Archiv der Kategorie: Künstlergespräch

Beethrifft 2020 in Bonn. Dirk Kaftan über das neues Beethovenexperiment, das er gar nicht so experimentell findet

(Foto: Thilo Beu) Ludwig van Beethovens Oratorium “Christus am Ölberge” sei wie eine Oper. Also sei das Szenische kein Wagnis. Schon eher der Spagat zwischen der neu komponierten Musik Manfred Trojahns „Ein Brief. Reflektive Szene für Bariton, Streichquartett und Orchester“ und Ludwig van Beethoven. Doch Beethoven war zeitlebends ein Avantgardist und hat Mut zum Risiko gezeigt. Wie auch Dirk Kaftan, der im Januar zum Auftakt des Beethoven-Jubiläumsjahr mit der aktuellen Bonner Fidelio-Inszenierung politisches Theater unterstützt hat. Maßgeblich mitgetragen von ihm am Pult des Bonner Beethovenorchesters. Dirk Kaftan hier mit einigen Gedanken zur aktuellen Premiere und zu seiner Arbeit als Dirigent im Orchestergraben.

Dirk Kaftan vor dem Beethovenorchester Bonn. Foto: Thomas Frey

Beethrifft 2020. Eine Entdeckung am 6. Februar. Pianistin Sophie-Mayuko Vetter gibt Auskunft über Beethoven Nulltes! und Sechstes! Klavierkonzert


Manches kam ja überpünktlich, um Schatten vorauf zu werfen. Bereits im letzten Oktober ist auch diese Einspielung mit wirklich unerhörten Klavierkonzerten von Ludwig van Beethoven herausgekommen. Wir wollen sie im Beethoven-Jubiläumsjahr auf klassikfavori nicht vergessen, und das aus mehreren Gründen. Das zweite Klavierkonzert op. 19 in B-dur kennen Sie ja bestimmt. Aber kennen Sie auch Ludwig van Beethovens „Nulltes“ – ein fragmentarisches Frühwerk in drei Sätzen – und sein 6. Klavierkonzert, ein unvollendetes Klavierkonzert in einem Satz, das Beethoven nach seinem Fünften entworfen hat? Ein „Vor-“ und ein „Danach-“ Konzert zum bekannten Klavierkonzertkanon sind durch deren Vervollständigung entstanden. Das frühe „Nullte“ hat Sophie-Mayuko Vetter, übrigens die Tochter des Obertonsängers und Komponisten Michael Vetter, sogar auf einem „Beethoven-Flügel“ eingespielt. Was das ist, verrät Ihnen gleich die Pianistin. In dieser doppelten Weltersteinspielung spannt sie einen Bogen von dem fragmentarischen Frühwerk zu einem unvollendeten Spätwerk. In folgendem Interview dürfen Sie in die komplexe Gedankenwelt eintauchen, aus der die Interpretin ihre Herangehensweise an dieses Projekt gefunden hat. Da habe ich zumindest einiges über die Verwendung eines historischen Flügels mit modernem Orchester und über Beethovens damalige Vorstellungen von gutem Flügelsound gelernt! Aber zunächst wollte ich doch wissen, wie dieses Projekt überhaupt zustande kam. (Die Fragen stellt Sabine Weber)
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Strafen! Die Uraufführung einer neuen deutschsprachigen Kafka-Oper von Brice Pauset am 12. Februar in Dijon

(Brice Pauset. Foto: Gilles Abegg) „Strafen“ klingt nicht besonders einladend für eine Oper. Leichte Kost sind Kafka-Texte ja auch im seltenen Fall. Schon gar nicht die drei Erzählungen, die sich der in Besançon geborene Komponist Brice Pauset für sein jüngstes Opernwerk ausgesucht hat.

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Steht das Böse am Anfang der Menschheitsgeschichte? Zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz – heute – wirft sich die Frage auf. Dietrich Hilsdorf hat den Brudermord von Kain an Abel von Alessandro Scarlatti für Essen am Wochenende inszeniert. Bei ihm lautet das Problem allerdings nicht Mensch sondern Gott!

