Ein Wagnerring in vier Teilen für Kinder. Die Kinderoper in Köln hat ein besonderes Projekt abgeschlossen!

Ein weiteres neues Podcast favori beschäftigt sich mit Opernhäusern und Künstler*innen. Es sollen, vielleicht sogar durch Einschränkungen hervorgerufene, neue Ansätze und Wege vorgestellt werden. Unser erstes Projekt fokussiert die Kinderoper in Köln. Auch wenn dieser „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner nicht durch Einschränkungen angestoßen wurde. Es ist aber eines der anspruchsvollste Projekte, die die Kölner Kinderoper je in Angriff genommen hat. Mit der „Götterdämmerung“ am 25. April ist es in einer Online-Premiere abgeschlossen worden. Und weil die Kölner Kinderoper im nächsten Jahr unter anderem mit einer kompakten Wiederaufnahme dieses Rings ein großes Jubiläum, ihr 25 jähriges Bestehen, feiert, fragen wir nach, was es mit diesem Ring auf sich hat. Ob er wirklich nur für Kinder interessant ist, das erfahren Sie im „Opernprojekt der Woche“ in einem Gespräch, das Sabine Weber mit der Regisseurin Brigitta Gillesen am 7. Mai geführt hat.

Brigitta Gillesen im Konzeptionsgespräch zur götterdämmerung. Foto: Paul Leclair

“Die Götterdämmerung” ist als Stream noch bis zum 24. Mai online und abrufbar.
Die Kinderoper Köln wurde 1996 gegründet und ist die älteste in Deutschland, sogar in Westeuropa.
Die Regisseurin Brigitta Gillesen ist Mit-Initiatorin des Kinderrings und seit sieben Jahren die Leiterin der Kölner Kinderoper. Sie hat nach einem Germanistik- und Musikwissenschaftsstudium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin Regie studiert.

Johanna Doderers „Schuberts Reise nach Atzenbrugg“ am Münchner Gärtnerplatztheater – als Stream und live vor Ort!

Eine Handvoll Journalisten durften – neben etlichen Mitarbeitern des Hauses – mit Sondergenehmigung des bayerischen Kunstministers negativ getestet die „Streaming-Vorpremiere in kammermusikalischer Fassung“ von Johanna Doderers neuer Oper vor Ort im Gärtnerplatztheater verfolgen. Was für ein Erlebnis, nach exakt einem halben Jahr ohne Möglichkeit, Oper oder Konzert in einem Opernhaus oder einem Konzertsaal zu verfolgen, hier zu sitzen. Nicht nur mit Kopfhörern vor dem gerade mal 30 x 52,5 cm großem PC-Bildschirm, sondern in einem schönen, großen Raum zusammen mit anderen, wenn auch wenigen Menschen, mit reichlich Abstand zu einander gemeinsam Oper erleben! (Von Klaus Kalchschmid) Johanna Doderers „Schuberts Reise nach Atzenbrugg“ am Münchner Gärtnerplatztheater – als Stream und live vor Ort! weiterlesen

Romantische Walpurgisnacht mit Bruchs Violinkonzert und Schumanns Vierter. Janowski dirigiert das WSO

(Foto: Thomas Brill) „Klatschen Sie! Klatschen Sie!“ fordert ein Geiger des WDR Sinfonieorchesters auf, der durch den Künstlereingang in die Kölner Philharmonie hinein will. „Es ist so triste, wenn die Reaktion des Publikums fehle!“ Ich verspreche ihm, zu klatschen und werde schnell eines besseren belehrt. Das dürfe man nicht, sonst entstünde der Eindruck, Publikum wäre im Saal. Immerhin dürfen wir, nicht mehr als eine Handvoll Verantwortliche, darunter drei Journalisten, hinein. Sozusagen unsichtbar huschen wir durch die dunklen Philharmoniegänge in den gähnend leeren Saal, wo wir uns ganz rechts unsichtbar für die Kameras, die mitschneiden, in die Sessel drücken. (von Sabine Weber)

