Alle Beiträge von Sabine Weber

Mit der Gambe durch die Eifel – im „Eifeldom“ Mirbach

(31. Mai 2026, Erlöserkapelle Mirbach) Zum zweiten Mal gastiert Ensemble favori in der seiner Glasmosaik-Ornamente wegen überwältigenden Erlöserkapelle in Mirbach. Christian von Mirbach, Nachfahre des Bauherrn Ernst von Mirbach, begrüßte das Publikum in dem „Eifeldom“, wie die Erlöserkapelle von den Eifelern bewundernd genannt wird. Die den Kirchenraum füllenden mehr als 50 Zuhörerinnen und Zuhörer waren aber nicht nur aus der Eifel angereist. Auch aus Siegburg und Köln hatten sie hierher gefunden. Sie ließen zur Musik die Blicke über die Steinvariationen gleiten. (Von Sabine Weber) Mit der Gambe durch die Eifel – im „Eifeldom“ Mirbach weiterlesen

Mit der Gambe durch die Eifel – Auftaktveranstaltung in der Schlosserei und Schmiede Köb

(14. Mai 2026, Schlosserei Köb, Hüngersdorf) Gambe und Renaissancelaute passen zu Eisen und in diese Eifeler Schmiede!

in der Schlosserei Köb befindet sich auch noch eine Esse. Foto: Jukka Höhe

Beim Auftaktkonzert „Mit der Gambe durch die Eifel“ in der Schlosserei und Schmiede Köb in Hüngersdorf/Blankenheim saß das Publikum vor Stahlträgern und um einen Amboss herum. Und auch die Kräuterwanderer, die zuvor mit den Eifeler Kräuterwelten unterwegs im Lampertstal unter anderem Pilgerkräuter zur Linderung von Fußblasen erkundeten, ließen sich in das ungewohnte andere Ambiente fallen. Selbst aus Hamburg und Hannover haben Zuhörer hierhin  gefunden.

Konzertdebüt in der Schmiede

In dieser Schmiede hat noch nie ein Konzert stattgefunden. Die Akustik war perfekt, jedenfalls für die Werke des Frühbarock von Diego Ortiz, Girolamo Kapsberger, John Dowland oder Christopher Simpson, die Ensemble favori (Christoph Barth, Renaissanclaute und Chitarone, Hildegard Meier, Schauspiel, Reziation, sowie Sabine Weber, Viola da gamba und Projektinitiatorin) präsentierte. Stefan Pütz, ein Urgestein unter den Eifeler Schmiede, war geladener Ehrengast.

Eifeler Schmied Stefan Pütz im Gespräch mit Hildegard Meier. Foto: Sabine Weber
Mythos Schmied – Mythos Klang

Bei ihm ist der aktuelle Kölner Domschmied in die Eifeler Lehre gegangen. Und der inzwischen 77jährige Trenge Steff wie Pütz in seinem Heimatdorf Sistig genannt wird, hat auch einiges für den Kölner Dom geschmiedet. In Hüngersdorf lauschte er der zartbesaiteten Musik. Und zwischen der Musik den  Wortbeiträgen, in denen sich alles um den Mythos des Schmiedens drehte, unter anderem um eine Schmiedekaste in Afrika oder um Pythagoras und die klingenden Hammerschläge in einer antiken Schmiede, die zur Entdeckung der harmonischen Zahlenverhältnisse führte und letzendlich die Musikwissenschaft begründete. Pütz ergriff bewegt das Wort und sprach nach dem Konzert ein Schlusswort, das keinen kalt ließ. An diesem Abend trafen wirklich Musik, Mensch und ein erfülltes Handwerkerleben zusammen. Zufällig war noch ein Mikro online, leider zu weit weg und falsch ausgerichtet. Aber des Schmiedes Wort verweist die Aufnahmequalität auf den nachgeordneten Platz. Wer es nachhören will – hier kommt es…

 

 

Gastgeberschmied Josef Köb rechts und Stefan Pütz links stellen die antiken Hammerschläge von Pythargoras am Amboss nach. Foto: Sabine Weber

Hochgräfliche Damen-WG! Gabriele Rünger porträtiert Manderscheid-Blankenheimer Gräfinnen und hat im Heimatmuseum Blankenheim eine Ausstellung kuratiert

Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2026

Die adlige Damen-WG ließ sich das Eau de Cologne von Jean Maria Farina aus Köln etwas kosten. Das gehörte zum guten Geschmack. Vor allem zu „stand und reputation“ der Manderscheid-Blankenheimer Gräfinnen im 16. und 17. Jahrhundert, die zu Reichsgräfinnen aufstiegen.  Historikerin Dr. Gabriele Rünger hat das Leben von 27 Gräfinnen aus vier Generationen vom Niederrhein bis Holland nach Prag verfolgt und deren  „Machtsystem“ in einem Buch beschrieben. Für das Blankenheimer Eifelmuseum hat sie zusammen mit dem Geschichtsverein des Kreises Euskirchen, Herausgeber des Buches, eine Ausstellung kuratiert, Am 16. April 2026 wurde die Ausstellung unter dem Titel „Stand. Pracht. Macht.“ eröffnet. Klassikfavori war vor Ort, hat sich mit Gabriele Rünger getroffen und vor der historischen Kulisse der Eifeler Blankenheimer Burg einiges erfahren. (Die Fragen stellt Sabine Weber)

Die Aussstellung Stand. Pracht. Macht.  ist bis zum 2. Mai zu besuchen

Die erste deutsche Frauenoper. Julia Kerrs „Chronoplan“ wirft in Mainz ein Schlaglicht auf die 20er Jahre und wird immer noch gefeiert!

Am 24. Januar 2026 hat die Uraufführung von „Chronoplan“ nämlich bereits stattgefunden. Das Musiktheater von Julia Kerr sollte 1933 in Hamburg aus der Taufe gehoben werden. Ihr Mann Alfred Kerr, eine umtriebige Gestalt im Berliner Literatur- und Kunstbetrieb, hatte das Libretto verfasst. Doch dann kam für das jüdische Intellektuellen-Paar alles anders. Es musste aus Deutschland fliehen, die Partitur im Gepäck, die die Odyssee des Paares über die Schweiz, Frankreich, London zurück nach Deutschland nicht vollständig überlebt hat. Die Oper Mainz hat mittels umfassender Recherchen und Rekonstruktionen das Werk posthum erstmals über seine Staatstheaterbühne gehen lassen. In der Regie von Lorenzo Fioroni, im Bühnenbild von Paul Zoller. Und im März sind die Aufführungen immer noch ausverkauft. (Von Sabine Weber) Die erste deutsche Frauenoper. Julia Kerrs „Chronoplan“ wirft in Mainz ein Schlaglicht auf die 20er Jahre und wird immer noch gefeiert! weiterlesen

Fritjof – ein Mannsname betitelt am Aalto eine der ersten feministischen Frauenopern von Elfrida Andrée und Selma Lagerlöf

Der Weltfrauentag wäre ohne das Aalto-Theater sang- und klanglos verstrichen! Die szenische Uraufführung von „Fritjof“ hätte eigentlich in „Ingeborg-Saga“ umgetauft werden müssen, denn es geht um diese Frau. Am 7. Februar 2026 war, richtig: die Uraufführung! 1895 vollendete die Schwedin Elfrida Andrée die klassisch-romantische Partitur, die nie eine szenische Aufführung erlebte! Die Repertoire-Aufführung am 8. März bewies, was für eine Ausgrabung dem Aalto-Theater gelungen ist. Und faszinierte mit einer kammermusikalisch verästelten Musik, die nebst volkstümlichen Einsprengseln in Ballade mit rauschendem „Wagner“-Aplomb aufwartete. Diese Musik „kann man haben“, wie eine Dame hinter mir treffend feststellte. Und was hätte diese Frau noch alles komponiert, hätte Sie nicht so viel Zeit in die Frauenbewegung stecken müssen. (Von Sabine Weber) Fritjof – ein Mannsname betitelt am Aalto eine der ersten feministischen Frauenopern von Elfrida Andrée und Selma Lagerlöf weiterlesen

Händelfestspiele Karlsruhe: Rampensingen im Galopp – Tamerlano beeindruckt mit virtuellen Bühnenbild

