Zum Jahrestag der Katastrophe in Notre-Dame am 15. April

Mit Kerzenlicht in der Hand sitzen die Domchöre von Notre-Dame im Hochaltar. Ein Jahr nach der Notre-Dame-Katastrophe ist die Kathedrale immer noch eine ungesicherte Baustelle
Die Chöre der Maîtrise Notre-Dame de Paris im Chorraum. Foto P. Lemaître

(15. April 2020) Zum Jahrestag der Notre-Dame-Katastrophe ist die Frage berechtigt: Wann werden die Chöre der Maîtrise Notre-Dame de Paris wohl wieder in ihrer Bischofskirche eine Messe oder eine Vesper singen? “In fünf Jahren sei die Kathedrale wieder aufgebaut”, hat der französische Präsident unmittelbar nach der Brandkatastrophe am 15. April 2019 markig verkündet. Ein Jahr später ist man immer noch mit der Schadenssichtung beschäftigt. Von Wiederaufbau und Restaurierung noch keine Spur. 

Die Messdienste sind nach St. Germain l’Auxerrois und St. Sulpice ausgewichen. Konzerte unter anderen nach St. Severin. Der Ausfall von Konzerteinnahmen ist jetzt auch noch Corona geschuldet. Schwere Zeiten für die Maîtrise und auch die fünf Titular-Organisten zu Notre-Dame, die arbeitslos geworden sind. Sie alle werden vom Verein Musique Sacrée à Notre-Dame getragen. Der ist 1991 vom damaligen Kultusminister Jack Lang, dem damaligen Pariser Bürgermeister Jacques Chirac und der Diözese unter Erzbischof Jean-Marie Lustiger gegründet worden. Denn Notre-Dame sollte mit der neuen Maîtrise Notre-Dame zu alter Größe finden. Und die Maîtrise hat auch wieder fast so viele Sänger wie zu den Hochzeiten der École de Notre-Dame im 12. und 13. Jahrhundert: 160 Sänger, einen Erwachsen-, einen Jugend-, einen Kinderchor und Profisänger im Ensemble vocale de Notre-Dame. Wegen der Folgen der Brandkatastrophe sind allerdings fünf Dozenten bereits entlassen worden. Unter ihnen Sylvain Dieudonné, Spezialist für das Repertoire der Notre-Dame Schule, der sowohl die praktische als auch wissenschaftliche Voraussetzung mitbringt, Handschriften aufzufinden, sie zu entziffern und aufzuführen.
Wie es mit Notre-Dame vorwärts geht, möglicherweise auch mit Deutscher Hilfe weiß Barbara Schock-Werner. Die Dombaumeisterin a.D. und bis 2012 Leiterin der Kölner Dombauhütte ist von Kulturstaatsministerin Monika Grütters beauftragt worden, deutsche Hilfsangebote zu sichten und gegebenenfalls zu koordinieren. Sie hat sich natürlich auch ein Bild von der aktuellen Lage in Notre-Dame gemacht, zusammengefasst in folgendem Gespräch. (Sabine Weber)

siehe auch die SWR2 Musikstunde über Notre-Dame, eine Tradition mit Verpflichtung! Leider können Sie die Sendungen nicht mehr nachhören. Sie sind nur sieben Tage nach Ausstrahlung verfügbar. Die Texte zur Sendung können Sie im PDF-Format lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.