Alle Beiträge von Sabine Weber

Das Gürzenich-Orchester „first“ in der Kölner Philharmonie!

Wie schön, wieder in der Kölner Philharmonie zu sein! Und Gürzenich first! Nach dem Lockdown steht das erste Konzert dem städtischen Orchester in ihrer Konzertheimat irgendwie auch zu. Am 9. März hat sich das Gürzenich-Orchester das letzte Mal hier seinem Publikum präsentiert. 90 Tage später – eröffnet das Gürzenich sogar landesweit als erstes Orchester den Sinfoniebetrieb. (Siehe erstes Konzert in München nach Coronalockdown) Freilich in Kammerensemblebesetzung, vor nur 100 Zuschauern und unter Hygienebedingungen der besonderen Art. (Von Sabine Weber)
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Das Theater Krefeld und Mönchengladbach öffnet seine großen Bühnen im Juni für 22 Vorstellungen

Erster Sonderspielplan für Krefeld Mönchengladbach unter Corona-Bedingungen
Sopranistin Sophie Witte aus dem Ensemble. Foto: Simon Erath

Wie schön, mal wieder in einem Opernhaus zu sein! Die Einladung zur Pressekonferenz ins Glasfoyer der Oper Krefeld kam zwar sehr kurzfristig. Das Hygienekonzept des “Sonderspielplans” ist ja auch erst Freitag durchgewunken worden. Die heilige Kuh der Corona-Bedingungen! Vier Arbeitstage später sitzen der Generalintendant vom Theater Krefeld und Mönchengladbach, Michael Grosse, GMD Mihkel Kütson, Operndirektor Andreas Wendholz und Schauspieldirektor Matthias Gehrt an einem langen Board – immer ein Platz frei zwischen ihnen – und erklären den ersten Sonderspielplan unter Corona-Bedingungen im Juni. An Tischchen, die mit Abstandsgebot verteilt im Foyer stehen, sitzen die Journalisten. (Von Sabine Weber)

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Venedig singen und rudern! Nuria Rial und Holger Falk auf Spurensuche in der Lagune

“Il Gondoliere Veneziano” ist beim Label PROSPERO 0003 erschienen und “Venice’s fragrance” beim Label deutsche harmonia mundi.

‘Lagunenklänge’ bedienen die Sehnsucht nach Venedig gleich in zwei aktuellen Aufnahmen. Der deutsche Bariton Holger Falk beschwört das Flair der Lagune mit Liedern venezianischer Gondolieri, unterstützt vom Klangdesign-Duo Merzouga, das atmosphärisch Möwenschrei, Wellenschlag, knarzende Schiffstaue oder Glockenläuten einmischt.
Die katalanische Sopranistin Nuria Rial hat unerhörte aber original verbürgte venezianische Barockfarben aufgespürt. Sie lässt sich von Mandolinen begleiten, die venezianische Komponisten von Vivaldi bis Buranello, alias Baldassare Galuppi aus Burano, effektvoll eingesetzt haben. Das kitzelt ebenfalls die Sehnsucht nach dem Süden sehr charmant. (Von Sabine Weber)
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HAT DIE RUHRTRIENNALE 2020 NOCH EINE CHANCE?

(Foto: Gebläsehalle Duisburg von Joerg Brueggemann) Bereits am 22. April wurde die Ruhrtriennale als eines der ersten internationalen Festivals abgesagt. Das Aushängeschild der Festivals in NRW hat der Lockdown der Corona-Pandemie früh getroffen. Gegen den Wunsch der Intendantin Stefanie Carp, die vom Kultusministerium nur wenige Stunden vor der Entscheidung in Kenntnis gesetzt wurde. Dabei böten die kolossalen Hallen, Kokereien und Maschinenhäuser der einstigen Schwer- und Stahlindustrie-Ruinen doch enorm viel Platz, um Abstandsregelungen für die Künstler und das Publikum einzuhalten. Das Angebot umfasst ja auch nicht nur Musiktheater-, Schauspiel- und Tanzprojekte, sondern auch Installationen mit Video und Lichtprojektionen. (Siehe Pressemeldung Zur Absage der Ruhrtriennale 2020) Museen werden derzeit im Rahmen der Corona-Lockerungen wieder geöffnet. Die Theater öffnen Ende Mai, freilich unter komplizierten Hygienebedingungen. Aber auch diesen Anforderungen könnte man sich in den Ruhrtriennalen-Hallen mit entsprechend geschultem Personal stellen. Der Kulturrat NRW hat die NRW-Landesregierung jedenfalls aufgefordert, wenn Kulturbereiche noch in diesem Monat wieder geöffnet werden, auch die Ruhrtriennale wieder stattfinden zu lassen. In einer angepassten und kondensierten Version. Worum könnte es gehen? Die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp stellt sich den Fragen von klassikfavori! HAT DIE RUHRTRIENNALE 2020 NOCH EINE CHANCE? weiterlesen