Kobie van Rensburg ist ein Regisseur, der auch mal was wagt. Beispielsweise eine inszenierte Johannespassion 2018 in Soweto, die er in einem Brennpunktgebiet als Anti-Gewaltkur mit südafrikanischen Musikern umsetzt. In Karlsruhe eröffnete van Rensburg jetzt die Händelfestspiele mit „Tamerlano“ in einem virtuellen Bühnenbildexperiment, das das mimische Spiel der Sänger bis in die letzten Publikumsreihen projiziert. Das Freiburger Barockorchester, geleitet vom 79-jährigen René Jacobs, füllte den Orchestergraben und erfüllte – wie die sechs Sängersolisten – alle Erwartungen. (Von Sabine Weber) Händelfestspiele Karlsruhe: Rampensingen im Galopp – Tamerlano beeindruckt mit virtuellen Bühnenbild weiterlesen

Eine Anti-Trump-Oper… Titus Engel gibt Auskunft über „Monster’s Paradise“, die neue Oper von Olga Neuwirth

Titus Engel. Foto: Kaupo Kikkas

Dirigent Titus Engel ist der Mann für schwierige Partituren. Daher ist er nicht von ungefähr der Uraufführungsdirigent von „Monster’s Paradise“ an der Hamburgischen Staatsoper. So heißt die jüngste Oper von Olga Neuwirth auf ein Libretto von Elfriede Jelinek und ist am 1. Februar 2026  aus der Taufe gehoben worden. Mit einer Menge von Monstern. (Von Sabine Weber) Eine Anti-Trump-Oper… Titus Engel gibt Auskunft über „Monster’s Paradise“, die neue Oper von Olga Neuwirth weiterlesen

Monster von Neuwirth und Jelinek mischen Hamburgs Oper auf

„Vor solchen Abenden sollte man warnen!“, erklärt Dramaturg Christopher Warmuth in einer launigen Einführung. Der dicht gewebten musikalischen Textur von  „Monster’s Paradise“ sollte sich ohne Ansprüche gestellt werden! „Analytische Durchdringung und hermeneutische Deutung seien zwecklos …“ Das ist augenzwinkernd gemeint. In Olga Neuwirths und Elfriede Jelineks jüngster Oper gäbe es viele Musikzitate zu entdecken. Sie dienen aber stets einem sofort fasslichen theatralen Ausdruck. (Mehr dazu im podcast favori mit Dirigent Titus Engel) Die Genre-Vermischung mit klassischer Sinfonik, Melodram, Operette, Jazz, Collagen, Zuspielungen, nicht zu vergessen die Wortspiele in Jelineks Libretto, das alles entwickelt einen vergnüglichen, komischen bis grotesken Witz, den man in Neuer Musik selten erlebt. (Von Sabine Weber) Monster von Neuwirth und Jelinek mischen Hamburgs Oper auf weiterlesen

Turandot die Große in Dortmund. Asmik Grigorian singt vor ausverkauftem Haus

Zuletzt war die Oper Dortmund beim Konwitschny-Ring ausverkauft. Sie ist ja nicht gerade klein dimensioniert. Asmik Grigorian, längst ein Star, bereits mehrmals zur Sängerin des Jahres von der Opernwelt-Jury gekrönt, sorgte jetzt auch für Full-House. Das dürfte Opernintendant Heribert Germeshausen sehr gefreut haben. Auch, weil diese Turandot-Inszenierung aus seiner ersten Spielzeit 2018 kommt. Und Tomo Sugaos Regie und Frank Philipp Schlößmanns Bühne waren perfekt für Grigorians Auftritt. Ihre Darstellung der unnahbaren, grausamen chinesischen Prinzessin, die eine durch Männer verletzte Urahnin rächen will, beeindruckte. (Von Sabine Weber) Turandot die Große in Dortmund. Asmik Grigorian singt vor ausverkauftem Haus weiterlesen

Daniel Hope und das Züricher Kammorchester in Köln

Der Geiger Daniel Hope ist eine spannende Personalie. In Südafrika geboren, in England aufgewachsen, lebt er in Berlin und darf durchaus als populär gelten. Viele kennen ihn als WDR3-Autor und Moderator der Klassiksendung „Persönlich“. Über ihn ist ein Film gedreht worden. Er schreibt Bücher, ist Ko-Leiter eines US-Festivals, wo Klassik auf Folk trifft, und seit 2016/17 ist er künstlerischer Leiter des Züricher Kammerorchester (ZKO). Das heißt, er leitet das Kammerorchester vom ersten Geigenpult aus. Wenn er nicht als Solist ganz vorn steht. Hope hat seine Fans, wie bei seinem Kölnbesuch mit dem ZKO zu erleben war. (Von Sabine Weber) Daniel Hope und das Züricher Kammorchester in Köln weiterlesen