Schlagwort-Archive: Theater Bonn

Im Fokus 33 gräbt das Theater Bonn „Die Ameise“ aus! So grotesk der Operntitel, so genial das Bühnenwerk!

Peter Ronnefeld? Nie gehört! Dessen  Oper „Ameise“, an der Oper am Rhein in Düsseldorf unter Ronnefelds Leitung 1961 uraufgeführt, soll eine heftige Schlacht zwischen Pfiffen, Buh- und Bravorufen gewesen sein. Vier Jahre später war die Opernkarriere schon am Ende. Ronnefeld starb 1965 mit nur 30 Jahren. Das Theater Bonn zeigt, wie genial der Opernkomponist Ronnefeld war. Und dass er mit Librettist Richard Bletschacher Absurdes, Groteskes, Komödiantisches, Lyrisches und Tragisches unter Beteiligung eines großen Chores elegant in einen Ablauf bringt. Große Koloratur verbindet sich mit Clusterflächen und musikalischem Witz. Wenn beispielsweise eine Arie mit Tuba und Kastagnetten oder ein 12tönigen Boogie-Woogie-Blues serviert wird. Pralles Theater vom Feinsten. (Von Sabine Weber)

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Auch die Opfer sind gewaltbereit! Verdis „Nabucco“ ist in Bonn ein fabulöser Saisonstart

„Nabucco“ ist am Rhein im Trend. Zufall? Letztes Jahr war dieser Verdi sowohl in Köln unter Regisseur Ben Baur als auch in Düsseldorf in einer bemerkenswerten Inszenierung von Ilaria Lanzino zu erleben. Jetzt hat das Theater Bonn am Tag der Deutschen Einheit seine Opernspielzeit 25/26 mit dem alttestamentlichen Drama in der Regie von Roland Schwab eröffnet. Und toppt die NRW-Serie mit einer in allem perfekten Premiere. (Von Sabine Weber) Auch die Opfer sind gewaltbereit! Verdis „Nabucco“ ist in Bonn ein fabulöser Saisonstart weiterlesen

Auch nach 60 Jahren. Die Bonner Oper hat und will Zukunft

„Immer. Always. Toujours. Theater.“ So war die Opern-Gala „60 Jahre Theater Bonn“ am 6. Mai überschrieben. Und Subbotschaften ließen vor allem aufhorchen. (Von Sabine Weber)

(6. Mai 2025, Theater Bonn) Die letzte Opern-Saison sei die best besuchte gewesen, seit es dazu Aufzeichnungen gibt. „Das Publikum hat uns die Türen eingerannt“, so Bernhard Helmich in seiner wirklich sympathischen Rede inmitten des Bühnenprogramms. Das bot einen Querschnitt durch die aktuelle Saison. Seit 2013 ist Helmich hier Generalintendant. Auch nach 60 Jahren. Die Bonner Oper hat und will Zukunft weiterlesen

Krieg, Rassismus, Blutrache? „La Forza del destino“ wirft in Bonn Fragen auf!

Die drei Schicksalsschläge aus dem Orchester verheißen nichts Gutes. Aber Verdi ist immer ein Zugpferd an deutschen Theatern. Am Theater in Bonn kommen die Schläge bedächtiger als meistens. Das Beethovenorchester wird ja von Verdi-Spezialist Will Humburg geleitet. Er wurde schon als bester deutscher Verdi-Dirigent apostrophiert. Und er erweist seiner Meisterschaft in „La Forza del destino“ wieder alle Ehre. Die drei Schläge bekommen aber noch ein besonderes Gewicht durch den Racheengel in schwarzem Tüll, der seinen Zeremonienstab mit Weltkugel-in-Knochenhand auf den Boden schlägt. „Friedenist in weißen Lettern auf rotem Grund auf zwei im Winkel zueinander stehende Wände projiziert. Ein Wunsch, der sich allenfalls im Jenseits erfüllt. (Von Sabine Weber)
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Händels „Alcina“ in Bonn verzaubert und amüsiert. Und Ruggiero hält durch!

