Archiv der Kategorie: Künstlerportraits

Neuer Counter-Star – Jakub Józef Orlinski

(Foto: Jiyang Chen) Klassikfavori startet ins Neue Jahr mit einer Entdekkung von Musikjournalist und Kritiker Klaus Kalchschmid. Er beobachtet die Countertenorszene schon seit Jahren und hat sich aktuell von Jakub Józef Orlinskis Charme und seinem fulminant musikalischen Singen bezirzen lassen. Und es ist dem Publikum offenkundig auch so ergangen. Beispielsweise beim ausverkauften Liederabend in der Frankfurter Oper, wo Orlinski im letzten Jahr auch als Titelheld von Händels „Rinaldo“ seine professionellen Breakdance-Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat, oder – neben Andreas Scholl – in „Rodelinda“. Das Kassenpersonal der Zürcher Oper, an der er gerade als Cyrus in der szenischen Version von Händels „Belshazzar“ Furore gemacht hat, nennt ihn nur noch „Schatz“. Sogar die Bildzeitung schwärmt: „Er könnte Student sein. Model. Oder Fitnesstrainer. Denkt man aber nur, bis der attraktive Kerl den Mund aufmacht…“ (von Klaus Kalchschmid)
Wer den 28-jährigen Countertenor aus Polen noch nicht live erleben konnte hat Gelegenheit im deutschsprachigen Raum bei den Händelfestspiele Karlsruhe. Dort übernimmt er im Februar 2020 die Titelpartie in „Tolomeo“.


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In Wien kein Beethrifft, sondern fantastische Ausstellungen und die Derniere der hybriden Grand Opéra “Orlando” von Olga Neuwirth

Foto: Sabine Weber

Ist es ein Sakrileg, nach Wien zu reisen und sich um Beethoven 250 aber auch gar nicht zu scheren? Hier wirft er seine Schatten selbstverständlich auch voraus. Das berühmte Beethoven-Portrait mit wild um den Kopf stehenden Haaren ist überdimensional auf Häuserfassaden plakatiert! Und haben nicht die Österreicher den deutschen Beethoven zu einem Österreicher gemacht? Dafür den österreichischen Hitler zu einem Deutschen! Von wegen blöde Redewendung. In Wien gibt es noch immer einen Dr.-Karl-Lueger-Platz, benannt nach dem Wiener Bürgermeister, der Hitlers antisemitische Rhetorik nachweislich vorformuliert hat – und auch die Endlösungs-Idee mitgeliefert hat. (Siehe klassikfavori Luegers Parlamentsrede vom Mai 1894 in Wien, zitiert bei der Ruhrtriennalen Produktion RT19 „Von den letzten Tagen…“) Und erst 2012 wurde der Dr- Karl-Lueger-Ring in Universitätsring umbenannt. Wäre Hitler im Bewusstsein der Österreicher ein Österreicher hätte sich Österreich bewegt und auch den Lueger-Platz längst umgewidmet! (Von Sabine Weber)

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Die Deutsche Erstaufführung von Brett Deans “Hamlet” steht Köln bevor. Nach Shakespeare! Dean gibt Auskunft!

