Archiv der Kategorie: Oper

Das Bayerische Staatsorchester beschließt im Nationaltheater die Saison 19/20; Am Wochenende zuvor: Pavol Breslik mit dem „Tagebuch eines Verschollenen“

Mit zwei Veranstaltungen beglückt die Bayerische Staatsoper, bevor sich das Haus in die vorgezogenen Theaterferien verabschiedet. Das Bayerische Staatsorchester beschließt im Nationaltheater die Saison 19/20 im letzten Montagskonzert unter Kirill Petrenko mit einer anspielungsreichen Programmierung. Mit dabei Jonas Kaufmann, der die Lieder eines fahrenden Gesellen von Mahler interpretiert. Eine Woche zuvor: Pavol Breslik in der Rolle des Verschollenen aus Janáčeks “Tagebuch”. (Von Klaus Kalchschmid)

Das Bayerische Staatsorchester beschließt im Nationaltheater unter GMD Kirill Petrenko die Saison. Jonas Kaufmann singt Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen.. Foto: Wilfried Hösl
Das Bayerische Staatsorchester im Nationaltheater strahlt unter seinem GMD Kirill Petrenko. Foto: Wilfried Hösl

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Musikalisches Glück an Münchens „Anderem“ Opernhaus: Das Theater am Gärtnerplatz präsentiert täglich Operette, Oper, Musical und Wiener Lied!

Fast berührt, aber nur fast! Maximilian Meyer und Camille Schnoor. Foto: Christian Pogozach

„Jeder Druck der Hände deutlich mir’s beschrieb: ‘s ist wahr, du hast mich lieb“. So heißt es in der “Lustigen Witwe”. Und das singen Camille Schnoor und Maximilian Meyer mit feiner Erotik. Doch die Finger berühren sich nur fast! Während unmerklich die Körper Walzer tanzen. So berührend poetisch ist dieser Moment, der auch an Franz Lehár 150. Geburtstag erinnert, dass man glatt vergessen konnte, welchem Umstand dieses Spiel sich derzeit verdankt. Musikalische Glück pur für 50 bis 100 Enthusiasten, das das Gärtnerplatztheater, das “andere” in München (siehe zur Wiedereröffnung Bayerische Staatsoper), derzeit versprüht! Tags darauf, als 18 in den Rängen verteilte Chor-Herren die Echos der Priester in „O Isis und Osiris“ des Sarastro (Christoph Seidl) singen, klingt es dann auch noch erhaben wie nie. Die Zuhörer sitzen mit Abstand und Maske auf der Bühne und schauen in den Zuschauerraum, der so seine ganze Schönheit offenbart. (Von Klaus Kalchschmid)

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Das Theater Krefeld und Mönchengladbach öffnet seine großen Bühnen im Juni für 22 Vorstellungen

Erster Sonderspielplan für Krefeld Mönchengladbach unter Corona-Bedingungen
Sopranistin Sophie Witte aus dem Ensemble. Foto: Simon Erath

Wie schön, mal wieder in einem Opernhaus zu sein! Die Einladung zur Pressekonferenz ins Glasfoyer der Oper Krefeld kam zwar sehr kurzfristig. Das Hygienekonzept des “Sonderspielplans” ist ja auch erst Freitag durchgewunken worden. Die heilige Kuh der Corona-Bedingungen! Vier Arbeitstage später sitzen der Generalintendant vom Theater Krefeld und Mönchengladbach, Michael Grosse, GMD Mihkel Kütson, Operndirektor Andreas Wendholz und Schauspieldirektor Matthias Gehrt an einem langen Board – immer ein Platz frei zwischen ihnen – und erklären den ersten Sonderspielplan unter Corona-Bedingungen im Juni. An Tischchen, die mit Abstandsgebot verteilt im Foyer stehen, sitzen die Journalisten. (Von Sabine Weber)

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Für alle Musikbegeisterte: Einige Hinweise auf kostenlos verfügbare Opern- und Klassikübertragungen

Konzertsaal und Opernhaus sind Raum, Atmosphäre und Interaktion zwischen Publikum und Bühne. All dies ist immer noch nicht möglich.
Häuser und Institutionen bieten weiterhin verfügbare Aufzeichnungen von Opern und Konzerten an.
Hier ein Überblick über online und kostenlos verfügbare Aufzeichnungen.
Wir ergänzen sie ständig (letzte  Aktualisierung: 29. Mai).

