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Die Oper ist kein Klimbim! Peter Konwitschny arbeitet szenisch mit angehenden Opernsängern, die er hautnah erfahren lässt, was Oper verhandelt, wenn die Regie sie ernst nimmt!

(20.- 22. Januar 2020, Hochschule für Musik und Tanz, Köln) Und als wollten sie dem Altmeister im Opern-Regiefach zum 75. Geburtstag, der war am 21. Januar, das schönste Geschenk machen! Die jungen Sängerinnen und Sänger werfen sich mit vollem Einsatz in die Szenen, die sie während des Meisterkurses mit Peter Konwtischny erarbeiten. Es wird gelitten, gestorben, gereizt, genervt, enttäuscht und Selbstmord vollzogen. Die Oper ist kein Klimbim! Peter Konwitschny arbeitet szenisch mit angehenden Opernsängern, die er hautnah erfahren lässt, was Oper verhandelt, wenn die Regie sie ernst nimmt! weiterlesen

Das entscheidende ist die politische Grundlage. Peter Konwitschny über sein Verständnis von Regiearbeit

Peter Konwitschny zählt zu den Regisseuren, die mit ihren Inszenierungen gern polarisieren und auch provozieren. Im Sinne der Wahrheitsfindung aus dem Stück heraus, so der Regisseur, der am 21. Januar seinen 75. Geburstag gefeiert hat. Während eines Meisterkurses “Szenische Arbeit mit Opernsängern” an der Musikhochschule Köln. Unmittelbar nach dem dritten Tag dieses Meisterkurses ist dieses Interview entstanden. Die Fragen stellt Sabine Weber

Drei Tage lang Ihre Arbeit zu verfolgen, heißt in Stimmungen einzutauchen, die Sie versuchen herzustellen, damit unser Nachwuchs hier gestalten kann. Ist die Stimmung das Entscheidende bei einer Szenengestaltung?

Nein, das Entscheide ist die politische Grundlage, die gesellschaftliche Situation, in der sich Menschen befinden, weshalb sich eben meistens ihre Liebessehnsüchte nicht erfüllen. Das ist erstmal das Wichtigste. Das müssen die Sänger verstanden haben. Das entscheidende ist die politische Grundlage. Peter Konwitschny über sein Verständnis von Regiearbeit weiterlesen

Beethrifft 2020. Beethoven ein Alptraum? Igudesman & Joo nähern sich am Oslofjord dem Titanen mit Humor

(Igudesman & Joo. Foto: Julia Wesely) Sind die riesigen Schatten, die das Beethovenjahr schon im letzten Jahr vorausgeworfen hat im eigentlichen Beethovenjahr bereits im Januar ein Alptraum geworden? Ein Beethoven-Alptraum, weil das medial gigantisch angerollte Beethovenjahr uns mit Beethovens Musik alptraumartig verfolgt? Und ist unser Umgang mit seiner Musik, sind unsere Beethoven-Hörgewohnheiten nicht schon längst ein Alptraum? Darüber sind, man glaubt es sofort, bereits Bücher geschrieben worden! Seine Klaviersonate Nummer 14 in cis-moll, bekannt unter Mondscheinsonate, war jedenfalls schon zu Lebzeiten so populär, dass Beethoven verzweifelt ausrief, dass er doch viel besseres komponiert hätte! Aber noch etwas anderes pointieren der Geiger Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo, Pianist, zusammen das Duo Igudesman & Joo. In dem vom Oslo Philharmonic bestellten und für das Orchester konzipierten Humor-beladenen Beethoven-Programm ist „Beethoven‘s Nightmare“ das Titel-gebende Stück dieser Show. Und da geht es um die Taubheit des Meisters. Am 8./ 9. und 10. Januar ist „Beethoven‘s Nightmare“ im Osloer Konzerthaus aus der Taufe gehoben worden. (Von Sabine Weber)

