Das erste Konzert im Rahmen „Mit der Gambe durch die Eifel“ in Kooperation mit dem OstbelgienFestival letzten Sonntag fand Zuspruch. 33 Teilnehmer folgten Günter Franzen vom ostbelgischen Naturschutzbund Natagora in das Naturschutzgebiet an der Holzwarche, wo an einer der höchstgelegenen Eifeler Wasserscheiden vier Flüsse entstehen. In der St. Anna Kirche füllten weit über 80 Besucher den von Kriegsschäden verschont gebliebenen, durch und durch original barock ausgestatteten Kirchenraum unter gotischem Gewölbe. Ensemble favori spielte unter besten akustischen Bedingungen. Das Publikum lauschte aufmerksam den frühbarocken Klängen für Gambe, Laute und Chitarrone und schmunzelte über die Kölschen und Wirtzfelder Töne, die Schauspielerin Hildegard Meier einstreute. (Von Sabine Weber)
(2.August 2026, St. Anna Kirche Wirtzfeld/ Büllingen) „Eine Grenzregion wie die in Wirtzfeld ist ein Schmölzje“, so Hildegard Meier, Kölnerin in dritter Generation. Wirtzfeld und Köln verbindet seit Römerzeiten eine Handelsstraße. Das Zusammenschmelzen hieße keinesfalls Identität zu verlieren, sondern zu gewinnen.
Schmölzje und Identität

- Die Muttersprache ist da natürlich wichtig, die Mundart. Platt. Das Hochdeutsche ist die erste Fremdsprache, die die Ostbelgier neben Flämisch, Französisch und Englisch zu lernen hätten, bestätigt Leo Gillessen, ein ostbelgischer Dichter, dessen Namen ein Raunen im Publikum hervorruft. Ein Gedicht von ihm schließt den Bogen, den die berühmte Ballade Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland von Fontane in kölscher Übertragung von Jupp Muhr eröffnete.
Ensemble favori

Wie immer bei den Mit-der-Gambe-durch-die-Eifel-Konzertereignissen geht es neben Kirchendenkmal, Ort, Landschaft und Wort natürlich um Musik! Ensemble favori stimmte mit solistisch präludierende Gamben- und Lautklängen von Simpson und Gianambrosio Dalza ein, die gefolgt wurden von tänzerischen Ricercare auf rhythmisierte Harmoniefolgen von Diego Ortíz. Von Ortíz stammt das erste Gambentraktat mit Kompositionen, das 1550 veröffentlicht wurde.

Nach einem kurzen Abriss aus der Wirtzfelder Chronik ließ der zweite Musikblock in zwei Bearbeitungen der Chanson Doulce memoire hören, wie Ortíz die Gambe in der Höhe und im Bassregister einzubringen wusste. Schließlich umspannt sie auf ihren sechs oder sieben Saiten locker das Bratschen- und Celloregister. Mit der Solopièce Fortune von John Dowland wurde das Glück auf der Renaissancelaute gezupft.
Chitarrone
Im letzten Teil legte Christoph Barth die Renaissancelaute beiseite und griff zur Chitarrone. Dieses Basslauteninstrument mit freischwingenden Basssaiten war im 17. Jahrhundert ein beliebtes Begleitinstrument und für Bartolomeo de Selma y Salaverdes Susanna Pasegiata eine wichtige Stütze der virtuosen Auswüchse der Viola da gamba.
Freie Klangszenarien
Zu Leo Gillessens Gedicht Zwischen noch nachtdunklem Horizont... trugen die Instrumente frei Klangszenarien bei und fügten nahtlos eine Groundvariation von Girolamo Kapsberger hinzu. Die Schlussmusik lieferte Christopher Simpsons Division upon a ground.

Das von Ensemble favori entwickelte Programmkonzept ging einmal mehr auf. Das Publikum war gerührt und begeistert, erklatschte sich noch eine Zugabe. Und vor der Kirche schnatterten dann belgische und die deutsche Eifeler im Dialekt.
Besucher aus der deutschen Eifel
Denn einige Schleidener hatten den Weg nach Wirtzfeld gefunden. Unter anderem Lokalhistoriker Norbert Toporowsky, Schirmherr in Kerpen, und Schmied Stefan Pütz aus Sistig, die beide beim Auftaktkonzert in Hüngersdorf dabei waren. Auch die EifelStiftung, die das Mit-der-Gambe-Projekt von Anfang an tatkräftig unterstützte, war mit Bernd Hellgardt anwesend und auch bei der Wanderung dabei. Denn der Naturschutz der Eifel steht bei der EifelStiftung ganz oben auf der Agenda.
Das nächste Konzert
Am 30. August findet das nächste Konzert (mit Wanderung) der Reihe Mit der Gambe durch die Eifel statt – auch diesmal geht es nach Ostbelgien: zur St. Hubertus-Kapelle in Weweler, Burg-Reuland. Das Konzert findet erneut in Verbindung mit dem Ostbelgien-Festival statt.
Weitere Informationen und die Möglichkeit, Eintrittskarten zu kaufen, finden Sie auf der Veranstaltungsseite des OstbelgienFestivals.