(30. April 2021, Kölner Philharmonie) Vom ersten Moment an fühlt es sich dennoch an wie „endlich wieder zuhause“. Das sanfte Sonnenlicht der mächtigen Deckenbeleuchtung strahlt milde, die roten Sessel spielen Abendrot und vorne sitzen schon etwas mehr als 40 Musiker*innen des WDR Sinfonieorchesters. Marek Janowski, Chef der Dresdner Philharmoniker bis 22/23, wird auf dem Kölner Podium von Bogenschlägen gegen Notenständern begrüßt. Er reicht Konzertmeister José Blumenschein die Hand und gibt sofort Einsatz. Obwohl die Musiker weit auseinander gezogen sitzen und es mit Mendelssohns Hebriden noch nicht einmal laut beginnt, ist der Klangeindruck zunächst geballt verwirrend. Das Hören per Kopfhörer, dazu die nachträglich bearbeiteten, also optimierten Streams, hat Spuren hinterlassen. Also jetzt erst mal wieder die Ohren spitzen und durchhören. Maestro Janowski wirkt hagerer als sonst. Dieser Dirigent hat die Kölner Philharmonie unvergessen mit Mahlers mächtiger Achter einst eröffnet. In diesem Konzert 35 Jahre danach lässt er eher spielen, was nicht heißt, dass er nicht eingriffe, um die Musiker zwischen sicher laufenden Tempi für Rubati an die Zügel zu nehmen oder noch waghalsigere Accerlerandi umzusetzen, die er grundsätzlich in den Finali fordert. Mendelssohns Konzertouvertüre kulminiert in stürmischem Wellengang, bis einzelne Bläser den Aufruhr endgültig verebben lassen. In Max Bruchs erstem und berühmten Violinkonzert garantiert Janowski dem Solisten Vadim Gluzman eine perfekte Klangbalance. Der Geigen-Souverain Gluzman gibt an diesem Abend sein Debüt vor dem WDR Sinfonieorchester. Seine Virtuosität ist makellos. Der Schmelz seiner Stradivari „ex Leopold Auer“ flutet den leeren Saal mühelos. Vielleicht ist alles zu perfekt. Doch warum einer Herz-Seelen-Musik-Packung Haare in die Suppe werfen. Was soll‘s, wenn Schlusspizzicati ein bisschen klappern oder die Bläser sich nicht wie gewohnt mischen, weil sie einfach zu weit von einander entfernt blasen müssen. Die Musiker sind mit vollem Einsatz dabei, engagiert, offenkundig begeistert, wieder zu spielen, einige im Orchester sogar entfesselt. Der Fagottist hüpft in der Stretta des letzten Satzes von Schumanns Vierter sogar auf seinem Stuhl. Ein wunderbares Konzert, das übrigens bis zum 29. Mai nachzuhören ist.

Neues Podcast favori: “Pirouetten” mit Flötist Rainer Berger

Wenn das Routinerad still steht, sind Musiker*innen nicht automatisch ausgebremst und schon gar nicht ratlos. Im Gegenteil. Sie besinnen sich auf das, was sie immer schon realisieren wollten, nur aus Zeitgründen nie dazu kamen. Jetzt gibt es Zeit und Inititiativen starten. An welchen Projekten arbeiten Musiker*innen ‘von nebenan‘. Das fragt die neue Podcast favori-Serie „Musiker unter dem Radar“ von Sabine Weber. Heute geht es um Flötenklänge!

Daniela Mars, Eftihia Arkoudis und vorne Rainer Berger

Rainer Berger hat Schulmusik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln mit Hauptfach Querflöte studiert, komponiert und unterrichtet und lebt in Brühl.
Daniela Mars lebt in Paris, wurde in Japan geboren und wuchs in Brasilien auf. Eftihia Arkoudis kommt aus Athen und hat eine Professur für Querflöte in den USA an der Frostburg Universität. Weitere Infos zu ihrem Projekt „Pirouetten“ finden Sie auf Youtube. Mehr über die Musiker hier. Der im podcast erwähnte Beatboxer Skiller ist Bulgare und lebt in Sofia.

Im Labyrinth des Bösen. Brittens “The Turn of the Screw” aus Brüssel

Gestern streamte eine Online-Premiere aus dem Opernhaus La Monnaie in Brüssel. Und Klaus Kalchschmid und Sabine Weber haben “The Turn of the Screw”, die neunte Oper von Benjamin Britten, wieder ganz unterschiedlich empfunden. Ob es mit der differierenden Wahrnehmung der Männerästhetik von Regisseurin Andrea Breth zu tun haben könnte, hören Sie im Podcast favori. Die Oper der Woche

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Foto: Bernd Uhlig

Der gedichtete Himmel! Und warum diese literarische Romantikstudie in die Hände jeden Musikers und Musikinteressierten gehört!

Stefan Matuschek, Der Gedichtete Himmel, C.H.Beck, 400 Seiten mit 29 Abbildungen

Selten ist Fachliteratur so anschaulich geschrieben und so spannend zu lesen. Der Literaturwissenschaftler Stefan Matuschek wählt für seine Epochenbiografie über die Romantik auch einen unerhörten Startpunkt. Das sehnsüchtige und träumerische Klischee weist er von Anfang in seine populären Schranken. Matuschek geht es vielmehr um die in Vergessenheit geratenen Beiträge aus der Romantik zur Moderne. (Von Sabine Weber)
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Serebrennikovs “Parsifal” in Wien im Männergefängnis!

