Alle Beiträge von Sabine Weber

Singer Pur führt mit erlesenem Gesang durch Weltkulturen und eröffnet in Köln den Romanischen Sommer 2022

Sicherlich ist dieses Konzert bereits ein Höhepunkt! Sankt Ursula in Bahnhofsnähe hat sowohl die richtige Atmosphäre als auch die perfekte Akustik für das in München beheimatete Sextett „Singer Pur“. Die fünf männlichen Sänger plus eine Sopranistin feiern mit ihrem Programm „Horizons“ – „Horizonte“ dieses Jahr auch ihr 30jähriges Ensemblejubiläum. Und versetzen das Publikum und den Romanischen Kirchenraum sofort in Schwingung. „Schwingen“ steht ja auch als Thema über dieser Romanischen Sommerwoche. (Von Sabine Weber) Singer Pur führt mit erlesenem Gesang durch Weltkulturen und eröffnet in Köln den Romanischen Sommer 2022 weiterlesen

Halfpipe des Grauens. In Duisburg sind Macbeth und seine Lady von Anfang an Gefangene ihrer wahnhaften Machtgier!

Schwarz-grau-gedämpft ist die Einheitsbühne von Henrik Ahr. Eine riesige Hohlkehle vorne und ein Rand drumrum das Szenario, um das sich eine Wand wie aus Eisen immer wieder wie Gefängnismauern schließt. Nebel des Grauens steigen mit den Gestalten auf, die aussehen, wie aus dem Highlander-Fantasy-Film aus den 1980ern importiert. Zerzauste Haare, blanker Oberkörper unter ärmelloser Weste, ausgeblichene Schottenröcke bis zu den Knien, schwarze Hosen und Stiefel (Kostüme: Michaela Barth). Verwahrloste Gestalten also, die ein Hexenchor mit weißen langen Haaren im Griff hat. Bei Verdi die omnipräsente Verkörperung des Bösen, dem sich die Macbeths aus Machtgier ausliefern. (Von Sabine Weber) Halfpipe des Grauens. In Duisburg sind Macbeth und seine Lady von Anfang an Gefangene ihrer wahnhaften Machtgier! weiterlesen

Fish ‘n‘ Chip? Im Finale des Zamus: Early Music Festival ein philosophisch-schauspielerisch-musikalischer Auftritt der besonderen Art!

„Fish ‘n‘ Chip“- „Quo vadis?“ klingt ambitioniert für ein Alte-Musik-Festival-Konzert. Chip bezieht sich auf den IT-Bereich. Die Chips zum Knabbern sind also nicht gemeint, obwohl eine Künstlerin gleich auf der Bühne ständig knabbert. Die Wohin-Frage rekurriert auch nicht auf das berühmte Bibelzitat oder den Roman von Henryk Sienkiewicz, großartig verfilmt mit Peter Ustinov. „Evolution“ ist das Motto dieses Festivals und soll zur Debatte gestellt werden. Von Ira Givol initiiert. Wohin geht aber die Reise? Ja, welche Reise? Dazu wächst zu allererst das Ensemble des Abends über sich hinaus. Die fünf Musiker:innen (zamus: kollektiv) singen, schauspielern und einer tanzt, und die Schauspielerin (Honolulu-Star Production) greift zum Instrument. Alle improvisieren auch. Sie spielen miteinander und musizieren vor allem vorzüglich. Ein unterhaltsamer kammermusikalischer Musiktheaterabend! (Von Sabine Weber) Fish ‘n‘ Chip? Im Finale des Zamus: Early Music Festival ein philosophisch-schauspielerisch-musikalischer Auftritt der besonderen Art! weiterlesen

Roland Wilson und Musica Fiata lassen zu dessen epochalem 350. Todestag dieses Jahr eine totgeglaubte Oper von Schütz wiedererstehen. Dafne!

