Archiv der Kategorie: Podcast favori

im Strudel der Hyperinflation 1923. die Oper “Wolf unter Wölfen” von Søren Nils Eichberg ist am Theater Koblenz uraufgeführt worden und Sucht Parallelen zu Heute

Tobias Haaks (Wolfgang Pagel) und Marcel Hoffmann (Conferencier). Foto: Matthias Baus

Oper wendet sich offenbar wieder der großen, vor allem umfangreichen Literatur zu! Im April hat die Umsetzung von Jonathan Littells 1400seitigem Roman „Les bienveillantes“/ „Die Wohlgesinnten“, die Biografie eines fiktiven Wehrmachtsoldaten und minutiöse Beschreibung von Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg, in Antwerpen für Furore gesorgt. Nicht weniger opulent ist Hans Falladas Roman „Wolf unter Wölfen“ von 1937, der jetzt am Koblenzer Theater seine Uraufführung als Musiktheater erlebt hat. Er spielt im Hyperinflationsjahr 1923 und fokussiert Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten und Milieus, die versuchen, sich während der rasanten Geldentwertung über Wasser zu halten. Berlin und das Landgut Neulohe sind die Spielorte. Die Krise der Weimarer Republik offenbart Parallelen zur Heute. John von Düffel hat nicht von ungefähr während der Bankenkrise 2009 diesen Roman zu einem Schauspiel destilliert. Jetzt hat er die Vorlage noch einmal kondensiert, damit Søren Nils Eichberg sie im Auftrag des Koblenzer Theaters vertonen konnte. Bereits vor zwei Jahren ist Eichberg am Deutschen Eck als Opernkomponist gefeiert worden. Unter der Leitung von Karsten Huschke in der Regie von Waltraut Lehner, unterstützt von Bühnenbildner Ulrich Frommhold hat Eichbergs Science-Fiction-Oper „Glare“ die deutsche Erstaufführung erlebt. Und alle zeichnen für „Wolf unter Wölfen“ im Graben und auf der Bühne wieder verantwortlich! Die Uraufführung war am 23.11.2019 am Theater Koblenz. Welche Gedanken sich das Kreativ- und Produktionsteam über diese neue Oper gemacht hat und einiges über den Entstehungsprozess können Sie im folgenden Gespräch erfahren. im Strudel der Hyperinflation 1923. die Oper “Wolf unter Wölfen” von Søren Nils Eichberg ist am Theater Koblenz uraufgeführt worden und Sucht Parallelen zu Heute weiterlesen

Podcast-Gespräch mit Peter Eötvös vor der Premiere in Mönchengladbach

In Nordrhein-Westfalen ist der Dirigent und Komponist Petert Eötvös ein Begriff! Natürlich! Er hat in Köln studiert und hier seine Welt-Karriere sowohl als Dirigent wie auch als Komponist angestoßen. Seine letzte Oper „Senza Sangue“ nach einem Libretto von Alessandro Baricco ist in der Kölner Philharmonie mit dem New York Philharmonic unter Alain Gilbert uraufgeführt worden. Eötvös ist wieder in seine Heimat Ungarn zurück gekehrt. Er lebt in Budapest. Und kommt dennoch zu einer Premiere nach Mönchengladbach. Diese Gelegenheit durfte nicht ungenutzt verstreichen. Und spontan hat er einem kleinen Gespräch zugesagt. Freundlich und bereitwillig hat er sich im Theatercafé der Oper in Mönchengladbach kurz vor der Premiere (Siehe gesonderte Klassikfavori-Rezension) mit mir in eine ruhige Ecke gesetzt und ein paar Auskünfte gegeben! Nachzuhören im folgenden Podcast favori

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Podcast Favori: Ein Zwischenbericht zum September

Ab sofort gibt es monatliche Zwischenberichte als podcast!

Über das Musiktheater in NRW – ein Rückblick zur Ruhrtriennale, und Ausblicke auf das, was klassikfavori im September und Oktober ins Opernvisier nimmt

 

RT19 Die Eröffnungswoche mit Musik-Theater von Marthaler und Goebbels, flankiert von Installationen

IMG_6329Der US-amerikanische Künstler, Musiker und Bandleader Tony Cokes bereitet Statements über die Anfänge der Popmusik im Ruhrgebiet mit alten Collage-Arbeiten aus der britischen und US amerikanischen Club- und Rockszene auf und projiziert sie auf gigantische Betontrichter in der Mischanlage Kokerei Zollverein, Essen.IMG_6301Ein Tag später eröffnet Bühnenbildnerin Barbara Ehnes ihre Installation Αλληλεγγύη und präsentiert auf Bildschirmen in einer Nische der von raumlaborberlin aufgerüsteten temporären Architektur Third Space vor der Jahrhunderthalle Ausschnitte aus ihren Nachfragen zu Solidaritätsbewegungen im krisengeschüttelten Griechenland.