Blick auf den Eingang des Osloer Konzerthauses. Foto: Sabine Weber

(8. Januar 2020, Oslo Konsertus) Und natürlich spielt auch die Neunte eine Rolle. Und es darf und soll gelacht werden! Das Duo Igudesman & Joo inszeniert eine Sekundenreise durch Beethovens Sinfonik mit vielen Gedankenstrichen! Die Schläge von Beethovens Fünfter werden mit Ha-Ha-Ha-Hahhh zu einem Lacher. Und der Anfang der Schicksalssymphonie später zu einem Lach-Chor, der in Beethovens Alptraum, dem Titel-gebenden Stück des Abends, das Publikum im ausverkauften Osloer Konzerthaus für einen Moment sogar ziemlich irritiert! Hyung-ki Joo, der das Oslo Philharmonic Orchestra dirigiert, dreht sich zum Publikum um und reißt den Mund bei jedem “Ha” wie beim Schrei von Edvard Munch auf. Ebenso die Musiker des Oslo Philharmonic, die den Chor geben. Bittere Lacher? Es geht in diesem Moment ja auch um den Hörsturz Beethovens. Auf die „quasi una fantasia“-Dreiklangsbrechungen der Mondscheinsonate – von einer Harfe gespielt – wird das Heiligenstädter Testament – gelesen vom österreichischen Schauspieler Cornelius Obonya – vom Band zugespielt. Wobei die Sprache zunehmend nah und fern rückt, dumpf wird, bis sie verzerrt. Und ausgerechnet die Schönklänge der Mondscheinsonate werden kakophonisch gestört, mutieren zu einem Geräuschband, worauf sich immer wieder ein bohrender Tinnitus-Ton legt. Beim Hören glaubt man wirklich, einen Gehörsturz zu erleben. Und es hätte in dieser eindrücklichen Szene Aleksey Igudesmanns als Mimen gar nicht gebraucht, der sich mit Beethovenperrücke und Schreibfeder an einen Tisch setzt und zu kratzenden Schreibgeräuschen ein etwas lächerliches Bild abgibt. Anschließend übernimmt er allerdings das Dirigat. Denn Hyung-ki Joo setzt sich an den Flügel und wirft sich in den ziemlich virtuosen Klavierpart des letzten Satzes dieser Sonate. Der Alptraum hat zwei Teile. Angefeuert wird er jetzt von der Solo-Schlagzeugerin des Abends, Lucy Landymore, die eigens für dieses Programm engagiert wurde.
Dieses Stück bringt eine nachdenklich bittere Note ins Programm, das sich die meiste Zeit aber in einer herzerfrischenden Komik-Komfortzone tummelt. „Comedy-like“ und auch clownesk moderiert von Igudesman und Joo im Wechsel. Sie jonglieren mit Wortbedeutungen, „For Elise“ – „For a Lease“ – „A little Bit Hoven“, wobei die Witze nicht immer gleich gut sind, aber dem nicht so kundigen Klassikpublikum offensichtlich einladende Brücken bauen. Worauf die für das Oslo Philharmonic arrangierte und komponierte Musik dann sofort zündet. Und die fordert durchaus den Musikkenner heraus ohne den Laien abzuhängen! Aber es macht Spaß, Bekanntes herauszuhören. Etwa Motive aus Beethovens frühen Klaviersonaten, das Kopfmotiv der Opus 2, Nr. 1 