Am 24. Januar 2026 hat die Uraufführung von „Chronoplan“ nämlich bereits stattgefunden. Das Musiktheater von Julia Kerr sollte 1933 in Hamburg aus der Taufe gehoben werden. Ihr Mann Alfred Kerr, eine umtriebige Gestalt im Berliner Literatur- und Kunstbetrieb, hatte das Libretto verfasst. Doch dann kam für das jüdische Intellektuellen-Paar alles anders. Es musste aus Deutschland fliehen, die Partitur im Gepäck, die die Odyssee des Paares über die Schweiz, Frankreich, London zurück nach Deutschland nicht vollständig überlebt hat. Die Oper Mainz hat mittels umfassender Recherchen und Rekonstruktionen das Werk posthum erstmals über seine Staatstheaterbühne gehen lassen. In der Regie von Lorenzo Fioroni, im Bühnenbild von Paul Zoller. Und im März sind die Aufführungen immer noch ausverkauft. (Von Sabine Weber) Die erste deutsche Frauenoper. Julia Kerrs „Chronoplan“ wirft in Mainz ein Schlaglicht auf die 20er Jahre und wird immer noch gefeiert! weiterlesen
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Mussorgskys „Boris Godunov“ in Mannheim
Iwan der Schreckliche ist tot. Seine Söhne sind ermordet. Die Dynastie erloschen. In dieses Machvakuum wird Boris Godunov als neuer Zar gewählt, hadert fortan mit der Macht, kämpft aber bis zuletzt um ihren Erhalt. Er will ein guter Herrscher sein, aber ein wankelmütiges Volk, das all zu gern falschen Mönchen und Predigern folgt, wendet sich ab. Kompromittierenden Legenden von auferstandenen Ermordeten lassen dunkle Schatten der Vergangenheit länger werden. Seine Legitimation wird in Frage gestellt. Mussorgskys „Boris Godunov“ in Mannheim weiterlesen
„O Wort, das mir fehlt!“ Moses scheitert, aber Schönberg gewinnt in der fulminanten Aufführung von „Moses und Aron“ am Theater Bonn
Unser „Podcastfavori, die Oper der Woche“ heute über das reihentechnisch durchkomponierte Opern-Oratorium „Moses und Aron“ von Arnold Schönberg. „O Wort, das mir fehlt!“ Moses scheitert, aber Schönberg gewinnt in der fulminanten Aufführung von „Moses und Aron“ am Theater Bonn weiterlesen
(Religions-)Hass als Triebkraft in der Dortmunder „La Juive“. Eine musikalische Sternstunde trotz Circumstances …
An einem Mahnmal an der Treppe des Theaterplatzes liegen Blumenkränze. Zum Gedenken an die Novemberpogrome. Das Theater Dortmund steht, wo früher die Synagoge stand. Daran sollte mit „La Juive“ von Jacques Fromental Halévy erinnert werden. Halévy, ein deutschstämmiger Jude, hat erstmals Antisemitismus, oder christlichen Antijudaismus auf die Opernbühne gebracht. Mit all seinen brutalen Auswirkungen auf Menschen. Leider wird in Dortmund aber auch daran erinnert, dass Antisemitismus ein derzeit medial unbeherrschbares und unberechenbares Thema ist. Um Documenta-Bashing zu verhindern, sind kurz vor der Premiere Experten zur Observation gebeten worden. Hernach war Regisseur Lorenzo Fioroni entlassen. Zwei Wochen vor der Premiere. Angeblich nicht kontextualisierter antisemitischer Kostümdetails wegen, auf die Fioroni nicht zu verzichten bereit war. Der junge niederländische Regisseur Sybrand van der Werf ist eingesprungen. (Von Sabine Weber) (Religions-)Hass als Triebkraft in der Dortmunder „La Juive“. Eine musikalische Sternstunde trotz Circumstances … weiterlesen