(Titelfoto: Michael Pöhn) Tattoos in Nahaufnahme bei Russenmännern (Bilder und Videos). Ein Gefängnisszenario auf der Bühne. Am 11. April 2021 hat Kyrill Serebrennikovs „Parsifal“ an der Wiener Staatsoper in einer spektakuläre Neuproduktion ihre Online-Premiere erlebt. Spektakulär zum einen die Besetzung. Jonas Kaufmann in der Titelrolle. Elīna Garanča und Ludovic Tézier in ihren internationalen Rollendebüts als Kundry und Amfortas, Georg Zeppenfeld und Wolfgang Koch, Gurnemanz und Klingsor, bewährte Rollenprofis. Russische Volksfrömmigkeit und Aberglaube durchdringen die vergitterte Gralsburg. Und ein alter Parsifal erinnert sich an seine Jugend. (Ab 12. April in der Mediathek Arte Concert)

Parsifal (Nikolay Sidorenko) und Parsifal (Jonas Kaufmann). Foto: Michael Pöhn
Kundry (Elīna Garanča) als Journalistin. Foto: Michael Pöhn

„Hoffmanns Erzählungen“ auf fantastischem 3D-Bühnenboden in Zürich

Les Contes d‘Hoffmann” weicht von Jacques Offenbachs bisherigen Operettenspötteleien ab. Es geht nicht um in Intrigen verstricktes Götterpersonal (Orpheus in der Unterwelt) oder usurpierendes Wurzelgemüse (König Karotte) oder einen Hund (Barkouf), der besser regiert als alle Männer zusammen, wenn er von einer Frau geführt wird. In “Hoffmanns Erzählungen”, so der deutsche Titel, bringt Offenbach einen deutschen Schriftsteller ins Opernrepertoire. E.T.A. Hoffmann, der mit seinen Schauerromanen (Die Elexire des Teufels oder Der Sandmann) die literarische Romantik mit begründet hat. Zudem war er Musikschriftsteller, ein Mozartfan, den Vornamen Amadeus hat er sich selbst zugelegt, und er hat auch komponiert. Jetzt war er als Opernrolle in Zürich in der Streamingpremiere am 11. April 2021 zu erleben. Die ist auf der Seite der Züricher Oper noch bis Ende April als Video on demand kostenlos verfügbar. Das Sängerensemble ist vom Feinsten. Saimir Pirgu, ein Pavarottischützling, singt die Titelrolle. Sabine Weber im Gespräch mit Klaus Kalchschmid fragt in diesem „Podcast favori. Die Oper der Woche“ aber auch nach, ob Offenbachs Bühnen-Hoffmann in der Regie von Andreas Homoki in irgendeiner Weise auf den realen Hoffmann verweisen könnte… „Hoffmanns Erzählungen“ auf fantastischem 3D-Bühnenboden in Zürich weiterlesen

Rossinis “Il Signor Bruschini” im Stummfilmambiente

“Il Signor Bruschini” ist ein relativ unbekannter komödiantischer Einakter von Gioacchino Rossini. Die Staatsoper München bietet ihn in ihrem Oster-Wohlfühlpaket an, inszeniert aus der Zeit, als die Bilder laufen lernten!
Hören Sie Klaus Kalchschmid und Sabine Weber im podcast favori. Die Oper der Woche!

Josh Lovell (Florville), Emily Pogorelc (Sofia), Orchester der Bayerischen Staatsoper. Foto: Wilfried Hösl

Oster-Specials 2021/ Online-Angebote April

Wagners Parsifal am Karfreitag
Grand Théâtre Genève
Nationaltheater Mannheim bis 11. April Ostersonntag verfügbar

Theater Krefeld
2. April Opernfilm The Plague von Kobie van Rensburg ab 19.30 Uhr

Semperoper Dresden
5. April Ostermontag, Mozart, Zauberflöte (René Pape, Klaus Florian Vogt, Regie: Josef E. Köpplinger) Aufzeichnung der Premiere

Die Staatsoper Hamburg
bietet ein digitales Osterpaket an:
Wagner, Parsifal (ML: Kent Nagano; Inszenierung, Bühne, Kostüme und Licht: Achim Freyer)  Aufzeichnung vom 16. September 2017
Mozart, Così fan tutte (ML:Sébastien Rouland)
Aufzeichnung der Premiere vom 8. September 2018
Verdi, Falstaff (ML: Axel Kober Regie: Calixto Bieito) Aufzeichnung der Premiere vom 19. Januar 2020
La Passione (Konzept, Inszenierung, Bühne, Kostüme und Licht: Romeo Castellucci) Aufzeichnung vom 21. April 2016 aus den Deichtorhallen Hamburg

3 Heldinnen der Oper Leipzig. Jennifer Holloway als Elsa, Camilla Nylund als Gräfin und Marina Prudenskaya als Acuzena. Foto: Oper Leipzig

Der Ostergruß der Oper Leipzig
vom 3. April Ostersamstag 18 Uhr bis 4. April Ostermontag 20 Uhr mit Verdi, Il trovatore und Marina Prudenskaya als Azucena, Strauss ,Capriccio mit Camilla Nylund als Gräfin, Wagner, Lohengrin mit Michael Weinius

Die Staatsoper Stuttgart bietet einen virtuellen Osterspaziergang
bis 5. April Ostermontag mit Schumanns Faust-Szenen und Webbers Jesus Christ Superstar

 

 

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