beispielsweise, oder aus späten Sinfonien, wie etwa dem Thema des Zweiten Satzes von Beethovens 7. Sinfonie. Sie werden für ein Minimalmusik-Experiment übereinander geschichtet. Die Fünfte wird in einen swingenden „Take Fife“- Fünfer-Rhythmus zu einem Big-Band-Erlebnis. Und die 9. Sinfonie wird auf neun Sekunden reduziert. Das Duo Igudesman & Joo extrahiert, fokussiert, pointiert, und führt damit Hörgewohnheiten genüßlich ad absurdum. Die Mondscheinsonate war ja schon zu Beethovens Zeiten so populär, dass Beethoven darüber verzweifelte. Und wenn Beethoven wüsste, wie populär erst „Für Elise“ geworden ist! Dieses Klavier-Albumblatt nehmen die beiden nach besten Kräften auseinander, verarbeiten es zu eigenen Variationen, und noch in einem Zugaben-Stück gibt es eine Elise, zu der Elektronikbeatkünstler Dandario eine Spur hinzu konzipiert hat. Die Idee zu den Arrangements und ihre Ausarbeitung übernehmen die beiden in engem Passspiel immer selbst. Und sie lieben es, genreübergreifend zu kommunizieren. Jazz, Funk, Swing, Elektronik, Fusion und Improvisation. Alles ist dabei und gipfelt in den Joyful-Variations – nochmals die Neunte! Die „Schöne-Freude-Götterfunken-Melodie“ wird im Finale der Show Schlangenbeschwörung, Flamencosong, Samba-Rhythmus, Broadway Musical, Ta-ke-tina Raga-Rhythmus oder begleitet arabischen Mugham-Gesang. Mit von der Partie ist auch die norwegische Jazzsängerin Julie Dahle Aagård. Auch wenn wir in dieser Show nicht wirklich Neues über Beethoven erfahren, sie ist zum Beethovenjahr ein befreiend humoristischer Beitrag: „mal ganz anders“. Unterhaltend und durchaus mit Anspruch: Aleksey Igudesmann, gebürtiger Sankt Petersburger, die Schirmmütze ist sein Markenzeichen, greift immer wieder zur Geige. So, wie Hyung-Ki Joo, ein Brite südkoreanischer Abstammung, immer wieder am Klavier sitzt. An der Yehudi-Menuhin-Schule haben sie sich kennengelernt und zusammengeschlossen. Und sie sind nicht nur virtuos, sondern auch mit akrobatischem Einsatz dabei, hier, wenn beispielsweise Igudesman auf einem Minibogen Beethovenmotive zu wilden rhythmischen Patterns gewaltig laut steigert oder Joo die beiden Anfangstöne von „Für Elise“ unentwegt wiederholt und sich dabei unter den Flügel legt, gähnt, schläft und … weiter spielt. Und schlafend von unten auch noch nach den Anfangsakkorden von Erik Saties Gymnopédie greift und trifft! Eine kollektive Zirkusnummer ist – ausgehend von Beethovens Violinkonzert – ein Zappen durch weitere Violinkonzerte, wobei Joo zappt und Igudesmann und das Oslo Philharmonic Orchestra in Sekundenschnelle an eine betreffende Stelle springen und spielen. Mendelssohn d-moll, Bergs „Andenken an einen Engel“, Bachs a-moll, die kleine Nachtmusik und wieder Beethoven D-dur.

