Edita-Farewell! Ein Nachruf auf die Primadonna assoluta

Der Abend des 27. März 2019 an der Bayerischen Staatsoper in München bleibt unvergessen: Wie bei der Premiere fünfzehn Jahre zuvor und in allen weiteren 51 Vorstellungen ist Edita Gruberova Königin Elisabeth I. in Gaetano Donizettis “Roberto Devereux“. Christof Loy inszeniert sie in einer Business-Welt als Margaret Thatcher. Am Ende schreitet die Gruberova dann doch noch gekrönt im langen schwarzen Samtkleid wie eine Königin zum bitteren Finale. Sie verabschiedet sich von der Regentschaft wie von ihrer letzten Liebe, aber auch vom Leben, nimmt die Krone ab und zieht sich die Perücke ab, um schüttere Spinnfäden-Haare preiszugeben, bevor sie vor den Insignien ihrer Macht zu Boden geht… Danach folgten Ovationen, ein Regen aus Rosenblättern und ein Kniefall des Intendanten Nikolaus Bachler, der ihr die Bühnen-Krone schenkt. Denn diese Vorstellung war die letzte der Produktion und zugleich der letzte Abend, an dem Edita Gruberova auf einer Bühne stehen sollte. „Es war sehr schön, es war wunderbar, und es war genug“, sagt sie damals. (Ein Nachruf von Klaus Kalchschmid)

Edita Farewell mit Kollegen. Foto: Wilfried Hösl

50 Jahre zuvor hatte die Karriere der Koloratur-Sopranistin begonnen und schon die 21jährige sang 1968 die Violetta in La Traviata. 1985 triumphierte sie damit unter Carlos Kleiber am Nationaltheater, auch das hat sich tief ins Gedächtnis eingebrannt, und wagte die Rolle im Herbst 2010 noch einmal sehr berührend konzertant in der Münchner Philharmonie an der Seite ihres slowakischen Landsmanns Pavol Breslik, der als Bühnen-Sohn auch ihr Partner in Lucrezia Borgia an der Bayerischen Staatsoper für viele Jahre war.

1969 folgte der schmerzliche Misserfolg beim ARD-Wettbewerb, wieder ein Jahr später jedoch schon das Debüt an der Wiener Staatsoper – beide Male mit der Königin der Nacht, ebenfalls eine Paraderollen von Edita Gruberova. Am 23. März 1971 flieht die 24jährige mit der Mutter aus ihrer Geburtsstadt Bratislava in den Westen – und wird in Abwesenheit zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weshalb sie noch Jahrzehnte später ein Gastspiel in Prag scheut. 1973 singt sie in Wien die erste Zerbinetta in der Ariadne, eine Partie die jahrelang weltweit mit Edita Gruberova identifiziert wird.

Danke, Edita! Foto: Klaus Kalchschmid

Lucia, Sonnambula und Elvira in I Puritani, Beatrice di Tenda und Anna Bolena, Norma, Lucrezia Borgia und ganz zuletzt die Titelpartie von Bellinis La Straniera werden folgen, meist an der Seite des Dirigenten Friedrich Haider, der auch im Leben bald ihr engster Vertrauter wird, und mit dem sie sich auch dann noch künstlerisch ohne viele Worte versteht, als die beiden kein Paar mehr sind.

Gestern, am 18. Oktober 2021, ist Edita Gruberova im Alter von 74 Jahren in Zürich gestorben. Sie wird immer die unerreichte Königin des Belcanto bleiben!

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