Kobie van Rensburg ist ein Regisseur, der auch mal was wagt. Beispielsweise eine inszenierte Johannespassion 2018 in Soweto, die er in einem Brennpunktgebiet als Anti-Gewaltkur mit südafrikanischen Musikern umsetzt. In Karlsruhe eröffnete van Rensburg jetzt die Händelfestspiele mit „Tamerlano“ in einem virtuellen Bühnenbildexperiment, das das mimische Spiel der Sänger bis in die letzten Publikumsreihen projiziert. Das Freiburger Barockorchester, geleitet vom 79-jährigen René Jacobs, füllte den Orchestergraben und erfüllte – wie die sechs Sängersolisten – alle Erwartungen. (Von Sabine Weber) Händelfestspiele Karlsruhe: Rampensingen im Galopp – Tamerlano beeindruckt mit virtuellen Bühnenbild weiterlesen
Archiv der Kategorie: Premierenbesprechungen
Im Fokus 33 gräbt das Theater Bonn „Die Ameise“ aus! So grotesk der Operntitel, so genial das Bühnenwerk!
Peter Ronnefeld? Nie gehört! Dessen Oper „Ameise“, an der Oper am Rhein in Düsseldorf unter Ronnefelds Leitung 1961 uraufgeführt, soll eine heftige Schlacht zwischen Pfiffen, Buh- und Bravorufen gewesen sein. Vier Jahre später war die Opernkarriere schon am Ende. Ronnefeld starb 1965 mit nur 30 Jahren. Das Theater Bonn zeigt, wie genial der Opernkomponist Ronnefeld war. Und dass er mit Librettist Richard Bletschacher Absurdes, Groteskes, Komödiantisches, Lyrisches und Tragisches unter Beteiligung eines großen Chores elegant in einen Ablauf bringt. Große Koloratur verbindet sich mit Clusterflächen und musikalischem Witz. Wenn beispielsweise eine Arie mit Tuba und Kastagnetten oder ein 12tönigen Boogie-Woogie-Blues serviert wird. Pralles Theater vom Feinsten. (Von Sabine Weber)
Saul. Ein biblisches Oratorium im Kölner Bildersturm von Barrie Kosky
Ein biblisches Oratorium in der Folge der in London gefeierten Haydnschen Oratorien! Händels Saul hat große Chornummern und macht aus dem alttestamentliche König Saul einen bühnenfähigen Tragöden. Die Regie geht auf eine 10 Jahre alte Inszenierung von Starregisseur Barrie Kosky vom Glyndebourne Festival zurück, die in diesem Jahr mitsamt Bühnenbild und Kostümen von Donna Stirrup in einer Revival-Erarbeitung auf Tournee ist. Das Gürzenich Orchester ist mit Andreas Gilger, Orgel und Cembalo, sowie zwei Theorbenspieler im Continuo um Barockspezialisten ergänzt. Die Leitung hat Rubén Dubrovsky, der sich in Köln in vorangegangenen Produktionen als Händelspezialist bewährt hat. Aber alles wurde in den Schatten gestellt durch eine Bildmächtige Flut und eine Regie, die auch ohne Musik funktioniert hätte. (Von Sabine Weber)
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Auch die Opfer sind gewaltbereit! Verdis „Nabucco“ ist in Bonn ein fabulöser Saisonstart
„Nabucco“ ist am Rhein im Trend. Zufall? Letztes Jahr war dieser Verdi sowohl in Köln unter Regisseur Ben Baur als auch in Düsseldorf in einer bemerkenswerten Inszenierung von Ilaria Lanzino zu erleben. Jetzt hat das Theater Bonn am Tag der Deutschen Einheit seine Opernspielzeit 25/26 mit dem alttestamentlichen Drama in der Regie von Roland Schwab eröffnet. Und toppt die NRW-Serie mit einer in allem perfekten Premiere. (Von Sabine Weber) Auch die Opfer sind gewaltbereit! Verdis „Nabucco“ ist in Bonn ein fabulöser Saisonstart weiterlesen
RT_2025 Philip Venables Generationen-Collage „We are the lucky Ones“ begeistert
Schon im letzten Jahr hatte Intendant Ivo van Hove den Komponisten Philip Venables auf der Ruhrtriennale am Start. Der in Berlin ansässige Brite präsentierte die schwarz-bunte Hippieparabel „The Faggots & their friends…“ als Musiktheater für 15 Instrumentalisten-Performer-Sänger (siehe Klassikfavori). Dieses Jahr sitzen für Venables die Bochumer Philharmoniker (Leitung Bassem Akiki) unsichtbar in der kleineren Halle neben der gigantischen Jahrhunderthalle in Bochum-Stahlhausen. Sie schallen durch die offene Mitte des Bühnenbodens, auf dem sich acht Solisten in der Regie von Ted Huffman abarbeiten. Für Venables‘ ehrgeiziges Projekt der Generationen-Collage „We are the lucky Ones“ wurden von Huffman und Nina Sigal Interviews geführt. 1940-49 geborene Europäer wurden ganz allgemein um eindrückliche Erinnerungen gebeten und zu ihren Zukunftsvisionen befragt. Dass aus Banalem wie auch schockierenden Beobachtungen nebeneinandergesetzt packendes Musiktheater wird, hat schon die Uraufführung im März dieses Jahr in Amsterdam bewiesen. Diese Deutsche Erstaufführung zeigt es einmal mehr. (Von Sabine Weber) RT_2025 Philip Venables Generationen-Collage „We are the lucky Ones“ begeistert weiterlesen
„Don Giovanni“ im Kölner Staatenhaus – eine perfekte Vorstellung!