Brett Dean. Foto Bettina Stoess
Brett Dean. Foto: Bettina Stoess

Der australische Komponist Brett Dean lebt schon lange in Deutschland. 14 Jahre lang war er Bratscher bei den Berliner Philharmonikern, bevor er in die Freiberuflichkeit ging, um zu komponieren. Sein zweites Bühnenwerk, die Oper “Bliss”, hat unter der Leitung von Simone Young die Saison 2010/2011 an der Hamburgischen Staatsoper eröffnet. Diese Saison scheint in Deutschland ein besonderes Brett Dean Jahr zu sein. Der sympathische Endfünfziger, der blumige Muster liebt und meist dieser Art gemusterte Hemden trägt, ist in dieser Spielzeit 2019/20 Composer in residence der Dresdner Philharmonie im Kulturpalast. Und um die Deutsche Erstaufführung seines jüngsten Bühnenwerks haben sogar zwei Opernhäuser gekämpft, München und Köln. Köln hat gewonnen. Unter anderem wegen der Ausweichspielstätte im Staatenhaus, die mit ihrem weiten und tiefen Bühnenpanorama Regisseurinnen und Regisseure durchaus inspiriert. In diesem Falle Matthew Jocelyn, ein enger Ko-Partner des Komponisten, denn er hat das Libretto geschrieben. Brett Dean habe ich in den Containerbüros beim Staatenhaus kurz vor der Hauptprobe befragt, wie wir an diesen Shakespeare herangehen sollten. Die Deutsche Erstaufführung von Brett Deans “Hamlet” steht Köln bevor. Nach Shakespeare! Dean gibt Auskunft! weiterlesen

Jacques Offenbachs “Barkouf” hat in Köln Premiere, mit Tenor Matthias Klink, der hier seine Rolle und mehr erklärt! Musikwissenschaftler Jean-Christophe Keck verrät, wie er diese Neuentdeckung gefunden hat

Nach Köln kommt er gern zurück, denn hier hat er im Kölner Opernstudio angefangen.
Als der Tenor Matthias Klink das letzte Mal in Köln war, im April dieses Jahres als Evangelist in Bachs Johannespassion mit dem Gürzenich-Orchester, musste er gleich am nächsten Tag zurück, weil er Mao („Nixon in China“ von John Adams) in seinem Opernhaus in Stuttgart singen musste. Bababeck in Offenbachs Barkouf ist auch ein totalitärerer Chef. Einmal Diktator immer Diktator? Auf gar keinen Fall, die Zwischenzeit sei mit anderen Rollenengagements gefüllt gewesen, wie er nach der Hauptprobe erzählt. Vor allem erteilt Klink im Gespräch Auskunft über das Spezielle der Rolle, die natürlich nichts mit Mao zu tun hat. Und mit viel tenoralem Sprechklang, Agogik und Gestik verrät er auch noch, was er über Bouffe und Operette denkt, über seine Mozartschublade, in der er gesteckt hat, über die Rolle seines Lebens in Benjamin Brittens „Tod in Venedig“ und was für ihn das Theatergefühl bedeutet! (Das Gespräch führt Sabine Weber)

Bababeck tanzt mit dem Blumenmädchen Maima. Foto: Paule Leclaire
Bababeck tanzt mit dem Blumenmädchen Maima. Foto: Paule Leclaire

Soweit Matthias Klink. Er wird bei der Premiere am Samstag, dem 12. Oktober die Rolle des Bababecks in Jacques Offenbachs Barkouf singen. Und danach ein Gespräch mit dem Wiederentdecker Jean-Christophe Keck und dem Verleger Frank Harders-Wuthenow.

Worum es geht?
Ein Großmogul, der aufständische Städte niederbrennt, beschließt eine besondere Strafmaßnahme. Er ernennt einen Hund zum Gouverneur der Stadt. Und lacht sich eins ins Fäustchen. Die werden schon sehen! Großwesir Bababeck hat seine liebe Mühe, mit Barkouf zu regieren. So heißt der Hund. Die Geschäfte müssen laufen, schon allein, weil Bababeck seine Tochter verheiraten will. Dazu braucht es nämlich das Ja des Gouverneurs. Eine junge Blumenverkäuferin namens Maïma kann helfen. Sie hat Barkouf groß gezogen, und er hört auf ihr Wort. Also lässt er Maïma in die Machtzentrale rein. Maïma lässt den Hund bellen, übersetzt und hilft erst mal den Bürgern: die Steuerlast wird halbiert, die Todesstrafe abgeschafft. Das Volk lässt Barkouf hochleben! Bababeck kocht…! Was für eine geniale Regime-Kritik haben sich Jacques Offenbach und sein Librettist Eugène Scribe da ausgedacht! Die Aufführung an der Opéra Comique am 24. Dezember 1860 floppt allerdings total. Unter anderem, weil ein Hund auf der Bühne als obszön empfunden wird. Das Werk verschwindet. Und taucht erst 150 Jahre später auf. Diesen Samstag ist die Deutsche Erstaufführung an der Oper in Köln zu erleben. In einer Koproduktion mit Straßburg. Dort feierte das Werk im Dezember des letzten Jahres Premiere, und der Wiederentdecker war da, Jean-Christophe Keck, der bei den Offenbachs zuhause auf den Hund gekommen ist! (Von Sabine Weber)

