Archiv der Kategorie: Konzert

Leise beglückende Stimmungen! – Ensemble Trai Tempi spielt Scelsi, Jaecker und Veltman

Was bedeutet es, wenn ein die Öffentlichkeit scheuender zeitgenössischer Komponist, dessen Stil eher sphärisch bis spirituell bezeichnet werden könnte, Trauerriten für mächtige historische und mythische Männer entwirft? Es bleibt wohl auf immer ein Rätsel, warum der in Rom 1988 gestorbene Giacinto Scelsi „I funerali di Carlo Magno” (Karl der Große) komponiert hat. (Von Sabine Weber) Leise beglückende Stimmungen! – Ensemble Trai Tempi spielt Scelsi, Jaecker und Veltman weiterlesen

Concerto Copenhagen unter Lars Ulrik Mortensen adelt die Brühler Schlosskonzerte mit Haydn

„Das blühende Leben“ steht als Überschrift über den drei Haydn-Sinfonien. Und als erstes überwältigt die Besucher seitlich des linken Schlossflügels ein üppig blühendes Blumenmeer in barock-symmetrischer Anordnung mit Wasserbecken und gestutztem Platanen-Umgang. Sich in diesem wogenden Blütenmeer, dann „nur“ Haydn vorzustellen, schien zunächst eine irgendwie puristische Angelegenheit. Aber puristisch blieb nichts im Stuck-umtosten Treppenhaus von Schloss Augustusburg. (Von Sabine Weber) Concerto Copenhagen unter Lars Ulrik Mortensen adelt die Brühler Schlosskonzerte mit Haydn weiterlesen

Helmut Lachenmanns „…Zwei Gefühle…” Und dieses Werk zweimal: aus gutem Grund!

(Helmut Lachenmann erläutert. Foto: Jukka Hoehe) Die Konzertankündigung von Helmut Lachenmanns ..Zwei Gefühle…” (Musik mit Leonardo) von 1992 klingt vielversprechend. Zudem ist der  Komponist anwesend und erklärt sein komplexes Werk, das vom Ensembles ColLAB Cologne unter Susanne Blumenthal mit Begeisterung aufgeführt wird. (Von Jukka Hoehe) Helmut Lachenmanns „…Zwei Gefühle…” Und dieses Werk zweimal: aus gutem Grund! weiterlesen

Das Linos Piano Trio philosophiert auf seinem Festival in der Kölner Orangerie über das Ende der Zeit!

Die Location des Linos-Festivals im Kölner Volksgarten hat von außen Vintage-Charme. Innen links geht man an einer minimalistischen Künstlergarderobe mit grauem Vorhang abgetrennt vorbei. 50 rote Polsterstühle sind im Raum in Reihen verteilt. Der zweite Festival-Abend ist ausverkauft, und vielleicht klingt der Raum deshalb akustisch so perfekt! Zeit ist das Festivalsmotto, und erst einmal rattern zum Einstieg Metronome mit- oder gegeneinander auf einem Podest, bis ihre Zeit abgelaufen ist. Dann ist Maurice Ravels „Le Tombeau de Couperin“ in Trio-Bearbeitung zu erleben. Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“ – mit Klarinettist Han Kim als Gast – macht in seiner Wucht und Eindrücklichkeit fast betroffen. (Von Sabine Weber) Das Linos Piano Trio philosophiert auf seinem Festival in der Kölner Orangerie über das Ende der Zeit! weiterlesen

Diese Woche: Ausfall in Bonn und neu entstanden in Köln: Cantus Novus erstmals beim Romanischen Sommer!

Der ambitionierte Fokus ’33 der Bonner Oper bleibt von Corona verfolgt. Schon „Ein Feldlager in Schlesien“ wurde verschoben und verschoben, bis wenige Termine stattfinden konnten (nur drei statt sieben). „Li Tai Pe“ von Clemens von Franckenstein, dritte und letzte Produktion der Fokus ’33-Serie in dieser Spielzeit, hatte Ende Mai Premiere. Und es ist ja nur die Dernière, die ausfällt, aber wohl nicht nachgeholt wird. Schade. Denn so bleibt diese Repertoire-Entdeckung denen, die gestern vor dem geschlossenen Haus auflaufen, unentdeckt. Ebenso der chinesische Dichter Li Tai Pe aus dem 8. Jahrhundert als Titelfigur einer Oper des 20. Jahrhunderts! Mit Corona ist also weiterhin nicht zu spaßen. Bemerkenswerterweise gab es diese Woche aber auch eine Corona-Erfolgsmeldung. Ein zu Pandemiezeiten gegründeter Chor in Köln. Und Cantus Novus Köln hat, unter der Leitung von Matthias Bartsch, letzten Mittwoch seinen Einstand beim diesjährigen Romanischen Sommer in Köln gegeben! (Von Sabine Weber)

Cantus Novus Köln erstmals beim Romanischen Sommer 2022

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Melaten und Torso – ein Friedhof und ein Konzert in Köln…