Verbrecherische Geheimnisse und betörende Madrigalklänge. Thomas Larchers erste Oper ist auf DVD nachzuhören!

In Japan gibt es ein neues Unternehmenskonstrukt. Ein Tourismusbetrieb vermietet Zimmer an die, die es mit der großen Liebe zuhause nicht mehr aushalten. In Zeiten der Corona-Pandemie sei das eine wichtige Scheidungsvorbeuge. Als Yasushi Inoue sein Drama über Fremd- und Hintergehen, Geheimniskrämerei und Einsamkeit in der Novelle Das Jagdgewehr 1949 veröffentlicht, hat es solche Scheidungsvorbeugen noch nicht gegeben. Bei Inoue betrügt ein Mann seine Frau Midori mit deren Cousine Saiko auch „aus verbrecherischen Absichten“, wie es heißt. Und das unmittelbar nach der Hochzeit. Saiko schwört, sich umzubringen, sobald Midori von diesem „Verbrechen“ erführe. Midori weiß von Anfang an von diesem Verhältnis, schweigt aber. Erst als Saiko tödlich erkrankt, offenbart Midori ihr Wissen. Saiko hat auch vor ihrer Tochter Shoko geschwiegen. Erst durch ein Tagebuch erfährt Shoko von dem Verhältnis ihrer Mutter zum Onkel. Das Schweigen ist Drama! Das Geheimnis lüften drei Briefe, die die drei Frauen unabhängig von einander an den Mann, Geliebten und Onkel Josuke Misugi schreiben. Der übermittelt sie an einen Poeten, der ihn einsam mit Gewehr durch den Schnee hat stapfen sehen und darüber ein Gedicht verfasst hat, in dem sich der einsame Jäger wiedererkennt und ihn kontaktiert. Daraus hat Friederike Gösweiner ein Libretto verfasst, hat die Briefe zu Parallelhandlungen verstrickt, die Thomas Larcher zu einer eiskalten aber das Herz quetschende Kammeroper vertont hat. (Von Sabine Weber)
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Leidenschaftlich und persönlich: der französische Sinfoniker Albéric Magnard!

Albéric Magnard war Zeitgenosse Claude Debussys und eine noch randständigere französische Komponistenpersönlichkeit als Albert Roussel. Dirigent Fabrice Bollon und das Philharmonische Orchester Freiburg machen sich derzeit beim Label Naxos in Koproduktion mit dem SWR zu dessen musikalischen Anwälten. Nach seinen vier Sinfonien kehren sie mit ihrer dritten CD und Magnards Konzertouvertüre op 10, seinen Hymnen op. 14 und op. 17, und einer Suite d’orchestre dans le style ancien op. 2 sogar zu seinen sinfonischen Anfängen zurück. (Von Sabine Weber)
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Viel “hohes c” mit Samuel Mariño

Wenn ein Sopranist am Opernhimmel erscheint sind spektakuläre Töne angesagt! Samuel Mariño ist Venezolaner, 26 Jahre alt und ist mit hohem c sehr großzügig. Jendenfalls auf seiner Debüt-CD beim Label Orfeo in Koproduktion mit dem Deutschlandfunk und den internationalen Gluck-Festspielen mit Arien von Händel und Gluck. Seine musikalischen Partner sind das Händelfestspielorchester Halle unter Michael Hofstetter. (Von Sabine Weber)

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Beethrifft 2020: Was uns zu denken gibt!

 

Beethoven-Logo des Bärenreiterverlags. Der hat einen interessanten Trailer auf seiner Netzseite veröffentlicht.