(25. Janaur 2020, Aalto Theater, Essen) „Der erste Mord“ hat Alessandro Scarlatti 1707 über sein Oratorium gesetzt. „Il primo omicidio – overo Cain“ im Italienischen. Der Mord Kains an seinem jüngeren Bruder Abel ist die erste biblische Gewalttat eines Menschen gegen einen Menschen. Also genug Drama für eine Oper! Dietrich Hilsdorf und sein Bühnenbildner Dieter Richter machen aus Scarlattis Oratorium für das Aalto-Theater eine Versuchsanordnung in einem geschlossenen Raum. Gott und der Teufel sind die Spieler. Adam und Eva, Kain und Abel ihre Wettgegenstände. Ein großartiges Sängerensemble belebt diese Versuchsanordnung in einem geschwungenen, etwas abgetakelten Barocksalon mit blinden Spiegeln über dem Kamin. Sie sitzen am Tisch in der Bühnenmitte oder an kleinen Tischchen da parte und gestalten die eigentlich etwas stereotoype Rezitativ-Arienabfolge zu einem berührenden Seelenkaleidoskop. Abgesehen von einigen kleinen Wacklern und Ungenauigkeiten zu Anfang im hochgefahrenen Orchestergraben werden sie von den informiert aufspielenden Essener Philharmonikern (zwei Blockflöten sind dabei) unter Rubén Dubrovsky farbig und intensiv begleitet. Im Continuo mit Erzlaute, Cembalo, Orgelpositiv und, für den Teufel seit Monteverdis Unterweltzeiten ein Muss, einem schnarrenden Regal. Zwei Countertenöre, Philipp Mathmann als ätherischer Abel, Xavier Sabata als herrschsüchtiger Gott und mit einer wunderbar sprachbetont ausgeformten Tongebung,

Philipp Mathmann (Abel), Xavier Sabata (Gott). Foto: Matthias Jung

sind die Lobby gegen den Teufel, Bassist Baurzhan Anderzhanov, zunächst als gefährliche

Xavier Sabata (Gott), Dmitry Ivanchey (Adam), Baurzhan Anderzhanov (Teufel). Foto: Matthias Jung

Liebschaftsdame verkleidet, und Kain, ebenfalls eine Kastratenpartie und die interessanteste Rolle, hier von Mezzo Bettina Ranch großartig gespielt und gesungen. Nicola Reichert lässt die Paarbildungen schon in ihren stilistisch am 18. Jahrhundert historisch orientierten Kostümen erkennen. Adam, Dmitry Ivanchey, und Eva, Tamara Banješević, tragen grau-lila, die kirchlichen Todes-und-Fastenzeitfarben, während Abel und Gott in hell-beige-Gold glänzen. Zweieinhalb Stunden trägt die Inszenierung, die trotz einiger Brüche einen großen Bogen spannt. Die Begeisterungsstürme sind verdient, hat man nach einer Aalto-Premiere auch noch selten so erlebt. Hier gibt es ein begeistertes Publikum für Barockoper! Vor der Premiere habe ich mich mit Dietrich Hilsdorf getroffen, um zu erfahren, wie er auf dieses Barockoratorium gekommen ist und was seine Sicht auf das Böse in diesem Stück prägt. (Das Interview führt Sabine Weber)

Steht das Böse am Anfang der Menschheitsgeschichte? Zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz – heute – wirft sich die Frage auf. Dietrich Hilsdorf hat den Brudermord von Kain an Abel von Alessandro Scarlatti für Essen am Wochenende inszeniert. Bei ihm lautet das Problem allerdings nicht Mensch sondern Gott! weiterlesen

Das entscheidende ist die politische Grundlage. Peter Konwitschny über sein Verständnis von Regiearbeit

Peter Konwitschny zählt zu den Regisseuren, die mit ihren Inszenierungen gern polarisieren und auch provozieren. Im Sinne der Wahrheitsfindung aus dem Stück heraus, so der Regisseur, der am 21. Januar seinen 75. Geburstag gefeiert hat. Während eines Meisterkurses “Szenische Arbeit mit Opernsängern” an der Musikhochschule Köln. Unmittelbar nach dem dritten Tag dieses Meisterkurses ist dieses Interview entstanden. Die Fragen stellt Sabine Weber

Drei Tage lang Ihre Arbeit zu verfolgen, heißt in Stimmungen einzutauchen, die Sie versuchen herzustellen, damit unser Nachwuchs hier gestalten kann. Ist die Stimmung das Entscheidende bei einer Szenengestaltung?