Was haben die Gräber auf Melaten mit einem Sinfoniekonzert in der Philharmonie gemein? Die Gestaltung von Erinnerung und eine Kunst des vergänglichen Moments? Beides lebt und rückt nahe durch Geschichten hinter Grab , Komposition oder Komponist. In dem neuen Buch „Mein Melaten – ein persönlicher Friedhofsführer“ (Greven Verlag Köln) von der ehemaligen Dombaumeisterin Schock-Werner mit Bildern von Nina Gschlößl, geht es um Geschichten von Kölner Menschen, die auf Melaten begraben liegen. Im Programmheft zum Gürzenich-Orchester-Konzert am Abend gibt es auch Grabesstimmung. Schuberts „Unvollendete“ sei ein „Grabesgesang“. Und Anton Bruckner musste kurz vor der Vollendung seiner Neunten begraben werden. Skizzen und Papiere des fast vollendeten vierten finalen Satzes seien von Brucknerfans angeblich wie eine Leiche gefleddert und entwendet worden. Die „Neunte”, dieses Konzert, dieser Abend – endet also mit einem Adagio … (Von Sabine Weber) Melaten und Torso – ein Friedhof und ein Konzert in Köln… weiterlesen

Beim stARTfestival in Leverkusen frömmeln Jakub Józef Orliński und Lauren Snouffer operntauglich und sind berückend!

( Jakub Józef Orliński und Lauren Snouffer, Werner Ehrhardt. Titelfoto: peuserdisign.de) Das stARTfestival, mit seinen Heimspielstätten in Leverkusen und im Kulturpalast Wuppertal, Berlin und Bitterfeld, hat sich in diesem Jahr vorgenommen, die Hörsinne vorzüglich wach zu kitzeln. Noch bis Ende Mai sind Stardirigentinnen und Dirigenten auch in ungewohnten Rollen als Liedbegleiter zu erleben, und dazu Liedgesangsdiven und Entdeckungen im Repertoire zu machen.
L‘arte del‘mondo, ständiges Orchester in residence der Bayer Kultur, präsentierte sich im Rahmen des Festivals am Mittwoch im Bayer-Erholungshaus mit unerhörten Solisten: Jakub Józef Orliński und Lauren Snouffer. Sie ließen hören, dass religiöse Rührung mit operntauglichen Mitteln arbeitet. (Von Sabine Weber) Beim stARTfestival in Leverkusen frömmeln Jakub Józef Orliński und Lauren Snouffer operntauglich und sind berückend! weiterlesen

Karfreitags-Passion mit Bach – Die Matthäuspassion unter Herreweghe mit Collegium Vocale Gent in heilignüchternem Klang!

(Titelbild: Geiselung Christi. Deckenfresco der Klosterkirche Niederaltaich. Foto: Wiki commons) Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion oder seine Johannespassion live zu hören, gehört an Karfreitag für viele Musikliebhaber und/oder Christen einfach dazu. Zwei Jahre war das in München nicht mehr möglich, umso größer die Erwartung, erstmals im Ausweichquartier der neuen Isarphilharmonie (während die Philharmonie am Gasteig saniert wird) Philippe Herreweghe und das Collegium Vocale Gent mit der berühmtesten und umfangreichsten aller Passion-Vertonungen zu erleben. Und das zu 100 % ausverkauft! (Von Klaus Kalchschmid) Karfreitags-Passion mit Bach – Die Matthäuspassion unter Herreweghe mit Collegium Vocale Gent in heilignüchternem Klang! weiterlesen

Kölner Philharmonie: Haydns Oratorium als Mitsingerlebnis!

Auf dem Programm steht Haydns „Schöpfung“ , das dritte seiner vier Oratorien, geschrieben in den Jahren 1796 bis 1798, und das als Mitsingkonzert. Geht das in dieser Zeit? Und müssen da etwa alle mitsingen, mit Maske oder ohne? Erleichterung für alle, die nicht stimm- und textsicher sind, dann beim Eintritt in den Saal der Kölner Philharmonie… (Von Jukka Höhe)
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„Moving Picture“ – ein Gerhard Richter Bild malt sich im Film selbst zu live-Musik von Rebecca Saunders

„Moving Picture (946-3)“ liegt eine Idee von Gerhard Richter zugrunde, die er in seinem Buch „Patterns. Divided Mirrored Repeated“ 2011 entwickelt hat. Autorin und Filmemacherin Corinna Belz hat sie nach zehn Jahren Beschäftigung mit Richters Gedanken jetzt filmisch umgesetzt. Die Kölnerin begleitet den öffentlichkeitsscheuen, ebenfalls in Köln ansässigen Maler bereits über Jahrzehnte. „Moving Picture“ ist nach „Das Kölner Domfenster“ (2007), der den World Media Gold Award gewann und nach „Gerhard Richter Painting“ von 2011, mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet, ihr dritter Film über Richter. Belz hat bei der filmischen Umsetzung auch mit Richter zusammengearbeitet. Richter skizziert die mathematischen Prinzipien, die als Möglichkeiten einer filmischen Umsetzung Bildsequenzen erzeugen sollen und schlägt auch eines seiner Bilder (946-3) als filmische Grundlage vor. Aus dem Scan des Bildes entwickelt die Regisseurin das strenge Verfahren von Teilung, Spiegelung und Wiederholung und durch die Zerlegung in Einzelbilder im filmischen Prozess eine verblüffende Vielfalt an Formen und Farben. Die haben wiederum Komponistin Rebecca Saunders zu einer Soundscape inspiriert, zu der Trompeter Marco Blaauw mit experimentellen Klängen live performed. Ursprünglich als Welturaufführung für den Kölner Romanischen Sommer 2020 geplant, hat das multimediale Gesamtkunstwerk am 11. Dezember im Filmforum seine NRW-Premiere gefeiert. (Von Sabine Weber) „Moving Picture“ – ein Gerhard Richter Bild malt sich im Film selbst zu live-Musik von Rebecca Saunders weiterlesen