Dirigent Titus Engel ist der Mann für schwierige Partituren. Daher ist er nicht von ungefähr der Uraufführungsdirigent von „Monster’s Paradise“ an der Hamburgischen Staatsoper. So heißt die jüngste Oper von Olga Neuwirth auf ein Libretto von Elfriede Jelinek und ist am 1. Februar 2026 aus der Taufe gehoben worden. Mit einer Menge von Monstern. (Von Sabine Weber)Eine Anti-Trump-Oper… Titus Engel gibt Auskunft über „Monster’s Paradise“, die neue Oper von Olga Neuwirth weiterlesen →
„Vor solchen Abenden sollte man warnen!“, erklärt Dramaturg Christopher Warmuth in einer launigen Einführung. Der dicht gewebten musikalischen Textur von „Monster’s Paradise“ sollte sich ohne Ansprüche gestellt werden! „Analytische Durchdringung und hermeneutische Deutung seien zwecklos …“ Das ist augenzwinkernd gemeint. In Olga Neuwirths und Elfriede Jelineks jüngster Oper gäbe es viele Musikzitate zu entdecken. Sie dienen aber stets einem sofort fasslichen theatralen Ausdruck. (Mehr dazu im podcast favori mit Dirigent Titus Engel) Die Genre-Vermischung mit klassischer Sinfonik, Melodram, Operette, Jazz, Collagen, Zuspielungen, nicht zu vergessen die Wortspiele in Jelineks Libretto, das alles entwickelt einen vergnüglichen, komischen bis grotesken Witz, den man in Neuer Musik selten erlebt. (Von Sabine Weber)Monster von Neuwirth und Jelinek mischen Hamburgs Oper auf weiterlesen →
Böse Ahnungen, die Urängste wachrufen, Schockstarre auslösen: Edgar Allen Poe spielt in seinen Geschichten vor allem mit unserer Schauder-behafteten Vorstellungskraft. Die wurde bei der Eröffnungspremiere des Schauspiels „The Fall of the House of Usher“ in der Regie von Barbara Frey leider nicht herausgefordert. Olga Neuwirth klemmt in ihrem Musiktheater „Bählamms Fest“ nach einem Drama von Leonora Carrington Familienhorror in vier Wände ein. Die Regie des Dubliner Duos Dead Center sprengt die Wände eines Einfamilienhauses und deckt bunt, blutig bis trashig-grotesk Missbrauch an Mensch und Tier auf! (Von Sabine Weber)RT_21: Barbara Frey eröffnet ihre neue Ruhrtriennale-Intendanz und spielt fantastisches und bürgerliches Grauen aus: mit Poes „The Fall of the House of Usher“ und Neuwirths „Bählamms Fest“ weiterlesen →
Und Klassikfavori hat ihn bereits gesichtet und hingehört. Denn Olga Neuwirth ist gerade für ihr Lebenswerk mit dem Robert-Schumann-Preis geehrt worden. Das enge Verhältnis von Text, Szene und Musik hat Olga Neuwirth seit „Bählamms Fest“ (1998) nach der Satire von Leonora Carrington stets interessiert; oft arbeitete sie dabei mit Elfriede Jelinek zusammen. Erst 15 Jahre nach der Uraufführung im Jahr 2003 konnten die multimedialen Finessen von „Lost Highway – A Video-Opera“ nach dem gleichnamigen Film von David Lynch bei einer Frankfurter Produktion erfüllt werden. Mit ihrer musikalischen Überschreibung und inhaltlichen Neufassung von Alban Bergs Oper als „American Lulu“ (2011) betrat die österreichische Komponistin ebenso Neuland, wie sie mit dem Musiktheater nach Virginia Woolfs „Orlando“ (Wien 2019) alle Register der Literaturvertonung zog. Auch mit ihrer ebenso kühnen wie stilistisch vielfältig geschichteten Musik zu einem Film wie „Die Stadt ohne Juden“, der zugleich Antisemitismus vorführt und sich ihm entgegenstellt, wagt die 51-jährige Komponistin wieder viel und gewinnt noch mehr. (Von Klaus Kalchschmid)
„Die Stadt ohne Juden“, ein satirischer Stummfilm von 1924, der neu vertont von Olga Neuwirth am 17. Juli auf DVD in der Arte Edition erscheint.
Ist es ein Sakrileg, nach Wien zu reisen und sich um Beethoven 250 aber auch gar nicht zu scheren? Hier wirft er seine Schatten selbstverständlich auch voraus. Das berühmte Beethoven-Portrait mit wild um den Kopf stehenden Haaren ist überdimensional auf Häuserfassaden plakatiert! Und haben nicht die Österreicher den deutschen Beethoven zu einem Österreicher gemacht? Dafür den österreichischen Hitler zu einem Deutschen! Von wegen blöde Redewendung. In Wien gibt es noch immer einen Dr.-Karl-Lueger-Platz, benannt nach dem Wiener Bürgermeister, der Hitlers antisemitische Rhetorik nachweislich vorformuliert hat – und auch die Endlösungs-Idee mitgeliefert hat. (Siehe klassikfavori Luegers Parlamentsrede vom Mai 1894 in Wien, zitiert bei der Ruhrtriennalen Produktion RT19 „Von den letzten Tagen…“) Und erst 2012 wurde der Dr- Karl-Lueger-Ring in Universitätsring umbenannt. Wäre Hitler im Bewusstsein der Österreicher ein Österreicher hätte sich Österreich bewegt und auch den Lueger-Platz längst umgewidmet! (Von Sabine Weber)
Und für die erste abendfüllende Uraufführung einer Komponistin an der Wiener Staatsoper seit 150 Jahren werden alle Register gezogen. Olga Neuwirths Orlando nach Woolfs gleichnamigem Roman – in Wien verkörpert von Kate Linsley – kommt sogar im hier und jetzt an! (Von Klaus Kalchschmid) Olga Neuwirths „Orlando“ feiert an der Staatsoper in Wien Uraufführung weiterlesen →
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