Nein, das Entscheide ist die politische Grundlage, die gesellschaftliche Situation, in der sich Menschen befinden, weshalb sich eben meistens ihre Liebessehnsüchte nicht erfüllen. Das ist erstmal das Wichtigste. Das müssen die Sänger verstanden haben. Das entscheidende ist die politische Grundlage. Peter Konwitschny über sein Verständnis von Regiearbeit weiterlesen

Das Land des Lächelns am Aalto-Theater feiert in der Regie von Sabine Hartmannshenn bald Premiere! Und da gibt es was zu sagen …

Sabine Hartmannshenn ist Opern-Regisseurin. Und darf für sich beanspruchen, was alle renommierten Regisseur*innen behaupten. Sie hat an allen namhaften Opernhäusern inszeniert! Am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, am Fenice in Mailand, an der Staatsoper Hamburg, am Kongelige Teater Kopenhagen. Ihre “Lulu” für die Göteborger Oper ist von der Kritik zur „Produktion des Jahres 2002“ in Schweden gewählt worden. Ihre “Phaedra”-Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein ist als Höhepunkt im Henze-Jahr 2010 bejubelt worden. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an Puccinis “Il Trittico” für Köln, wo drei Regisseurinnen jeweils übernommen haben. Sabine Hartmannshenn den “Tabarro”, wo eine noch unbekannte Asmik Grigorian eine wunderbare Giorgetta gegeben hat. Auch zwei Operetten gehören zu ihrem Erfahrungsschatz. Kommenden Samstag, am 7. Dezember, feiert am Aalto-Theater in Essen ihre dritte Operettenproduktion, Franz Lehárs „Land des Lächelns“ Premiere. Sind Operetten wieder angesagt? Das Jacques Offenbachjahr scheint Mut gemacht zu haben. Wobei das “Land des Lächeln” mit Vorbehalten an den Start geht. Die Wuppertaler Inszenierung im letzten Jahr hat für einen Skandal gesorgt. (Das Gespräch mit Sabine Hartmannshenn führt Sabine Weber)

Sabine Hartmannshenn. Foto: Andreas Zobe

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im Strudel der Hyperinflation 1923. die Oper “Wolf unter Wölfen” von Søren Nils Eichberg ist am Theater Koblenz uraufgeführt worden und sucht Parallelen zu Heute

Tobias Haaks (Wolfgang Pagel) und Marcel Hoffmann (Conferencier). Foto: Matthias Baus

Oper wendet sich offenbar wieder der großen, vor allem umfangreichen Literatur zu! Im April hat die Umsetzung von Jonathan Littells 1400seitigem Roman „Les bienveillantes“/ „Die Wohlgesinnten“, die Biografie eines fiktiven Wehrmachtsoldaten und minutiöse Beschreibung von Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg, in Antwerpen für Furore gesorgt. Nicht weniger opulent ist Hans Falladas Roman „Wolf unter Wölfen“ von 1937, der jetzt am Koblenzer Theater seine Uraufführung als Musiktheater erlebt hat. Er spielt im Hyperinflationsjahr 1923 und fokussiert Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten und Milieus, die versuchen, sich während der rasanten Geldentwertung über Wasser zu halten. Berlin und das Landgut Neulohe sind die Spielorte. Die Krise der Weimarer Republik offenbart Parallelen zur Heute. John von Düffel hat nicht von ungefähr während der Bankenkrise 2009 diesen Roman zu einem Schauspiel destilliert. Jetzt hat er die Vorlage noch einmal kondensiert, damit Søren Nils Eichberg sie im Auftrag des Koblenzer Theaters vertonen konnte. Bereits vor zwei Jahren ist Eichberg am Deutschen Eck als Opernkomponist gefeiert worden. Unter der Leitung von Karsten Huschke in der Regie von Waltraut Lehner, unterstützt von Bühnenbildner Ulrich Frommhold hat Eichbergs Science-Fiction-Oper „Glare“ die deutsche Erstaufführung erlebt. Und alle zeichnen für „Wolf unter Wölfen“ im Graben und auf der Bühne wieder verantwortlich! Die Uraufführung war am 23.11.2019 am Theater Koblenz. Welche Gedanken sich das Kreativ- und Produktionsteam über diese neue Oper gemacht hat und einiges über den Entstehungsprozess können Sie im folgenden Gespräch erfahren. im Strudel der Hyperinflation 1923. die Oper “Wolf unter Wölfen” von Søren Nils Eichberg ist am Theater Koblenz uraufgeführt worden und sucht Parallelen zu Heute weiterlesen