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Podcast-Gespräch mit Peter Eötvös vor der Premiere in Mönchengladbach

In Nordrhein-Westfalen ist der Dirigent und Komponist Petert Eötvös ein Begriff! Natürlich! Er hat in Köln studiert und hier seine Welt-Karriere sowohl als Dirigent wie auch als Komponist angestoßen. Seine letzte Oper „Senza Sangue“ nach einem Libretto von Alessandro Baricco ist in der Kölner Philharmonie mit dem New York Philharmonic unter Alain Gilbert uraufgeführt worden. Eötvös ist wieder in seine Heimat Ungarn zurück gekehrt. Er lebt in Budapest. Und kommt dennoch zu einer Premiere nach Mönchengladbach. Diese Gelegenheit durfte nicht ungenutzt verstreichen. Und spontan hat er einem kleinen Gespräch zugesagt. Freundlich und bereitwillig hat er sich im Theatercafé der Oper in Mönchengladbach kurz vor der Premiere (Siehe gesonderte Klassikfavori-Rezension) mit mir in eine ruhige Ecke gesetzt und ein paar Auskünfte gegeben! Nachzuhören im folgenden Podcast favori

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Liebestod zum Saisonauftakt! Der Bayreuthsänger Samuel Youn aus dem Kölner Ensemble über seine Rolle(n)!

In Köln steht die Saisonpremiere ins Haus! Mit Richard Wagners „Tristan und Isolde“ am 21. September in der Oper Köln im Staatenhaus. Die Proben laufen in die heiße Endphase. Ensemble-Bassbariton Samuel Youn als ausgewiesener Bayreuth-Sänger ist natürlich mit dabei. Er übernimmt die Rolle des Kurwenal. Der gebürtige Koreaner ist längst nicht mehr der einzige Koreaner im Team. Das hat mit ihm zu tun. Nach einer Probe habe ich mich mit ihm getroffen, habe einiges über die Kurwenal-Partie erfahren und über Samuel Youns Korea-Connections!

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Das Freiburger Barockorchester eröffnet mit einer Countertenor-Gala das neue Alte Musik Festival Felix!

Original.Klang.Köln. Die Kölner Philharmonie widmet der historischen Aufführungspraxis ab sofort eine eigene klangliche Barock-Show. Die Eröffnungs-Gala bestritten drei junge Countertenöre mit Bravour- und Schmachtarien, die das Publikum entzückten. (Von Sabine Weber)

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Die Deutsche Oper Berlin feiert den 200. Geburtstag von Theodor Fontane mit einer neuen Fontane-Oper. Am 28. April war Premiere von Detlev Glanerts „Oceane“! Und es war ein Fest, wie der Komponist am Tag danach in einem Interview verraten hat

