„Idomeneo” von Mozart in Köln. Neptuns Stimme erzählt!

Lucas Singer. Foto: Teresa Rothwangl

Am Samstag ist endlich die erste Jahrespremiere an der Kölner Oper im Staatenhaus! Sie ist so gut wie ausverkauft. „Idomeneo“ von Wolfgang Amadeus Mozart 1781 für München komponiniert, scheint in Köln ein Publikumsmagnet. Oder lockt das Regiedebüt von Floris Visser? Vor fast 20 Jahren ist der letzte „Idomeneo” hier über die Bühne gegangen (2005). Christof Nel hatte die Regie. Gerade laufen die Proben für die neue Produktion auf Hochtouren. Im Endspurt stehen alle unter Dampf. Bis auf einen Solisten im Ensemble, Lucas Singer, der der Premiere etwas gelassener entgegen sieht. Denn er verkörpert Neptun „unsichtbar“, mit seiner Stimme und nur im letzten Akt. Der einzige aber wichtige Moment für den Bassisten in dieser Oper. In der Kantine hat mir Lucas Singer auch erzählt, wie er Bassist geworden ist.
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Keine Justiz ist unfehlbar! – Robert Badinter ist tot!

Robert Badinter 2013. Foto: Wiki Commons

Selten hat mich eine Begegnung so fasziniert wie die mit Robert Badinter.

1928 geboren, hat er als ehemaliger Justizminister unter François Mitterand für die Abschaffung der Todesstrafe 1981 in Frankreich gesorgt. Am 9. Februar 2024, also letzten Freitag, ist er 95jährig in Paris verstorben. Warum Badinter auf klassikfavori einen Nachruf verdient ist, weil er ein Opernliebhaber war, ein Literat und ein Opern-Libretto verfasst hat. Seine Oper „Claude“ nach der Novelle „Claude Geux“ von Victor Hugo ist am 27. März 2013 an der Lyoner Oper (Opéra de Lyon) aufgeführt worden. Ich war dabei, habe Badinter getroffen und mit ihm gesprochen. Hier der Radiobeitrag, den ich damals zur Uraufführung gemacht habe, in dem er auch zu Wort kommt. Und ein ausführliche Artikel, der für die Zeitschrift „Kunst und Recht“ verfasst wurde. (Von Sabine Weber) Keine Justiz ist unfehlbar! – Robert Badinter ist tot! weiterlesen

Antisemitismus aus Eifersucht – Glanerts „Jüdin von Toledo“ an der Semperoper erzählt von Liebesutopie und Hassspiralen

Die Jüdin ist bereits eine große tragische Figur in „La Juive“. Komponist Halévy und seine Librettist Eugène Scribe thematisierten 1835 den Hass zwischen Juden und Christen bis hin zu Pogromstimmungen in Deutschland Anfang des 15. Jahrhunderts. Detlev Glanert und sein Librettist Hans-Ulrich Treichel greifen für ihre Hauptfigur auf die spanische Legende der „Jüdin von Toledo“ aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert zurück. Lope de Vega hat sie im 17. Jahrhundert dramatisiert, Franz Grillparzer im 19.  Schließlich schrieb Lion Feuchtwanger Mitte des 20. Jahrhunderts seinen Roman. Grillparzers Verse dienten als Vorlage der Jüdin, die wie bei Halévy auch bei Glanert-Treichel Rahel heißt. Sie lebte angeblich im 12. Jahrhundert in al-Andalus, dem von Mauren, Christen und sephardischen Juden bewohnten Spanien, wird vom spanischen König Alfonso VIII begehrt, geliebt und verliert deshalb ihr Leben. Doch statt Pogromstimmung mündet der Tod von Rahel an der Semperoper in der Regie von Robert Carsen in ein weltkriegsartiges Inferno, in dem alle verlieren, Christen, Juden, Moslems… (Von Sabine Weber) Antisemitismus aus Eifersucht – Glanerts „Jüdin von Toledo“ an der Semperoper erzählt von Liebesutopie und Hassspiralen weiterlesen

Rossinis Esprit fegt in Aachen formidable über die Bühne und durchs Publikum!

Gioacchino Rossinis „Il Viaggio a Reims“ ist schon jetzt der Renner am Theater Aachen 2024! Die Inszenierung von Michiel Dijkema transferiert die auf dem Weg zur Krönung des letzten Königs der Franzosen (1824) gestrandeten Adligen aus aller Herren Landsitze ins hier und jetzt eines Baustellenchaos. Auch den Stau und die Straßensperrung – das Bühnenbild – hat er geschaffen. Diese „Viaggio” versetzt – sehr komisch – Arbeitsverweigerer an Baustellen, an denen, einmal eingerichtet, nichts passiert, mächtig in  Wallung. Mit Charme und Witz kleidet Kostümbildnerin Jula Reindell ein. (Von Sabine Weber) Rossinis Esprit fegt in Aachen formidable über die Bühne und durchs Publikum! weiterlesen

„Janos Valuschka”, die 14. Oper von Peter Eötvös wird in Regensburg in deutscher Sprache uraufgeführt

Herzlich Willkommen zum podcast favori „Die Oper der Woche!“ mit Sabine Weber.
14 Bühnenwerke hat Peter Eötvös inzwischen geschrieben. Und der gebürtige Ungar ist für uns Kölner ein wichtiger Komponist. In den 1960ern hat er nämlich in Köln studiert, dann im Stockhausenkreis im Kölner Raum gelebt, bis ihn Pierre Boulez nach Paris holt.