Heinrich Schütz gilt als der Vater der deutschen Musik. Er hat auch die erste deutsche Oper gezeugt, was wir seinerzeit noch im Genuss eines profunden Musikunterrichts gelernt haben. Das epochale Wunderwerk gilt – leider – als auf immer verschollen. Das Libretto von Martin Opitz hat sich aber erhalten. Und hat jetzt neue Schützmusik bekommen, vom Schütz-Spezialisten Roland Wilson zugeteilt, der seit Jahrzehnten davon träumt, Dafne wieder auferstehen zu lassen. Seine Recherchen und seine Umsetzungsversuche sind zu einem Ergebnis gekommen, das sich hören lassen kann. Mit seinem Ensemble Musica Fiata hat Roland Wilson beim diesjährigen zamus: Festival für Alte Musik in Köln sogar für ein Highlight gesorgt. (Von Sabine Weber) Roland Wilson und Musica Fiata lassen zu dessen epochalem 350. Todestag dieses Jahr eine totgeglaubte Oper von Schütz wiedererstehen. Dafne! weiterlesen

Fünf Opern in drei Tagen! In München geht das, denn es ist „Ja, Mai”

„Ja, Mai“ – heißt das neue Opernfestival, für das die Reise nach München angetreten wird. Den österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas und dessen Operntrilogie auf Libretti von Händl Klaus hat Serge Dorny, Intendant der Müchener Staatsoper, in den Fokus seines neu ins Leben gerufenen Festivals für Samstag, Sonntag und Montag auf den Plan gesetzt. „Bluthaus”, „Koma“ und „Thomas”. Das sonntags heiß erwartete „Koma“ in der Regie von Romeo Castelluci ist wegen des russischen MusicaAeterna-Orchesters unter Teodor Currentzis, das von einer der vier russischen, auf der EU-Liste der Sanktionen aufgelisteten Banken gefördert wird, vorsichtshalber auf übernächstes Jahr verschoben worden. Der Freiraum wird aber sofort gefüllt. Mit Ernst Kreneks „Jonny spielt auf” am Gärtnerplatz Theater, das gerade einen Blackfacing-Shitstorm überstanden hat. Und weil der geschätzte Münchener klassikfavori-Kollege die späte Gaetano-Donizetti-Oper „La Favorite” in einem Volkshochschulseminar vorstellt und dazu eine Produktion der Münchener Staatsoper von 2016 auch noch vorführt, wird das auch noch mitgenommen! (Von Sabine Weber) Fünf Opern in drei Tagen! In München geht das, denn es ist „Ja, Mai” weiterlesen

“Béatrice et Bénédict” von Berlioz – Die Kölner Oper punktet mit Spielfreude und perfekt austariertem Klangsinn

Und das in jeder Hinsicht! Denn schon die Ouvertüre mit ihren huschenden Gesten mit Akzentpausen ist eine Herausforderung. François-Xavier Roth, wie immer mit Bleistift als Dirigierstäbchen in der rechten Hand, leitet sichtbar entspannt, dennoch souverän das Gürzenich-Orchester. Es sitzt sichtbar rechts vom Bühnenbild. Das zeigt eine Kulisse mit Rundbogen-Arkaden und eine typisch italienische Straßenfassade mit Fensterläden und einem Platz davor für die großen Chorszenen. Und mit dem Chor, der die sizilianische Gesellschaft am Ort vorstellt, lebendig durchmischt von Alt bis Jung, Blind, fein, heruntergekommen, Männern und Frauen, bricht es los. Und immer wieder wird die Gesellschaft von dem urkomischen Kapellmeister Somarone zu einer Probe am Platz zusammengestaucht. Denn er wittert seine Chance, mit einem Auftritt berühmt zu werden. (Von Sabine Weber) “Béatrice et Bénédict” von Berlioz – Die Kölner Oper punktet mit Spielfreude und perfekt austariertem Klangsinn weiterlesen

Beim stARTfestival in Leverkusen frömmeln Jakub Józef Orliński und Lauren Snouffer operntauglich und sind berückend!

( Jakub Józef Orliński und Lauren Snouffer, Werner Ehrhardt. Titelfoto: peuserdisign.de) Das stARTfestival, mit seinen Heimspielstätten in Leverkusen und im Kulturpalast Wuppertal, Berlin und Bitterfeld, hat sich in diesem Jahr vorgenommen, die Hörsinne vorzüglich wach zu kitzeln. Noch bis Ende Mai sind Stardirigentinnen und Dirigenten auch in ungewohnten Rollen als Liedbegleiter zu erleben, und dazu Liedgesangsdiven und Entdeckungen im Repertoire zu machen.
L‘arte del‘mondo, ständiges Orchester in residence der Bayer Kultur, präsentierte sich im Rahmen des Festivals am Mittwoch im Bayer-Erholungshaus mit unerhörten Solisten: Jakub Józef Orliński und Lauren Snouffer. Sie ließen hören, dass religiöse Rührung mit operntauglichen Mitteln arbeitet. (Von Sabine Weber) Beim stARTfestival in Leverkusen frömmeln Jakub Józef Orliński und Lauren Snouffer operntauglich und sind berückend! weiterlesen

„Shirine“ von Thierry Escaich wird an der Oper in Lyon uraufgeführt – Was für eine Genese!