Ausverkauft! Zur Uraufführung von Detlev Glanerts „Oceane von Parceval“, frei nach einem gleichnamigen Fragment von Theodor Fontane, quetscht sich das Publikum in die Parkettreihen. Und mit seinen 1850 Plätzen ist die Deutsche Oper Berlin kein kleines Haus! Ist es etwa das Interesse an Neuer Musik, an Theodor Fontane, immerhin vor den Toren Berlins in Neuruppin geboren und ein großer Jubilar dieses Jahr? Oder ist es das Interesse am hier heimisch gewordenen Komponisten? Der Wahlberliner Detlev Glanert lebt hier seit 1987. Als Donald Runnicles, Generalmusikdirektor der Oper und Dirigent des Abends, den Orchestergraben betritt, brandet mehr als Beifall auf! Erwartung und Vorabbestätigung zugleich. Alles steht unter einem guten Stern an diesem Abend. Das Sängerensemble ist großartig besetzt: mit Doris Soffel als Grande Dame und Hotelbesitzerin, mit Maria Bengtsson in der Hauptrolle und Tenor Nikolai Schukoff als ihrem Paarpartner. Die finnisch-schwedische Bengtsson ist ein gefragter Berliner Liebling und eine der wenigen, die derzeit an allen drei Opernhäusern der Hauptstadt zu erleben ist. Also das Sängerensemble und eine feinsinnig bis großartig aufgefächerte Musik, die auch mit rapiden Stimmungsumschwüngen und rasanten Wechseln von Gruppen- und Ensembleszenen für Tempo sorgt, überzeugen an diesem Abend. Dazu die beeindruckende Videoprojektionen eines Meeres, das von der gigantischen Hohlkehle im Bühnenhintergrund bis in den Orchestergraben brandet. Für einen heutigen Komponisten muss das eine Bestätigung sein. Zumal Detlev Glanert einer der wenigen ist, die nur vom Komponieren leben. Und dennoch ist die Aufregung am Tag der Premiere groß. Unser Interview wird auf den Tag danach verlegt. Wie man sich nach diesem Erfolg fühlt, musste die erste Frage sein. (Das Interview führte Sabine Weber) Die Deutsche Oper Berlin feiert den 200. Geburtstag von Theodor Fontane mit einer neuen Fontane-Oper. Am 28. April war Premiere von Detlev Glanerts „Oceane“! Und es war ein Fest, wie der Komponist am Tag danach in einem Interview verraten hat weiterlesen

Bernard Haitink zum 90. Geburtstag!

Foto: Sébastien Grébille
Foto: Sébastien Grébille

Vom Gehabe internationaler Pultstars hält er erfreulich wenig. Bernard Haitink feierte am 4. März seinen 90. Geburtstag. Und sein Dirigierstil ist heute nicht etwa aus Altersgründen reduziert. Er ist es schon immer gewesen: aufs Notwendige beschränkt, dabei ultrapräzise. Bei den Proben redet er wenig. „Wenige Worte, die Konsequenzen haben“, sagen Musiker des Chamber Orchestras of Europe, vor denen er im Beitragsbild auch steht (Foto: Sébastien Grébille). Ihren Streicherklang wisse er zu formen wie kaum jemand sonst. Einen kontrastreichen samtenen schönen Streicherklang! Wie er das mache, wüssten sie auch nicht. Das Chamber Orchestra of Europe mit Sitz in London ist jedenfalls eine späte Liebe Haitinks. 2008 hat sie begonnen . Wie seine Liebe zu der Staatskapelle Dresden entstanden ist, hat er mir in einem Gespräch 2002 erzählt und noch viel mehr. (Von Sabine Weber)

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Eine besondere Werkbetrachtung! Bariton Holger Falk spricht über die Er-Arbeit-ung von Diodati.Unendlich

Holger Falke erfasst von der Video-Livecam im Großbild. Foto: Sandra Then
Holger Falke erfasst von der Video-Livecam im Großbild. Foto: Sandra Then

Am 21. Februar wurde am Theater Basel die Uraufführung von „Diodati.Unendlich“ gefeiert (siehe auch gesonderter Bericht). Und am Tag danach bin ich mit Holger Falk im Unternehmen Basel Mitte verabredet. Der gebürtig aus Regensburg stammende Bariton hat gestern in der Rolle Lord Byrons gesteckt. Eine besondere Werkbetrachtung! Bariton Holger Falk spricht über die Er-Arbeit-ung von Diodati.Unendlich weiterlesen