Jetzt verwaist, aber bald wieder besetzt — ein Strapontin, ein Klappsitz in der Pariser Opéra Comique, der erst verkauft wird, wenn das Haus voll ist. Foto: Sabine Weber

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Geister-Vorstellung! Aubers Die Stumme von Portici geht ohne Publikum über die Dortmunder Bühne. Ein Glück für das Ensemble und das Regie-Team um Peter Konwitschny, das zwei Monate intensiv geprobt hat!

Geistervorstellung in Dortmund? Ja, weil alle Partien – auch die großen Chorszenen – einstudiert, „ausgeprobt“ sind, die Bühnenwege unzählige Mal abgeschritten, jede mimische Bewegung, jede Geste sitzt … die Bühnenaufbauten stehen, die Kulissen fahren, das Orchester ist präpariert… Denn nach zwei Monaten Einsatz von Bühnenarbeitern, vom Ensemble, von Musikern, Dirigent, Regie-Team kann nicht einfach nichts sein! Freiberufliche Solisten bekommen zwar eine Probenpauschale. Honoriert wird aber nur bei Aufführung. Deshalb hat der Dortmunder Opernintendant Heribert Germeshausen gegengesteuert. Eine Geistervorstellung –  für die Stadt formal korrekt als „Generalprobe 2“ – ausgerufen und “Die Stumme von Portici” fand ohne Publikum statt. Immerhin eine Gelegenheit, um mit zwei Kameras zu dokumentieren. Bis zur „Wiederaufnahme“ müssen Monate überbrückt werden. Eine handverlesene Schar von Journalisten durfte dabei sein! (Von Sabine Weber)

(13. März 2020, Oper Dortmund) Wir werden über den Bühneneingang hineingeschleust. Der Intendant begrüßt uns im leeren Foyer. Nach einer Lautsprecher-Ansage, dass alle Mitarbeiter des Theaters bitte jetzt den Zuschauerraum zu verlassen haben, verteilen sich geschätzt 20 Journalisten in die rot-bepolsterte Leere.

Die Dortmunder Oper. Foto: Sabine Weber

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Die Händelfestspiele Karlsruhe eröffnen mit Tolomeo und alle schauen aufs Meer! Jakub Józef Orliński glänzt in der Hauptrolle des Lebensmüden

„Tolomeo, Re D‘Egitto“ war die letzte Oper, die Georg Friedrich Händel für seine erste Londoner Akademie-Unternehmung komponiert hat, wobei damals allen klar war, dass die italienische „Opera seria“ mit ihren Stars und Kastraten unbezahlbar und ruinös sein musste. Entstanden ist diese Seria unter extrem großem Druck. Und Händel setzte wie immer alles auf die Sängerkarte. Bei der Uraufführung im Mai 1728 standen am Haymarket-Theatre in London auch seine Stars auf der Bühne. Altkastrat Senesino, Francesca Cuzzzoni und Faustina Bordoni. Die Händelfestspiele Karlsruhe eröffnen mit diesem selten gespielten Werk, das Arien vom feinsten serviert, auch wenn nicht nach Handlung gefragt werden darf. (Von Sabine Weber)
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Dijon präsentiert eine neue Kafka-Oper, für die Brice Pauset detailreiche Hörassoziationen erfindet