Das Oslo Philharmonic Orchestra. Foto: C.F. Wesenberg

Das Oslo Philharmonic, gerade hat es sein 100jähriges Bestehen gefeiert, hat offenkundig seinen Spaß, wenn man in die Gesichter der Musiker schaut. Das Publikum im ausverkauften Osloer Konzerthaus goutiert diese Show mit stehenden Ovationen. Also ein gelungener Auftakt für das große Beethovenfest, das in Oslo vom 5. bis zum 15. November stattfindet und auch in das wunderbare Opernhaus am Oslofjord einlädt. Eröffnet wird das norwegische Beethovenfest aber nicht mit dem Opernorchester, sondern mit dem Oslo Philharmonic – dann wieder ganz ernst – und Beethovens Missa Solemnis.

In Wien kein Beethrifft, sondern fantastische Ausstellungen und die Derniere der hybriden Grand Opéra “Orlando” von Olga Neuwirth

Foto: Sabine Weber

Ist es ein Sakrileg, nach Wien zu reisen und sich um Beethoven 250 aber auch gar nicht zu scheren? Hier wirft er seine Schatten selbstverständlich auch voraus. Das berühmte Beethoven-Portrait mit wild um den Kopf stehenden Haaren ist überdimensional auf Häuserfassaden plakatiert! Und haben nicht die Österreicher den deutschen Beethoven zu einem Österreicher gemacht? Dafür den österreichischen Hitler zu einem Deutschen! Von wegen blöde Redewendung. In Wien gibt es noch immer einen Dr.-Karl-Lueger-Platz, benannt nach dem Wiener Bürgermeister, der Hitlers antisemitische Rhetorik nachweislich vorformuliert hat – und auch die Endlösungs-Idee mitgeliefert hat. (Siehe klassikfavori Luegers Parlamentsrede vom Mai 1894 in Wien, zitiert bei der Ruhrtriennalen Produktion RT19 „Von den letzten Tagen…“) Und erst 2012 wurde der Dr- Karl-Lueger-Ring in Universitätsring umbenannt. Wäre Hitler im Bewusstsein der Österreicher ein Österreicher hätte sich Österreich bewegt und auch den Lueger-Platz längst umgewidmet! (Von Sabine Weber)

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Das Land des Lächelns am Aalto-Theater feiert in der Regie von Sabine Hartmannshenn bald Premiere! Und da gibt es was zu sagen …

Sabine Hartmannshenn ist Opern-Regisseurin. Und darf für sich beanspruchen, was alle renommierten Regisseur*innen behaupten. Sie hat an allen namhaften Opernhäusern inszeniert! Am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, am Fenice in Mailand, an der Staatsoper Hamburg, am Kongelige Teater Kopenhagen. Ihre “Lulu” für die Göteborger Oper ist von der Kritik zur „Produktion des Jahres 2002“ in Schweden gewählt worden. Ihre “Phaedra”-Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein ist als Höhepunkt im Henze-Jahr 2010 bejubelt worden. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an Puccinis “Il Trittico” für Köln, wo drei Regisseurinnen jeweils übernommen haben. Sabine Hartmannshenn den “Tabarro”, wo eine noch unbekannte Asmik Grigorian eine wunderbare Giorgetta gegeben hat. Auch zwei Operetten gehören zu ihrem Erfahrungsschatz. Kommenden Samstag, am 7. Dezember, feiert am Aalto-Theater in Essen ihre dritte Operettenproduktion, Franz Lehárs „Land des Lächelns“ Premiere. Sind Operetten wieder angesagt? Das Jacques Offenbachjahr scheint Mut gemacht zu haben. Wobei das “Land des Lächeln” mit Vorbehalten an den Start geht. Die Wuppertaler Inszenierung im letzten Jahr hat für einen Skandal gesorgt. (Das Gespräch mit Sabine Hartmannshenn führt Sabine Weber)

Sabine Hartmannshenn. Foto: Andreas Zobe

Das Land des Lächelns am Aalto-Theater feiert in der Regie von Sabine Hartmannshenn bald Premiere! Und da gibt es was zu sagen … weiterlesen

im Strudel der Hyperinflation 1923. die Oper “Wolf unter Wölfen” von Søren Nils Eichberg ist am Theater Koblenz uraufgeführt worden und Sucht Parallelen zu Heute

Tobias Haaks (Wolfgang Pagel) und Marcel Hoffmann (Conferencier). Foto: Matthias Baus

