Warum Barockgeiger Richard Gwilt Bögen baut und kein tropisches Holz verwendet!

Rohe Bogenstangen im Atelier Gwilt. Foto: Sabine Weber
Bögen neben Chilischoten. Foto: Sabine Weber

Der Name Richard Gwilt hat in der Barockszene einen Klang! Der Brite hat Jahrzehntelang im renommierten Alte-Musik-Ensemble London Baroque mitgespielt. Und hat seit 2005 eine Professur für Barockvioline an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Wenn er unter dem Radar initiativ wird, meist zuhause auf dem Land im Rhein-Sieg-Kreis vor den Toren Kölns. Dort züchtet er nicht nur leidenschaftlich Paprika-Sorten bis hin zur scharfen Chilischote. Er züchtet seit fünf Jahren auch Bögen, so, wie sie im 17. Jahrhundert höchstwahrscheinlich gespielt wurden.
Natürlich wachsen die nicht in Blumentöpfen. Sie entstehen mit Stechbeitel und Hobeln aus Holz. Die meisten Barockbögen sind aus tropischem Schlangenholz. Doch nicht die Bögen aus Eitorf von Richard Gwilt. Was zum Bogenbau gebraucht wird, warum ein Barockgeiger zum Bogenmacher wird und nicht, um ökologisch korrekt zu sein, heimisches Holz verwendet, das können Sie im folgenden Podcast favori „Musiker unter dem Radar“ erfahren. Das Gespräch führt Sabine Weber.

Der “Werktisch” für Gwilt-Bögen. Auf dem Regal die Hobel. Am Regal die Beitelsammlung.

Musikausschnitt im Beitrag: von der CD The Trio Sonata in 17th-Century Italy mit London Baroque, BIS 1795

Ein kleines Glossar für Begriffe, die fallen:

Frosch: unteres Teil am Bogen, das die Bogenhaare spannt
sautiller: hüpfend, springend; Bezeichnung für eine Spielweise mit dem Bogen
Schlangenholz: sehr hartes Tropenholz, wird seit Mitte/ Ende des 17. Jahrhunderts benutzt.
„Schraube am Ende“: kleine, aufgesetzte Verlängerung der Bogenstange, damit kann bei moderneren Bögen die Bogenhaare durch Drehung gespannt und entspannt werden.

Und Richard Gwilt wie hier zu sehen, hat mit einem neuen Bogen begonnen. Einem Gambenbogen!
Die ersten Späne eines Gambenbogens, den ich für die frühe britischen Consortmusik einsetzen werde!

Der im Beitrag erwähnte Luis Emilio Rodriguez ist ein derzeit angesagte Bogenbauer.

François Xavier Tourte: der „Stradivari des Bogens“ im 18. Jahrhundert, Anfang des 19. Jahrhunderts.

Das Kompendium Alte Musik heute, für das Richard Gwilt seinen Fachbeitrag über Streichinstrumente schreibt – mit Fokus auf den Bögen -, entsteht in Zusammenarbeit unter anderem mit dem Kölner Zentrum für Alte Musik (ZAMUS) und wird im Bärenreiterverlag erscheinen.

Dieser Beitrag ist gefördert durch ein Künstlerstipendium im Rahmen der NRW-Corona-Hilfen

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