Und heute, am 14. März 2025, gibt es wieder eine Vorstellung. Es lohnt sich. Das ist nämlich ein „Don Giovanni“ für die Sinne! Es wird unter großem Einsatz gespielt, allen voran Don Giovanni (Seth Carico) und sein schlitzohriger Diener Leporello (Adrian Sâmpetrean), die im Handgemenge schon mal über die Bühne rollen oder sich mit Jacken bewerfen. (Von Sabine Weber) „Don Giovanni“ im Kölner Staatenhaus – eine perfekte Vorstellung! weiterlesen
In der Zauberoper „Rinaldo“ wird bei den Händel-Festspielen Karlsruhe wirklich mit großer Bühnenmagie gezaubert

Die diesjährigen Händel-Festspiele Karlsruhe sind vor ausverkauftem Haus eröffnet! Großer Jubel, denn die Liebeskapriolen von Kreuzritter Rinaldo spielen sich in der diesjährigen Eröffnungspremiere vor spektakulärer Kulisse ab. Die historische Skyline Jerusalems setzt sich mithilfe darstellerischer Videokunstgriffe nicht nur in eine Tiefenlandschaft fort. Im Laufe der vier Stunden gerät die Bühne in magische Strudel, wird zum Theater auf dem Theater mit wogendem Wellenspiel von Theatersesseln. Und Fassaden weinen sich sogar weg. (Von Sabine Weber) In der Zauberoper „Rinaldo“ wird bei den Händel-Festspielen Karlsruhe wirklich mit großer Bühnenmagie gezaubert weiterlesen
Mystery and Fantasy – „Der Leuchtturm“ und „Dido“ entführen in Duisburg in virtuelle Welten
Was haben Peter Maxwell Davies und Henry Purcell eigentlich gemein? Richtig, sie waren Briten. Und „The Lighthouse“ (1980) und „Dido and Aeneas“ (1689) dauern um eine Stunde. So unterschiedlich die Musik, Avantgarde das eine und Barock das andere, sie lassen sich kombinieren, wie die Oper am Rhein in Duisburg gezeigt hat. Das rätselhafte Verschwinden dreier Leuchtturmwärter und die unglückliche Liebe zwischen der karthagischen Königin und dem Troja-Krieger fügten sich sogar zu einem spannenden Mystery-and-Fantasy-Doppel-Erlebnis. (Von Sabine Weber) Mystery and Fantasy – „Der Leuchtturm“ und „Dido“ entführen in Duisburg in virtuelle Welten weiterlesen
Krieg, Rassismus, Blutrache? „La Forza del destino“ wirft in Bonn Fragen auf!
Die drei Schicksalsschläge aus dem Orchester verheißen nichts Gutes. Aber Verdi ist immer ein Zugpferd an deutschen Theatern. Am Theater in Bonn kommen die Schläge bedächtiger als meistens. Das Beethovenorchester wird ja von Verdi-Spezialist Will Humburg geleitet. Er wurde schon als bester deutscher Verdi-Dirigent apostrophiert. Und er erweist seiner Meisterschaft in „La Forza del destino“ wieder alle Ehre. Die drei Schläge bekommen aber noch ein besonderes Gewicht durch den Racheengel in schwarzem Tüll, der seinen Zeremonienstab mit Weltkugel-in-Knochenhand auf den Boden schlägt. „Frieden“ ist in weißen Lettern auf rotem Grund auf zwei im Winkel zueinander stehende Wände projiziert. Ein Wunsch, der sich allenfalls im Jenseits erfüllt. (Von Sabine Weber)
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Händels „Alcina“ in Bonn verzaubert und amüsiert. Und Ruggiero hält durch!
Wenn der Intendant vor der Aufführung zum Mikrofon greift, gibt es eine traurige Krankmeldungen. Diese war aber kurios. Am Premierentag morgens sagt Charlotte Quadt ihren Auftritt als Ruggiero ab. Der Ersatz für die berühmte Kastratenrolle wird Nachmittags mit dem Countertenor Ray Chenez in Wien gefunden. Der bleibt im Flughafenterminal stecken, weil mindestens zwei Stunden zwischen Buchung des Fluges und Abflug liegen müssen– also wurde auf später umgebucht. Das klappt, aber er sitze jetzt noch im ICE von Frankfurt nach Köln. Also wurde Charlotte Quadt gebeten, die Bühne nicht im Regen stehen zu lassen, sondern bis zu dessen Eintreffen mit zumachen. Wobei Regisseur Jens-Daniel Herzog als szenischer Ersatz zwangsverpflichtet, Ray Chenez sollte von der Seite singen, bereits im Kostüm stecke. Also beginnt es mit Charlotte Quadt, die einen hinreißenden Lover spielt, noch schöner singt und … bis zuletzt durchhält! (Von Sabine Weber) Händels „Alcina“ in Bonn verzaubert und amüsiert. Und Ruggiero hält durch! weiterlesen