönbergs erster Schülerin in den USA. Anlass, das Interview jetzt zu veröffentlichen, in dem sie auch Wissenswertes über die aktuelle Ausstellung mitteilt. (Die Fragen stellt Sabine Weber) Schönberg 150 – im Arnold Schönberg Center in Wien weiterlesen

Kurtágs Beckett-Oper „Fin de Partie“ – genial umgesetzt in Dortmund

Wer die szenisch eher langweilige Uraufführungs-Regie von „Fin de Partie” in Mailand gesehen hat, wird erstaunt sein, was Regisseur Ingo Kerkhof für Dortmund mit Kurtágs Beckett-Oper entfesselt. Das Publikum durchlebt das „Endspiel“, so der ins Deutsche übersetzte Titel, der vier versehrten Alten in Schicksalsgemeinschaft hautnah auf der Bühne sitzend. Die Dortmunder Philharmoniker bringen Kurtágs detail- und farbversessene, auf kammermusikalisch in neuen Instrumentenkombinationen setzende Partitur wie sprechend zum Klingen. Sodass unter der Leitung von Johannes Kalitzke ein Gesamtsprachklang entsteht, der der Genialität von Kurtágs Opus magnum in allem gerecht wird! (Von Sabine Weber) Kurtágs Beckett-Oper „Fin de Partie“ – genial umgesetzt in Dortmund weiterlesen

Alzheimer und Wahlverwandschaften in „Dark Fall“ von Hans Thomalla in Mannheim

Alzheimer und Wahlverwandschaften in „Dark Fall“ von Hans Thomalla in Mannheim
Der Komponist Hans Thomalla bringt Alzheimer mit Goethes Wahlverwandschaften in einem dunklen Fall zusammen. In seiner vierten Oper „Dark Fall“ mit 13 Szenen, die gestern, am 29. Februar 2024 am Nationaltheater Mannheim im Schlosstheater Schwetzingen uraufgeführt wurde. Klaus Kalchschmid war dabei und ob es mehr Musical oder Oper ist, erfahren Sie in folgendem Podcast favori „Die Oper der Woche“ mit Sabine Weber. Die Musikbeispiele stammen von der Generalprobe.
Weitere Aufführungen im März
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CDs: Marais-Caldara-Bononcini


Marais-Caldara-Bononcini! Da liegen drei CDs auf meinem Schreibtisch, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Gambistin Noémie Lenhof entdeckt Marin Marais. Und erweckt Werke, die nicht in dessen fünf Büchern, sondern in einem Manuskript zu finden sind, das in der National Library of Scotland, in Edinburgh aufbewahrt wird. Das Ensemble Intende Voci und das Orchestra Da Camera Canova stellen unter Mirko Guadagnini ein Gloria von Antonio Caldara in Weltveröffentlichung vor. Und Counter Alois Mühlbacher – ebenfalls in Weltersteinspielung – Alt-Kantaten mit Violin-Begleitung von Antonio Bononcini. (Von Sabine Weber)
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