Die Deutsche Erstaufführung von Brett Deans “Hamlet” steht Köln bevor. Nach Shakespeare! Dean gibt Auskunft!

Brett Dean. Foto Bettina Stoess
Brett Dean. Foto: Bettina Stoess

Der australische Komponist Brett Dean lebt schon lange in Deutschland. 14 Jahre lang war er Bratscher bei den Berliner Philharmonikern, bevor er in die Freiberuflichkeit ging, um zu komponieren. Sein zweites Bühnenwerk, die Oper “Bliss”, hat unter der Leitung von Simone Young die Saison 2010/2011 an der Hamburgischen Staatsoper eröffnet. Diese Saison scheint in Deutschland ein besonderes Brett Dean Jahr zu sein. Der sympathische Endfünfziger, der blumige Muster liebt und meist dieser Art gemusterte Hemden trägt, ist in dieser Spielzeit 2019/20 Composer in residence der Dresdner Philharmonie im Kulturpalast. Und um die Deutsche Erstaufführung seines jüngsten Bühnenwerks haben sogar zwei Opernhäuser gekämpft, München und Köln. Köln hat gewonnen. Unter anderem wegen der Ausweichspielstätte im Staatenhaus, die mit ihrem weiten und tiefen Bühnenpanorama Regisseurinnen und Regisseure durchaus inspiriert. In diesem Falle Matthew Jocelyn, ein enger Ko-Partner des Komponisten, denn er hat das Libretto geschrieben. Brett Dean habe ich in den Containerbüros beim Staatenhaus kurz vor der Hauptprobe befragt, wie wir an diesen Shakespeare herangehen sollten. Die Deutsche Erstaufführung von Brett Deans “Hamlet” steht Köln bevor. Nach Shakespeare! Dean gibt Auskunft! weiterlesen

Alle glauben, Carmen zu kennen! So Lydia Steier, die für ihre Kölner Neu-Inszenierung von Georges Bizets Erfolgsoper in der Vorstadt Hürth geforscht hat

Lydia Steier ist 1978 in Hartford im Bundesstaat Connecticut geboren, hat am Oberlin Conservatory of Music in Ohio Gesang studiert und anschließend Regie an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Dann kommt sie nach Berlin, um ihre Magisterarbeit über das deutsche Regietheater zu schreiben und nimmt gleich ihre ersten Regiearbeiten in Angriff. Der Deutschlandfunk erklärt sie 2009 für ihre Inszenierung von Ferruccio Busonis “Turandot” zur Entdeckung des Jahres. In Mainz nimmt ihre Karriere Fahrt auf. Für die deutsche Erstaufführung von Pascal Dusapins „Perelà“ wird sie 2015 gleich zweimal für den Faustpreis nominiert. Karlheinz Stockhausens „Donnerstag“ aus Licht in Basel im Jahr darauf wird von der Zeitschrift Opernwelt zu Aufführung des Jahres gekürt. Für Köln hat sie zuletzt Giacomo Puccinis “Turandot” inszeniert. Und jetzt sitzen wir in einem Container vor dem Kölner Staatenhaus, derzeitige Ersatzspielstätte, damit sie mir etwas über die neue Carmen-Produktion verrät, die Sonntag Premiere feiert. Und natürlich bin ich gespannt, was sie mir Neues über ihre Carmen verraten wird… Alle glauben, Carmen zu kennen! So Lydia Steier, die für ihre Kölner Neu-Inszenierung von Georges Bizets Erfolgsoper in der Vorstadt Hürth geforscht hat weiterlesen