(3. Mai 2020) Natürlich vergessen wir Beethovens 250. Geburtstag nicht! Trotz Corona-allmächtig-allüberall. Zufällig stolpere ich über einen kleinen Trailer, der vorführt, wie wir in diesen Zeiten von der Arbeit der Notenentzifferer, der Urtextforscher, der Verlage, die “spreaden”, nicht zuletzt von verständigen Interpreten, die davon infiziert neu ansetzen, lernen können. Lassen wir dahingestellt, dass, auf Beethoven bezogen, natürlich auch ein großer Musikverlag meint, nur mit Mondschein- und Neunteklängen Werbung machen zu können. Immerhin hört man in diesem Trailer auch den mittleren Satz der cis-moll Sonate op. 27 Nr. 2, zu dem meine Klavierprofessorin mal meinte, „das sei das unterschätzte Alpenblümchen zwischen den (Berg-)Gipfeln (1. und 3. Satz). Immerhin gibt es auch kurz Streichquartett. Und wie Jonathan del Mar, Beethovenforscher und Herausgeber einer neuen Urtext-Edition, in Beethovens Rasumowsky-Quartett einem angeblich falschen Ton Recht verschafft, ist bemerkenswert… Oder einem scheinbar wiederkehrenden Rhythmus-Modell eine ‘Andersartigkeit’ einfordert. Auch Beethoven wird im Detail gern überhört wenns anders einfacher geht! Das gibt in heutigen Zeiten zu denken. Es ist meist komplexer, als Vordergrundermittler es für die schnelle Formatierung gern hätten. Seien wir um die dankbar, die im Hintergrund die gründliche Arbeit auch gegen Widerstand nicht scheuen, Fragen aufwerfen und kritisch bleiben. Hier zum Trailer.

Siehe auch weitere Beethrifft 2020-Beiträge auf Klassikfavori: Beethrifft 2020-Oper Bonn; Beethrifft 2020 Gürzenich-Orchester. U.a.

Gaspare Spontinis “Die Eroberung von Mexiko” auf DVD beim Label Dynamic

Das italienische Label Dynamic darf sich die Weltpremiereneinspielung von „Die Eroberung von Mexiko“ auf die Fahnen schreiben. Jedenfalls die der Urfassung dieser Historien-Oper mit mehr als drei Stunden Musik. Bei der Uraufführung im Pariser Théâtre de l‘Academie Impériale 1809 ist Kaiser Napoleon I. dabei. Er hat „Die Eroberung von Mexiko“ und den Konquistadoren Fernand Cortez als Titelhelden bei Gaspare Spontini auch bestellt. Der laufende Feldzug gegen Spanien sollte eine ideologisch-musikalische Überhöhung bekommen. Cortez hatte seinen geostrategischen Krieg um Gold als katholische Mission gegen Menschenopfernde Atzteken verbrämt. Der Europa-Erschütterer Napoleon will sich als Befreier der Spanier von der blutrünstigen katholischen Inquisition ins Licht setzen. Der spanische Feldzug endet allerdings im Desaster. Die Oper wird nach zwanzig Aufführungen abgesetzt. Um aufführungswürdig zu bleiben, verändert Spontini. Und was für eine Volte in der Aufführungsgeschichte! Die Cortez-Oper gelangt in einer vierten Fassung nach Berlin, diesmal zurechtgestutzt für eine neue Weltordnung. Friedrich Wilhelm III. lässt „Die Eroberung von Mexiko“ aufführen, um den Sieg über Napoleon zu feiern! Ein kurioser Bedeutungswandel! Und die Oper bleibt auf Siegerseite! Das Opernfestival Maggio Musicale in Florenz ist letztes Jahr anlässlich 500 Jahre Eroberung Mexikos zu ihren Anfängen zurück gesprungen. Das Manuskript der Urfassung dieser Spektakel-Oper mit großen Massenszenen ist neu gesichtet worden. Das Label Dynamic hat aufgezeichnet. Nachzuerleben ist, dass bei der Aufführung im Teatro Maggio Musicale Fiorentino im Oktober 2019 nicht an Aufwand gespart worden ist. Die Regie von Cecilia Ligorio zeigt sich allerdings der Wucht des Stoffes nicht gewachsen. (Von Sabine Weber)

Spontinis Cortez-Oper auf DVD. Die Weltersteinspielung mit Dario Schmunck in der Titelrolle ist beim Maggio Musicale fiorentino entstanden

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