Bernard Haitink zum 90. Geburtstag!

Foto: Sébastien Grébille
Foto: Sébastien Grébille

Vom Gehabe internationaler Pultstars hält er erfreulich wenig. Bernard Haitink feierte am 4. März seinen 90. Geburtstag. Und sein Dirigierstil ist heute nicht etwa aus Altersgründen reduziert. Er ist es schon immer gewesen: aufs Notwendige beschränkt, dabei ultrapräzise. Bei den Proben redet er wenig. „Wenige Worte, die Konsequenzen haben“, sagen Musiker des Chamber Orchestras of Europe, vor denen er im Beitragsbild auch steht (Foto: Sébastien Grébille). Ihren Streicherklang wisse er zu formen wie kaum jemand sonst. Einen kontrastreichen samtenen schönen Streicherklang! Wie er das mache, wüssten sie auch nicht. Das Chamber Orchestra of Europe mit Sitz in London ist jedenfalls eine späte Liebe Haitinks. 2008 hat sie begonnen . Wie seine Liebe zu der Staatskapelle Dresden entstanden ist, hat er mir in einem Gespräch 2002 erzählt und noch viel mehr. (Von Sabine Weber)

Direkt zum Audio

Vielleicht erklärt sich seine Liebe zu den Streichern aus seiner musikalischen Vergangenheit. Als Geiger hat Haitink im Radiophilharmonischen Orchester Hilversum angefangen. Er nimmt an zwei Dirigierkursen von Ferdinand Leitner teil, organisiert 1954/55 von der Niederländischen Radiounion. Leitner wird sein Förderer. Unter dessen Anleitung beginnt seine Liebe zum Taktstock zu reifen. Als 26jährig wird er zweiter Dirigent der niederländischen Radiounion. Zwei Jahre später rückt er zum Chefdirigenten des Orchesters auf, in dem er als zweiter Geiger begonnen hat. Beim Hollandfestival 1956 erkrankt Carlo Maria Giulini. Haitink springt für ihn ein. Und der junge Dirigent nutzt Chance vor dem Koninklijk Concertgebouworkest. Eduard von Beinum, damaliger Chef des Concertgebouws in Amsterdam, lädt ihn wieder ein. Beinum verhilft ihm 1958 zu einer ersten Amerikatournee und zu einer ersten Schallplattenaufnahme, mit Brahms Violinkonzert, unter der Leitung von Beinum, und Bruchs Violinkonzert unter Haitink. Der Solist ist in beiden Fällen Arthur Grumiaux. Kurz zuvor hat Haitink die Violinkonzerte von Igor Strawinsky und Wolfgang Amadeus Mozart mit David Oistrach vor dem mit dem Lamoureux Orchester aufgenommen. Als von Beinum stirbt wird Hatink zusammen mit Eugen Jochum zum Leiter dieses Weltklasse-Orchesters berufen. Eine Entscheidung, die nicht ohne Widerstand in der Öffentlichkeit bleibt, aber sich bewährt. 1964 wird Haitink die alleinige künstlerische Leitung des Orchesters zugesprochen. Er ist der Chef im Amsterdamer Concertgebouw. Und in einem der weltweit besten Konzertsäle zuhause. 1967 beginnt seine britische Ära. Er wird principal conductor des London Philharmonic Orchestra. Ab 1972 dirigiert er regelmäßig in der Royal Opera in Covent Garden und wird 1977 Leiter des Glyndebourne Festivals. Mit Bruckner und Mahlerinterpretationen wird sein Name heute in Verbindung gebracht, obwohl er nicht auf ein schmales Repertoire festzulegen ist. Legendär ist seine noch zu DDR Zeiten entstandene Rosenkavalier-Aufnahme mit der Dresdner Staatskapelle in Dresden. Erschienen bei EMI: Nach dem unerwarteten Tod Guiseppe Sinopolis fällt sofort der Name Haitink. Und mit der Spielzeit 2002/3 wird er Chefdirigent der Dresdener. Eines der ersten Gastspiele führte Bernard Haitink und die Dresdener zum Beethovenfest nach Bonn. Für WDR3 Konzert live habe ich damals mit Haitink ein Interview geführt, damals zählte er 73 Jahre. Heute zu seinem 90. Geburtstag hier das Interview vom Oktober 2002. Als erstes wollte ich wissen, wie er mit den Drednern erstmals in Kontakt gekommen ist?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.