Diese Woche: Ausfall in Bonn und neu entstanden in Köln: Cantus Novus erstmals beim Romanischen Sommer!

Der ambitionierte Fokus ’33 der Bonner Oper bleibt von Corona verfolgt. Schon „Ein Feldlager in Schlesien“ wurde verschoben und verschoben, bis wenige Termine stattfinden konnten (nur drei statt sieben). „Li Tai Pe“ von Clemens von Franckenstein, dritte und letzte Produktion der Fokus ’33-Serie in dieser Spielzeit, hatte Ende Mai Premiere. Und es ist ja nur die Dernière, die ausfällt, aber wohl nicht nachgeholt wird. Schade. Denn so bleibt diese Repertoire-Entdeckung denen, die gestern vor dem geschlossenen Haus auflaufen, unentdeckt. Ebenso der chinesische Dichter Li Tai Pe aus dem 8. Jahrhundert als Titelfigur einer Oper des 20. Jahrhunderts! Mit Corona ist also weiterhin nicht zu spaßen. Bemerkenswerterweise gab es diese Woche aber auch eine Corona-Erfolgsmeldung. Ein zu Pandemiezeiten gegründeter Chor in Köln. Und Cantus Novus Köln hat, unter der Leitung von Matthias Bartsch, letzten Mittwoch seinen Einstand beim diesjährigen Romanischen Sommer in Köln gegeben! (Von Sabine Weber)

Cantus Novus Köln erstmals beim Romanischen Sommer 2022

(22. Juni 2022, Sankt Aposteln, Köln) Echos Romantiques ist das erlesene Abendstimmungsprogramm mit selten zu hörendem Repertoire in der Sankt Apostelkirche überschrieben! 12 Sänger bieten Chormusik von Ferdinand Hiller über Rheinberger, Elgar oder Arthur Sullivan, mit dessen The long day closes eines der innigsten Stimmungsbilder zu erleben ist. Dabei müsste eigentlich jeder Zuhörer „runter kommen“, entspannen, genießen können! Durch ein Deckenfenster fällt ein verklärter Lichtstrahl in die Apsis mit den eigenwillig modernen Fresken und taucht diese romanische Kirche am verkehrsumtosten Neumarkt in besondere Abendruhe. Meditativ reihen sich die Chorklänge, die Himmel, Sterne, laue Lüftchen besingen, alles liebevolle Versprechen eines hereinbrechenden Abends. Ein Sturm kommt da auch mal auf, und der Chor bricht in wildes Forte aus. „Dennoch singt die Nachtigall“, so heißt es bei Josef Gabriel Rheinberger in der letzten Liedzeile. Mit der kontrapunktischen vier- bis sechsstimmigen katholischen Missa canonica des Protestanten Johannes Brahms setzt sich Cantus Novus im Finale hohe Ziele. Da droht es auch, ein bisschen auseinander zu fallen. Doch im ruhigen Atem liegt die Kraft des Abends, und der Kantor und Kölner Kirchenmusiker Matthias Bartsch lässt seine Arme weit schwingen. Francis Poulencs Salve Regina rundet das Chorkonzert mit Kölner Sängerinnen und Sängern auf liebevolle Weise mit einem Gebet an die Muttergottes ab. Beglückt tritt das zahlreiche Publikum in einen noch lichten Abend hinaus…

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