Jacques Offenbachs “Barkouf” hat in Köln Premiere, mit Tenor Matthias Klink, der hier seine Rolle und mehr erklärt! Musikwissenschaftler Jean-Christophe Keck verrät, wie er diese Neuentdeckung gefunden hat

Nach Köln kommt er gern zurück, denn hier hat er im Kölner Opernstudio angefangen.
Als der Tenor Matthias Klink das letzte Mal in Köln war, im April dieses Jahres als Evangelist in Bachs Johannespassion mit dem Gürzenich-Orchester, musste er gleich am nächsten Tag zurück, weil er Mao („Nixon in China“ von John Adams) in seinem Opernhaus in Stuttgart singen musste. Bababeck in Offenbachs Barkouf ist auch ein totalitärerer Chef. Einmal Diktator immer Diktator? Auf gar keinen Fall, die Zwischenzeit sei mit anderen Rollenengagements gefüllt gewesen, wie er nach der Hauptprobe erzählt. Vor allem erteilt Klink im Gespräch Auskunft über das Spezielle der Rolle, die natürlich nichts mit Mao zu tun hat. Und mit viel tenoralem Sprechklang, Agogik und Gestik verrät er auch noch, was er über Bouffe und Operette denkt, über seine Mozartschublade, in der er gesteckt hat, über die Rolle seines Lebens in Benjamin Brittens „Tod in Venedig“ und was für ihn das Theatergefühl bedeutet! (Das Gespräch führt Sabine Weber)

Bababeck tanzt mit dem Blumenmädchen Maima. Foto: Paule Leclaire
Bababeck tanzt mit dem Blumenmädchen Maima. Foto: Paule Leclaire

Soweit Matthias Klink. Er wird bei der Premiere am Samstag, dem 12. Oktober die Rolle des Bababecks in Jacques Offenbachs Barkouf singen. Und danach ein Gespräch mit dem Wiederentdecker Jean-Christophe Keck und dem Verleger Frank Harders-Wuthenow.

Worum es geht?
Ein Großmogul, der aufständische Städte niederbrennt, beschließt eine besondere Strafmaßnahme. Er ernennt einen Hund zum Gouverneur der Stadt. Und lacht sich eins ins Fäustchen. Die werden schon sehen! Großwesir Bababeck hat seine liebe Mühe, mit Barkouf zu regieren. So heißt der Hund. Die Geschäfte müssen laufen, schon allein, weil Bababeck seine Tochter verheiraten will. Dazu braucht es nämlich das Ja des Gouverneurs. Eine junge Blumenverkäuferin namens Maïma kann helfen. Sie hat Barkouf groß gezogen, und er hört auf ihr Wort. Also lässt er Maïma in die Machtzentrale rein. Maïma lässt den Hund bellen, übersetzt und hilft erst mal den Bürgern: die Steuerlast wird halbiert, die Todesstrafe abgeschafft. Das Volk lässt Barkouf hochleben! Bababeck kocht…! Was für eine geniale Regime-Kritik haben sich Jacques Offenbach und sein Librettist Eugène Scribe da ausgedacht! Die Aufführung an der Opéra Comique am 24. Dezember 1860 floppt allerdings total. Unter anderem, weil ein Hund auf der Bühne als obszön empfunden wird. Das Werk verschwindet. Und taucht erst 150 Jahre später auf. Diesen Samstag ist die Deutsche Erstaufführung an der Oper in Köln zu erleben. In einer Koproduktion mit Straßburg. Dort feierte das Werk im Dezember des letzten Jahres Premiere, und der Wiederentdecker war da, Jean-Christophe Keck, der bei den Offenbachs zuhause auf den Hund gekommen ist! (Von Sabine Weber)

Jacques Offenbachs “Barkouf” hat in Köln Premiere, mit Tenor Matthias Klink, der hier seine Rolle und mehr erklärt! Musikwissenschaftler Jean-Christophe Keck verrät, wie er diese Neuentdeckung gefunden hat weiterlesen