Oper wendet sich offenbar wieder der großen, vor allem umfangreichen Literatur zu! Im April hat die Umsetzung von Jonathan Littells 1400seitigem Roman „Les bienveillantes“/ „Die Wohlgesinnten“, die Biografie eines fiktiven Wehrmachtsoldaten und minutiöse Beschreibung von Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg, in Antwerpen für Furore gesorgt. Nicht weniger opulent ist Hans Falladas Roman „Wolf unter Wölfen“ von 1937, der jetzt am Koblenzer Theater seine Uraufführung als Musiktheater erlebt hat. Er spielt im Hyperinflationsjahr 1923 und fokussiert Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten und Milieus, die versuchen, sich während der rasanten Geldentwertung über Wasser zu halten. Berlin und das Landgut Neulohe sind die Spielorte. Die Krise der Weimarer Republik offenbart Parallelen zur Heute. John von Düffel hat nicht von ungefähr während der Bankenkrise 2009 diesen Roman zu einem Schauspiel destilliert. Jetzt hat er die Vorlage noch einmal kondensiert, damit Søren Nils Eichberg sie im Auftrag des Koblenzer Theaters vertonen konnte. Bereits vor zwei Jahren ist Eichberg am Deutschen Eck als Opernkomponist gefeiert worden. Unter der Leitung von Karsten Huschke in der Regie von Waltraut Lehner, unterstützt von Bühnenbildner Ulrich Frommhold hat Eichbergs Science-Fiction-Oper „Glare“ die deutsche Erstaufführung erlebt. Und alle zeichnen für „Wolf unter Wölfen“ im Graben und auf der Bühne wieder verantwortlich! Die Uraufführung war am 23.11.2019 am Theater Koblenz. Welche Gedanken sich das Kreativ- und Produktionsteam über diese neue Oper gemacht hat und einiges über den Entstehungsprozess können Sie im folgenden Gespräch erfahren. im Strudel der Hyperinflation 1923. die Oper “Wolf unter Wölfen” von Søren Nils Eichberg ist am Theater Koblenz uraufgeführt worden und Sucht Parallelen zu Heute weiterlesen

Die Deutsche Erstaufführung von Brett Deans “Hamlet” steht Köln bevor. Nach Shakespeare! Dean gibt Auskunft!

Brett Dean. Foto Bettina Stoess
Brett Dean. Foto: Bettina Stoess

Der australische Komponist Brett Dean lebt schon lange in Deutschland. 14 Jahre lang war er Bratscher bei den Berliner Philharmonikern, bevor er in die Freiberuflichkeit ging, um zu komponieren. Sein zweites Bühnenwerk, die Oper “Bliss”, hat unter der Leitung von Simone Young die Saison 2010/2011 an der Hamburgischen Staatsoper eröffnet. Diese Saison scheint in Deutschland ein besonderes Brett Dean Jahr zu sein. Der sympathische Endfünfziger, der blumige Muster liebt und meist dieser Art gemusterte Hemden trägt, ist in dieser Spielzeit 2019/20 Composer in residence der Dresdner Philharmonie im Kulturpalast. Und um die Deutsche Erstaufführung seines jüngsten Bühnenwerks haben sogar zwei Opernhäuser gekämpft, München und Köln. Köln hat gewonnen. Unter anderem wegen der Ausweichspielstätte im Staatenhaus, die mit ihrem weiten und tiefen Bühnenpanorama Regisseurinnen und Regisseure durchaus inspiriert. In diesem Falle Matthew Jocelyn, ein enger Ko-Partner des Komponisten, denn er hat das Libretto geschrieben. Brett Dean habe ich in den Containerbüros beim Staatenhaus kurz vor der Hauptprobe befragt, wie wir an diesen Shakespeare herangehen sollten. Die Deutsche Erstaufführung von Brett Deans “Hamlet” steht Köln bevor. Nach Shakespeare! Dean gibt Auskunft! weiterlesen

Opulente Bilder mit surrealen Brechungen. Lydia Steier inszeniert Carmen in Köln

Georges Bizets „Carmen“ 1875 mit mäßigem Erfolg an der Pariser Opéra Comique uraufgeführt, entpuppt sich kurze Zeit später als Erfolg und ist heute eine der meistgespielten Opern auf der Welt. Sie spielt in Sevilla und hat damals den „Hispanismus“ als exotische Musiknote zum Modetrend gemacht. Was die Frau im Fokus dieser Oper betrifft, füllt sie inzwischen Bände: Femme fatale, rassige Zigeunerin, Hexe, sexgeiles Liebesobjekt, bedrohliche Exotin, eine Konfliktauslöserin tiefenpsychologischer Freudscher Verklemmungen… Projektionsflächen aus der Sicht von Männern! Für die Kölner Premiere gestern in der Oper im Staatenhaus hat Lydia Steier mal ein bisschen an diesem Klischee gekratzt und ihre weiblichen Reize in einem Overall und Stiefeln versteckt. Dass Carmen in einer Inszenierung mal ohne die üblichen Verführungsallüren auskommt, finde ich als Frau sehr erfrischend. (Sabine Weber) Opulente Bilder mit surrealen Brechungen. Lydia Steier inszeniert Carmen in Köln weiterlesen