Fotos: Sabine Weber
Fotos: Sabine Weber

Im großen Fokus stehen natürlich die Musiktheaterproduktionen. In der Jahrhunderthalle mischt Heiner Goebbels am späteren Abend gewaltige Bilder in einer installativen Performance mit Geräuschattacken bis Orgel-plus-Ondes-Martenot–Klängen ab. Im Eröffnungspremierenstück am ersten Tag hat Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp als Autorin mit Artiste associé Regisseur Christoph Marthaler sowie Musiker Uli Fussenegger mit Ensemble im Audimax der Ruhr-Uni Bochum vorgeführt, wie ein zukünftiger Euro-Rassismus durch parlamentarische Debatten Wirklichkeit werden könnte. (Von Sabine Weber)

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RT19! Zwischenezeit! Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp hat Ihre zweite Spielzeit vorgestellt. Mittwoch, den 21. August, fällt der Startschuss mit der ersten von 14 Uraufführungen, europäischen und deutschen Erstaufführungen

(Probenbild aus “Nach den letzten Tagen. Ein Spätabend”. Foto: Matthias Horn)
An einem ungewöhnlichen Ort beginnt es dieses Jahr. Der Audi-Max der Ruhr Universität Bochum ist nämlich keine Industriebrache. Aber er ist der perfekte Ort für den Eröffnungsabend und die Uraufführungspremiere, für die Stefanie Carp, Christoph Marthaler, ihr Artiste associé, und der Kontrabassist und Bearbeiter Ulrich Fussenegger im Team verantwortlich zeichnen.

Christoph Marthaler und Ulrich Fussenegger. Foto: Daniel Sadrowski/ Ruhrtriennale 19
Christoph Marthaler und Ulrich Fussenegger. Foto: Daniel Sadrowski/ Ruhrtriennale 19

Carp hat die Texte verfasst, Marthaler führt Regie und Fussenegger hat die Musik ausgewählt, und wird das Ensemble leiten. Musik rassistisch verfolgter Komponisten soll zu einem Kommentar über alte und aktuelle politische Rhetorik werden. Wohin politische Hetze führen kann, muss dringend wieder verhandelt werden. Denn, so Carp: „Europa verspiele gerade seine Werte und müsse sich sogar selbstkritisch hinterfragen, ob es diese Werte von Selbstbestimmtheit und Solidaritäten, ob es Freiheit, Gleichheit jemals eingelöst hat, und ob sie überhaupt einlösbar sind.“ (Von Sabine Weber)

Stefanie Carp. Foto: Daniel Sadrowski/ Ruhrtriennale 2019
Stefanie Carp. Foto: Daniel Sadrowski/ Ruhrtriennale 2019

RT19! Zwischenezeit! Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp hat Ihre zweite Spielzeit vorgestellt. Mittwoch, den 21. August, fällt der Startschuss mit der ersten von 14 Uraufführungen, europäischen und deutschen Erstaufführungen weiterlesen

Notre-Dame, seine Musiker und seine Musiktraditionen!

(Beitragsbild: Die Choralschola, die Maîtrise zu Notre-Dame im Chorraum zu Notre-Dame während einer Messe – vor dem 15. April! Aufgenommen von P. Lemaître)

Nach Nine-Eleven ist ein neues Datum in der Welt: Quatre-Quinze!

Am 15. April hat ein Dachstuhlbrand die Notre-Dame-Kathedrale in Paris zu einer Ruine gemacht. Die französische Nation ist durch Mark und Bein erschüttert worden. Das Unglück hat – Gott sei Dank – kein Menschenleben gefordert und ist auch keinem Terroranschlag geschuldet. Aber ein nationales Wahrzeichen ist beschädigt. In aller Munde sind die “Grande Travaux”, mit denen französische Präsidenten in Paris monumentale Zeichen setzen. Valéry Giscard d’Estaing mit dem Umbau des Musée d’Orsay. Mitterand mit der Pyramide du Louvre und der neuen Bibliothèque nationale. Jetzt will Emmanuelle Macron sein Zeichen mit einem sensationell gestalteten Wiederaufbau der Kathedrale setzen. Am Denkmalschutz vorbei unter der Aufsicht eines Generals.