Inzwischen ist Peter Eötvös einer der wichtigsten Dirigenten und vor allem einer der wichtigsten Komponisten weltweit. Seine für die Weltbühnen geschriebenen Musiktheaterwerke wie „Tri Sestry” und „Der golden Drache” haben es ins internationale Repertoire geschafft.
Und er ist nach Budapest zurückgekehrt. Als ich Peter Eötvös im Theater Krefeld-Mönchengladbach 2019 treffe, wo er zur Premiere von „Der golden Drache” angereist ist, hat er mir im klassikfavori-Interview – immer noch nachzuhören auf der klassikfavori-Seite – erzählt, dass er auch seinen ersten Opernauftrag aus Budapest bekommen hat. Für eine Oper in ungarischer Sprache. Im Dezember letztes Jahr zu Eötvös 80. Geburtstag ist sie in Budapest uraufgeführt worden. Am Wochenende hat die Oper am Theater Regensburg in deutscher Sprache Premiere gefeiert. Und unser Opernexperte Klaus Kalchschmid war für uns dabei!

Mussorgskys „Boris Godunov“ in Mannheim

Iwan der Schreckliche ist tot. Seine Söhne sind ermordet. Die Dynastie erloschen. In dieses Machvakuum wird Boris Godunov als neuer Zar gewählt, hadert fortan mit der Macht, kämpft aber bis zuletzt um ihren Erhalt. Er will ein guter Herrscher sein, aber ein wankelmütiges Volk, das all zu gern falschen Mönchen und Predigern folgt, wendet sich ab. Kompromittierenden Legenden von auferstandenen Ermordeten lassen dunkle Schatten der Vergangenheit länger werden. Seine Legitimation wird in Frage gestellt. Mussorgskys „Boris Godunov“ in Mannheim weiterlesen

In Genf wird die Uraufführung von Héctor Parras Oper „Justice“ zum Requiem für die Opfer eines Schwefelsäure-Unfalls im Kongo

Schon im letzten Jahr gab es in Genf die Uraufführung einer Oper, die auf einer realen menschlichen Tragödie basierte. „Voyage vers l‘espoir“ von Christian Jost. Genf als Sitz der UN scheint das herauszufordern. Aktuell wird für ein verheerendes Unglück im Kongo Gerechtigkeit gefordert. Mit der Uraufführung einer Oper des spanischen Komponisten Héctor Parras in der Inszenierung von Milo Rau. (Von Klaus Kalchschmid) In Genf wird die Uraufführung von Héctor Parras Oper „Justice“ zum Requiem für die Opfer eines Schwefelsäure-Unfalls im Kongo weiterlesen

Bertins „Fausto“. Der Geniestreich einer französischen Komponistin erlebt am Aalto die Deutsche Erstaufführung

Die erste französische Faust-Oper kommt nicht von Berlioz oder Gounod. Eine fünfundzwanzigjährige Komponistin entwirft sie mit einem eigenen Libretto, und lässt komische, kuriose und dramatische Settings über die Bühne gehen, Szenen mit Solisten und Chor, Ensembles und Instrumentales aus dem Graben, die ein außerordentliches Talent verraten. Nicht auszudenken, was Louise Bertin noch geliefert hätte, wäre sie nicht in Paris so dermaßen von den französischen Patriarchen ausgebremst worden. Das Aalto verbucht die Deutsche Erstaufführung ihrer dritten Oper. (Von Sabine Weber) Bertins „Fausto“. Der Geniestreich einer französischen Komponistin erlebt am Aalto die Deutsche Erstaufführung weiterlesen

Die Resonanzen 2024 – kreisen in Wien um die Planeten!

Die Resonanzen in Wien sind das Alte-Musik-Festival 2024 im Januar. Und zählen in ihrem Kosmos Sonne und Mond zu den Planeten! Mit „Atys” von Jean-Baptiste Lully mit den Talens Lyrique unter Christophe Rousset eröffnen sie fulminant, lassen nach dem französischen Sonnentag die britische Venus tanzen und tags darauf leidet herrlich die deutsche Erde! (Von Sabine Weber) Die Resonanzen 2024 – kreisen in Wien um die Planeten! weiterlesen

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