Alle glauben, Carmen zu kennen! So Lydia Steier, die für ihre Kölner Neu-Inszenierung von Georges Bizets Erfolgsoper in der Vorstadt Hürth geforscht hat

Lydia Steier ist 1978 in Hartford im Bundesstaat Connecticut geboren, hat am Oberlin Conservatory of Music in Ohio Gesang studiert und anschließend Regie an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Dann kommt sie nach Berlin, um ihre Magisterarbeit über das deutsche Regietheater zu schreiben und nimmt gleich ihre ersten Regiearbeiten in Angriff. Der Deutschlandfunk erklärt sie 2009 für ihre Inszenierung von Ferruccio Busonis “Turandot” zur Entdeckung des Jahres. In Mainz nimmt ihre Karriere Fahrt auf. Für die deutsche Erstaufführung von Pascal Dusapins „Perelà“ wird sie 2015 gleich zweimal für den Faustpreis nominiert. Karlheinz Stockhausens „Donnerstag“ aus Licht in Basel im Jahr darauf wird von der Zeitschrift Opernwelt zu Aufführung des Jahres gekürt. Für Köln hat sie zuletzt Giacomo Puccinis “Turandot” inszeniert. Und jetzt sitzen wir in einem Container vor dem Kölner Staatenhaus, derzeitige Ersatzspielstätte, damit sie mir etwas über die neue Carmen-Produktion verrät, die Sonntag Premiere feiert. Und natürlich bin ich gespannt, was sie mir Neues über ihre Carmen verraten wird… Alle glauben, Carmen zu kennen! So Lydia Steier, die für ihre Kölner Neu-Inszenierung von Georges Bizets Erfolgsoper in der Vorstadt Hürth geforscht hat weiterlesen

Existentielle Metamorphosen! Romeo Castelluccis Sicht auf Arthur Honeggers „Jeanne d‘Arc au bûcher“ am La Monnaie/ De Munt in Brüssel!

Kriegerische Amazone, arme Bauerntochter, besessene Jungfrau oder visionäre Heilige … Wer sie wirklich war, wissen wir auch nach den 100 Minuten in der Brüsseler Oper nicht. Regisseur Romeo Castellucci kratzt zwar an den Schichten, die sich im Laufe der Geschichte auf ihren Mythos, beziehungsweise um die inzwischen heilig-gesprochene Patronin Frankreichs gelegt haben. Er legt aber auch neue Projektionsflächen an. Erlebbar macht er vor allem einen Menschen, der einsam ist. Jeanne hat es in Konfrontation mit den Autoritäten gehörig mit der Angst zu tun bekommen. Und dass sie, wenn auch hier kontrolliert Amok läuft, weil sie politisch benutzt wird und dafür kläglich im Feuer sterben muss, ist nachvollziehbar. Ein Hauptverdienst des Abends geht auf das Konto der großartigen Schauspielerin Audrey Bonnet. Die Partie der Jeanne ist eine reine Sprechrolle. Audrey Bonnet durchlebt das in Jeannes kurzem Leben so tief gesunkene Hoffnungsbarometer bis in ein vorweg geschaufeltes Grab hinein mit hohem körperlichem Einsatz. Das sorgt für Kontrapunkte zu den über weite Strecken mystisch-magischen verklärenden Klangflächen. (Von Sabine Weber)

Hausmeister/ Jeanne. Foto: Bernd Uhlig
Bruder Dominique vor und Hausmeister/ Jeanne hinter der Tür. Foto: Bernd Uhlig

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