Kafkas Gedankenwelt sei antidramatisch, hat Hans Heinz Stuckenschmidt einmal behauptet. Dennoch haben Komponisten Kafka-Werke auf die Opernbühne gebracht. Gottfried von Einem Kafkas Roman „Der Prozess“ 1953. Hans Werner Henze hat die Erzählung „Ein Landarzt“ 1951 zu einer Rundfunkoper verarbeitet und 1996 revidiert. Gunter Schuller hat 1966 „Die Heimsuchung“ zu einer Jazz-Oper in den Südstaaten weiterentwickelt, Roman Haubenstock-Ramati im gleichen Jahr „Amerika“ durch eine den Interpreten Raum gebende graphische Notation. „La porta delle legge/ Vor dem Gesetz“ hat Salvatore Sciarrino 2009 aufgegriffen. Philip Glass hat zweimal Kafka mit minimalistischen Musikklängen erfasst: „In the Penal Colony/ In der Strafkolonie“ 2000 und „Der Prozess“ 2015. Was treibt sie an, die surrealen Szenarien mit schuldlos Schuldigen, Ausgestoßenen, Abgewiesenen, Ausgelieferten und mit kalter Grausamkeit und Sadismus konfrontierten Söhnen, jedenfalls sind es zumeist Männer um die es geht, Stimmen zu geben und Bühnenräume zu öffnen? Für den französischen Komponisten Brice Pauset ist es die prophetische Kraft hinter den zumeist auch noch beklemmend kalt und nüchtern erzählten Begebenheiten. Die drei Erzählungen, die er jetzt aktuell für die Oper Dijon zu einer dreiaktigen Oper gefügt hat, verhandeln seiner Meinung nach brennend aktuelle Themen. In „Das Urteil“ den Generationenkonflikt, die ältere Generation beharrt auch um den Preis, dass sie die Kinder opfert, in „Die Verwandlung“ geht es darum, was passiert, wenn ein Familienmitglied nicht mehr der Norm entspricht, der Sohn wird ja zum Käfer und erlebt, wie ihm die Menschlichkeit abgesprochen wird. „In der Strafkolonie“ geht es um eine sadistische Tötungsmaschine, von der ein Offizier seine Daseinsberechtigung ableitet. Diese Erzählungen hat Kafka zwischen 1912 und 1915 verfasst. Er wollte sie als Trilogie oder Erzählband unter dem Titel „Strafen“ zusammen veröffentlichen. Strafen – Les châtiments – hat Brice Pauset jetzt seine Oper überschrieben, und verwirklicht das Vorhaben nach mehr als 100 Jahren. Am 12. Februar war die Uraufführung. (Von Sabine Weber) Dijon präsentiert eine neue Kafka-Oper, für die Brice Pauset detailreiche Hörassoziationen erfindet weiterlesen

Die Klammer ist Verzweiflung! Nach der fulminanten Fidelio-Inszenierung im Januar kombiniert das Theater Bonn jetzt eine neukomponierte Briefszene von Manfred Trojahn mit Beethovens Oratorium Christus am Ölberge