Wenn der Intendant vor der Aufführung zum Mikrofon greift, gibt es eine traurige Krankmeldungen. Diese war aber kurios. Am Premierentag morgens sagt Charlotte Quadt ihren Auftritt als Ruggiero ab. Der Ersatz für die berühmte Kastratenrolle wird Nachmittags mit dem Countertenor Ray Chenez in Wien gefunden. Der bleibt im Flughafenterminal stecken, weil mindestens zwei Stunden zwischen Buchung des Fluges und Abflug liegen müssen– also wurde auf später umgebucht. Das klappt, aber er sitze jetzt noch im ICE von Frankfurt nach Köln. Also wurde Charlotte Quadt gebeten, die Bühne nicht im Regen stehen zu lassen, sondern bis zu dessen Eintreffen mit zumachen. Wobei Regisseur Jens-Daniel Herzog als szenischer Ersatz zwangsverpflichtet, Ray Chenez sollte von der Seite singen, bereits im Kostüm stecke. Also beginnt es mit Charlotte Quadt, die einen hinreißenden Lover spielt, noch schöner singt und … bis zuletzt durchhält! (Von Sabine Weber) Händels „Alcina“ in Bonn verzaubert und amüsiert. Und Ruggiero hält durch! weiterlesen

„O Wort, das mir fehlt!“ Moses scheitert, aber Schönberg gewinnt in der fulminanten Aufführung von „Moses und Aron“ am Theater Bonn

Unser „Podcastfavori, die Oper der Woche“ heute über das reihentechnisch durchkomponierte Opern-Oratorium „Moses und Aron“ von Arnold Schönberg. „O Wort, das mir fehlt!“ Moses scheitert, aber Schönberg gewinnt in der fulminanten Aufführung von „Moses und Aron“ am Theater Bonn weiterlesen

Gefährlich! – Schrekers „Singender Teufel“ in Bonn!

Orgelklänge sind natürlich nicht so gefährlich wie die Atombombe! Doch Amandus ringt um die Fertigstellung einer Orgel, als ginge es um das Überleben der Menschheit. Schon sein Vater ist über den Orgelbau dem Wahnsinn verfallen und sogar als Ketzer verbrannt worden. Die unter Gefahr im Verzug fertiggestellte Orgel wird dann auch als Kampfmittel eingesetzt. Ihre Klänge helfen, eine Spezies zu paralysieren und auszulöschen. Das und mehr erzählt Franz Schreker in dem „Singenden Teufel“ von 1928. Der Bonner Fokus ’33 entdeckt das vergessene Spätwerk in seiner aktuellen Produktion und bringt es in einer Regie auf die Bühne, die der hybriden Story beikommt. (Von Sabine Weber) Gefährlich! – Schrekers „Singender Teufel“ in Bonn! weiterlesen

Mahagonny und die Flutkatastrophe an der Ahr

Regisseur Volker Lösch, zuletzt hier in Bonn mit einem politisierten Fidelio und Folterzeugen aus der Türkei, bringt jetzt Flutopferberichte in die aktuelle Bonner Inszenierung von „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“.  Die von Brecht/ Weill dargestellte Ausbeutung von Männern durch kapitalistisch organisierte Vergnügung ist aus heutiger Sicht vielleicht eine sehr plakative Parabel. Aber sie trifft es. In der Verknüpfung mit der Flutkatastrophe an der Ahr mit voller Wucht! (Von Sabine Weber) Mahagonny und die Flutkatastrophe an der Ahr weiterlesen

Fokus ’33 in Bonn: eine vergessene Meyerbeer-Oper wird zum Leben erweckt – und wie!

Die Oper Bonn macht es sich zur Aufgabe, im Rahmen des Programms „Fokus ’33“ Werke wiederaufzuführen, die der Vergessenheit anheim gefallen sind – unter anderem, weil sie durch das Dritte Reich verdammt wurden.  „Ein Feldlager in Schlesien“ ist keines der berühmten Werke Giacomo Meyerbeers und selbst Opernkennern unbekannt. Sie ist Singspiel und Festoper zugleich, denn Friedrich II. wird ein preußisch-patriotisches Herrscherlob gewidmet . Krieg, Patriotismus, Herrscherlob – wie kann man das gerade jetzt inszenieren? Kann das Gutgehen? Ja und wie! Die intelligente Regie von Jakob Peters-Messer, dazu ein bestens aufgelegtes Beethoven-Orchester unter Hermes Helfricht und das Gesangsensemble schenken dem Publikum eine überragende Wiedergeburt!  (Von Jukka Höhe)

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Cavallis Calisto hoch am Himmel in Bonn! Und großartig (historisch informiert) musiziert!

(Titelfoto: Thilo Beu) „Calisto alle stelle“ wird im Prolog und im Schlusschor dieses dramma per musica vom berühmtesten Schüler Claudio Monteverdis gerufen. Aber was hat die unschuldige Nymphe davon, im Himmel als Sternbild entsorgt zu werden? Ovids „Metamorphosen“ hin oder her. Das ist eine Geschichte über eine missbrauchte Frau und Frauen, die ihre Rolle falsch verstehen – dennoch, die Gesangseinlagen sind großartig und ausgestattet mit beschwingten Intermezzi und Ritornellen. (Von Sabine Weber) Cavallis Calisto hoch am Himmel in Bonn! Und großartig (historisch informiert) musiziert! weiterlesen