Yves Castagnet an seiner Chororgel - vor dem Brand. Foto: Yves Castagnet
Yves Castagnet an seiner Chororgel – vor dem Brand. Foto: Yves Castagnet

Aber wer denkt an die Musiker der Kathedrale, die es ganz konkret getroffen hat? Die 60 Sänger der Choralschola zu Notre-Dame, die fünf Organisten, drei Titulaire der großen romantischen Cavaillé-Coll-Orgel, unter ihnen Olivier Latry, und vor allem Yves Castagnet.

Er ist Titulaire der Chororgel und zuständig für die tägliche musikalische Gestaltung der Liturgie und die Begleitung der Sänger in den Messen. Wie es weitergehen soll, und warum eine große Tradition weitergeführt werden muss, hören Sie in diesem Podcast. Yves Castagnet ist verständlicher Weise auch zweieinhalb Monate danach von den Ausmaßen der Zerstörung immer noch noch sehr betroffen.

Weitere Informationen zur Maîtrise de Notre-Dame.

Bernard Haitink zum 90. Geburtstag!

Foto: Sébastien Grébille
Foto: Sébastien Grébille

Vom Gehabe internationaler Pultstars hält er erfreulich wenig. Bernard Haitink feierte am 4. März seinen 90. Geburtstag. Und sein Dirigierstil ist heute nicht etwa aus Altersgründen reduziert. Er ist es schon immer gewesen: aufs Notwendige beschränkt, dabei ultrapräzise. Bei den Proben redet er wenig. „Wenige Worte, die Konsequenzen haben“, sagen Musiker des Chamber Orchestras of Europe, vor denen er im Beitragsbild auch steht (Foto: Sébastien Grébille). Ihren Streicherklang wisse er zu formen wie kaum jemand sonst. Einen kontrastreichen samtenen schönen Streicherklang! Wie er das mache, wüssten sie auch nicht. Das Chamber Orchestra of Europe mit Sitz in London ist jedenfalls eine späte Liebe Haitinks. 2008 hat sie begonnen . Wie seine Liebe zu der Staatskapelle Dresden entstanden ist, hat er mir in einem Gespräch 2002 erzählt und noch viel mehr. (Von Sabine Weber)

Direkt zum Audio

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Musik und Astronomie – Die SWR2 Musikstunde ab dem 9. bis zum 13. November mit Sabine Weber

Die Erde aus Satellitenperspektive. Foto: ESA
Die Erde aus Satellitenperspektive. Foto: ESA

Jetzt sind im klaren Nachthimmel die Sternbilder des Orion,der Sternhaufen der Plejaden oder die W-förmige Cassiopeia wieder deutlich zu erkennen. Und geben wir es ruhig zu, wenn wir die Chance haben, der überleuchteten Großstadtnacht zu entkommen und ins Sternenmeer einzutauchen, dann vermittelt uns das auch heute noch Erhabenheit. Göttliche Ordnungskraft steht in den Himmel geschrieben! Und auch die Musik ‘blickt’ seit Jahrhunderten ehrfürchtig horchend himmelwärts. Die Sphärenharmonie als harmonisch klingender Himmel ist ein viel beschworenes musikalisches Bild. Musikalische Zahlenverhältnisse bekommen kosmologische Dimensionen. Musik und Astronomie – Die SWR2 Musikstunde ab dem 9. bis zum 13. November mit Sabine Weber weiterlesen

Eine Uraufführung von Olga Neuwirth auf dem Kölner Achtbrückenfestival. Masaot/ clocks without hands am 6. Mai in der Kölner Philharmonie!

Foto: Priska Ketter
Foto: Priska Ketter

Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth ist neugierig. Sie lässt sich von Betrachtungen, Bildern oder Prozessen wie organisches Wuchern oder galaktischen Nebeln inspirieren. Sie geht unkonventionell Eine Uraufführung von Olga Neuwirth auf dem Kölner Achtbrückenfestival. Masaot/ clocks without hands am 6. Mai in der Kölner Philharmonie! weiterlesen

François-Xavier Roth in Köln! Ein Gesprächsportrait

François-Xavier Roth wurde 1971 in Paris geboren. Sein Vater stammt aus dem Elsass und war Organist an St. Sulpice in Paris. Roth studiert Flöte, später auch Traversflöte und Dirigieren u.a bei Janos Fürst und Jorma Panula auf. Seine Aufmerksamkeit als Musiker und Dirigent gilt gleichermaßen der Neuen wie der Alten Musik. 2003 gründet er das auf historischen Instrumenten spielende François-Xavier Roth in Köln! Ein Gesprächsportrait weiterlesen