Manfred Trojahn ist Bühnenmusik- und Opernerfahren. Als der in Düsseldorf lebende und lehrende Komponist gefragt wurde, für diesen Abend zum Beethovenjahr 2020 einen Prolog zu Beethovens Oratorium „Christus am Ölberge“ zu liefern, hat möglicherweise die Vertonung von Beethovens Heiligenstädter Testament sogar im Raum gestanden. In diesem erschütternden Dokument, von Ludwig van Beethoven in Heiligenstadt bei Wien verfasst, berichtet er verzweifelt von seiner medizinisch nicht mehr abzuwendenden Taubheit. Ein Selbstbekenntnis Beethovens, dem sein störrischer Umgang mit Menschen durchaus bewusst war, der sogar Selbstmord erwägt, sich dann aber zur rettenden Kunst bekennt. Ein Jahr darauf entsteht „Christus am Ölberge“. In dem Oratorium geht es um Jesus im Garten Gethsemane, der fleht, der Kelch möge an ihm vorüber gehen, der sich dann aber in sein Schicksal findet. Die Parallelpersepktive zum Heiligenstädter Testament ist greifbar. Trojahn fügt eine weitere Krisen-Parallele hinzu, den Chandos-Brief, den Hugo von Hofmannsthal 1902 verfasst und veröffentlicht hat. In dieser inzwischen zur Schullektüre gewordenen Briefszene geht es um die existentielle Krise eines Schriftstellers. Hofmannsthal nimmt darin die Rolle des jungen englischen Lord Chandos ein, der sich als literarisches Frühgenie der Aufklärung seinem Freund und Förderer, dem Philosophen und Empiriker Francis Bacon erklärt. Ihm seien plötzlich Begriffe und Abstraktionsebenen flöten gegangen. Überwältigt von Einzelphänomenen fände er keinen Zusammenhang mehr, nur Einzelphänomene könne er noch beschreiben, in denen er sich verlöre. Klaus Bertisch hat den Text geschickt eingekürzt. Und Manfred Trojahn hat ihm musikalisch eine bühnentaugliche Dramatik beigebracht. Im Theater Bonn spannt sich ein szenischer Bogen über menschliche Verzweiflung, von einer zeitgenössischen Monologszene hin zu Beethovens selten zu hörendem Oratorium – nach der Pause –, das hier auch Bühnendramatik entwickelt! (Von Sabine Weber) Die Klammer ist Verzweiflung! Nach der fulminanten Fidelio-Inszenierung im Januar kombiniert das Theater Bonn jetzt eine neukomponierte Briefszene von Manfred Trojahn mit Beethovens Oratorium Christus am Ölberge weiterlesen

Der Himmel ist farbig, die Hölle der Kongo! Regisseur Ersan Mondtag erteilt mit Schrekers Schmied von Gent in Antwerpen den Belgiern ein bisschen Geschichtsunterricht. Sorgt aber auch für den Drive, den dieser Volksschwank einfordert!

“Der Schmied von Gent” ist Franz Schrekers letzte vollendete Oper (1930). Schreker schwebte eine Volksoper à la Breughel vor, ohne elitären Anspruch, dafür sollte sie populär sein. Den Schwank „Smetse Smee“ stöbert er in den „Flämischen Legenden“ Charles De Costers von 1858 auf. Eine Art erbaulich-patriotische Literatur für das noch junge Belgien. „Smetse Smee“ spielt im 16. Jahrhundert zur Zeit der spanischen Besatzung, Smee ist natürlich ein Anhänger der Geusenpartei. Es geht aber nicht primär um politische, historische oder ökonomische Hintergründe. De Coster fokussiert das „belgische“ Volk, wie es auf Repression reagiert, prügelt, zusammenhält oder Denunzianten in den Fluss schmeißt. Die gottesfürchtige Ehefrau hält kleinbürgerlich ehrbar natürlich immer zum Mann. Der ist hier einer, der sein Schicksal ganz schön verschlagen in die Hand nimmt, den Teufel und selbst den Himmel haut er für sein Fortkommen übers Ohr. Smee ist also eine handfeste Gegenfigur zu Schrekers kränkelnden Opernhelden, den von mystisch-rätselhaften Schicksalen Getriebenen Fritz in „Der ferne Klang“ (1912) etwa oder Alviano in „Die Gezeichneten“ (1918). Regisseur Ersan Mondtag verwirrt den bürgerlichen Moralkodex in Gent-Antwerpen allerdings noch ein bisschen. Er verwandelt Smee im letzten Akt in einen Wiedergänger Leopolds II., der in der Hölle auf die koloniale Vergangenheit Belgiens im Kongo trifft und im Himmel auf einen kongolesischen Petrus! (Von Sabine Weber) Der Himmel ist farbig, die Hölle der Kongo! Regisseur Ersan Mondtag erteilt mit Schrekers Schmied von Gent in Antwerpen den Belgiern ein bisschen Geschichtsunterricht. Sorgt aber auch für den Drive, den dieser Volksschwank einfordert! weiterlesen