Nach „Claude“ 2013 – feiert jetzt „Shirine“ ihre Weltpremiere in Lyon. Beides Opern von Thierry Escaich. Die erste Oper hatte einen prominenten Librettisten, Robert Badinter, ehemals Justizminister der Mitterrand-Regierung. Er verarbeitete die Novelle „Claude Geux“ von Victor Hugo, in der Hugo die Todesstrafe anprangert, die schon zu dessen Zeiten vor allem sozial Benachteiligte getroffen hat. Eine Oper von historischer Relevanz also, zumal Badinter die Guillotine auch abgeschafft hat. Das Libretto zu Escaichs zweiter Oper, ebenfalls ein Auftrag der Lyoner Oper, hat der afghanisch-französische Schriftsteller Atiq Rahimi verfasst, Prix de Goncourt-Preisträger, also der höchsten Auszeichung für Schriftsteller in Frankreich. Seine Vorlage: ein Epos des persischen Dichters Nizami aus dem 12. Jahrhundert. Es handelt von der Liebe zwischen einem persischen Prinzen und einer armenischen Prinzessin, die sich erst im Liebestod vollzieht. Diese persische Weltliteratur trifft in Lyon auf modernes Musiktheater. (von Sabine Weber) „Shirine“ von Thierry Escaich wird an der Oper in Lyon uraufgeführt – Was für eine Genese! weiterlesen

Weiterleben im Datenstrom! „Upload“ von Michel van der Aa in Köln entwickelt eine kunstvoll mediale dennoch zwischenmenschliche Dystopie!

„Ewig leben, doch erst sterben!“ klingt im christlichen Sinne banal. In der Deutschen Erstaufführung von Michel van der Aas „Upload“ geht es um einen etwas anderen Sterbeprozess. Ein Mensch wird vorher „gescannt“, dessen typische Bewegungen, Emotionen, Vorlieben und was messbar, erfassbar ist, hoch geladen für eine digitale Ewigkeit, die präsent bleibt (Mind-Uploading). Dann mischt sich das Cyberbild dieses Masterminds in eine menschliche Begegnung. Cybervater trifft auf reale Tochter. (Von Sabine Weber)

Weiterleben im Datenstrom! „Upload“ von Michel van der Aa in Köln entwickelt eine kunstvoll mediale dennoch zwischenmenschliche Dystopie! weiterlesen

Der Held steif im Glaskasten – Dortmund zeigt Spontinis Fernand Cortez

Gaspare Spontini war ein erfolgreicher Opernkomponist. Im französischen Empire oder in Berlin werden dessen italienische Opern gefeiert. Er wurde von Kaisern hofiert. Und im Auftrag des französischen Kaisers Napoleon I. schreibt er 1809 auch „Fernand Cortez oder Die Eroberung von Mexico“, um Werbung für einen aktuellen französischen Feldzug zu machen. Dafür wird die Eroberung von Tenochtitlan, der Hauptstadt des Aztekenreiches, zum Thema und Fernand Cortez zur stilisierten Heldenfigur, die für Napoleon stehen soll. Mit wahrer Geschichte hat das nichts zu tun. Und die Oper-Propaganda zündet auch nicht, weswegen Spontini das Werk mehrmals umarbeitet, letztendlich auch wegen des Sturzes Napoleons. Eine dritte Fassung entsteht 1824 für Berlin, auf ein ins Deutsche übersetztes Libretto. Diese Fassung ist jetzt in Dortmund in französischer Fassung über die Bühne gegangen. (Von Sabine Weber)

Der Held steif im Glaskasten – Dortmund zeigt Spontinis Fernand Cortez weiterlesen