Mit der Gambe durch die Eifel – im ostbelgischen Weweler

Das zweite Konzert im Rahmen „Mit der Gambe durch die Eifel“ in Kooperation mit dem OstbelgienFestival lockte wieder in ein bemerkenswertes Kirchlein. Sein romanischer Turm trägt ein barockes Pagodendach. Weit über dem Tal, wo Ulf und Our zusammenfließen, ist es zu sehen. Noch bemerkenswerter ist aber die Einstütze in der Mitte des Kirchenraums, die das gesamte Sternengewölbe trägt. St. Hubertus war seit dem 14. Jahrhundert Pfarrkirche im ostbelgischen Burg Reuland, von wo immerhin 48 Konzertbesucher im Rahmen von „Mit der Gambe durch die Eifel“ sogar von Burg Reuland zur Kirche aufstiegen. Begleitet von Lokalhistoriker und Heimatforscher Klaus-Dieter Klauser, der Ausblicke in die Landschaft historisch unterfütterte. In der Kirche oder Kapelle in Weweler belohnte dann französische Gamben- und Lautenmusik. Umsorgt wurde das Publikum zuvor noch liebevoll mit Getränken und nach dem Konzert mit Häppchen und tauschte sich draußen bei angenehmer Außentemperatur aus. (Von Sabine Weber)

(30. August 2026, St. Hubertus/ Burg Reuland) Das Wetter spielte wieder einmal mit. Und wie oft bei den Mit-der-Gambe-durch-die-Eifel-Konzertereignissen traf sich ein bunt gemischtes Publikum, Kölner, Hennefer, wallonische Belgier, also aus dem französisch sprechenden Teil Belgiens, und natürlich aus der deutschsprachigen Region. Das Zusammenspiel zwischen Kirchendenkmal, Ort, Landschaft, Wort und Musik sei ein Genuss, so die Aussagen einiger Besucher! Nach der durchaus fordernd ansteigenden Wanderung, die aber für erstaunliche Anblicke sorgte, verwöhnte das OstbelgienFestival mit Getränken. Dann flanierte das Publikum an historischen Grabsteinen durch den Bergfriedhof in die Kirche.

Zwei kunsthistorische Stilrichtungen elegant vereint

Die über 50 Konzertbesucher, aus dem niederländisch-sprachigen Belgien kam eine Dame sogar angeradelt, lehnten sich in den Kirchenbänken zurück und genossen barocke Musik für Laute von Jacquet de la Guèrre und Gambenmusik von Marin Marais. Ensemble favori (Christoph Barth, Laute, Sabine Weber, Gambe) wurde im Inneren von einer wunderbaren Akustik getragen.

Klaus-Dieter Klauser. Foto: Sonja Fickers

Die originale Barockausstattung unterstützte den Hörgenuss zusätzlich, jedenfalls derer, die nicht mit geschlossenen Augen lauschten. Klaus-Dieter Klauser, Ehrenpräsident des Königlichen Geschichts- und Museumsvereins zwischen Venn und Schneifel) erläuterte zwischen der Musik, dass das Zusammenspiel von gotischem Gewölbe, getragen von einer mittleren Stütze, und barocker Ausstattung, hier besonders elegant zwei kunsthistorische Stilrichtungen vereinige.

Ohne Manderscheider keine Einstützenkirche in der Eifel!

Anders als sein deutscher Kollege Norbert Toporowsky bezüglich der Einstützkirche in Kerpen/ Eifel (Siehe Klassikfavori-Beitrag) verfügt Klaus-Dieter Klauser über weniger Belege bezüglich des Einflusses der Manderscheider Grafen hier in Weweler. Aber sie waren anwesend, betonte er, denn sie besaßen die Weweler Mühle, natürlich die Burg und hatten hier weitere Besitzungen. Es dürfe als sehr wahrscheinlich gelten, dass der Ausbau von St. Hubertus zu einer Einstützkirche von den Manderscheider Grafen ausging. Auch Klauser bestätigte also das griffige  Wort „Ohne Manderscheider Grafen keine Einstützkirche in der Eifel!“, auch in der belgischen Eifel nicht.

Die Einstützkirche in Weweler im Konzert. Foto: Sonja Fickers
Ein Marais-Bogen wird in Weweler musikalisch gerundet

Im Mittelpunkt der Gambenmusik stand wieder Marin Marais, jener am französischen Hof zur Zeit Ludwigs XIV, so elegant komponierende Gambenkomponist. Er zeichnet für das größte Gambenoeuvre verantwortlich, das je geschaffen wurde. Aus seinem zweiten Buch erklangen das Eröffnungsprelude, eine Bourasque, La Folette und das Ballet En Rondeau. Es ging mit einer höfisch korrekten Sarabande für Cembalo von Élisabeth-Claude Jacquet de La Guerre, weiter die Christoph Barth für Theorbe solo bearbeitet hat, bevor mit den Couplets de Folies, ebenfalls aus dem zweiten Buch von Marais, die Sarabande höfische Steifheit und Korrektheit abwirft und teilweise wild-virtuose Ausdrucksformen durchläuft. Das Publikum erklatschte sich eine Zugabe. Und mit einer Chaconne in G-dur, ebenfalls zweites Buch, wurde der Bogen gerundet. Es schien, als wäre das Publikum aber gern noch länger sitzen geblieben und hätte begeistert noch mehr gelauscht.

Mit der Gambe durch die Eifel nächsten Sonntag in Vogelsang

Im nächsten Konzert am 6. September lädt Mit der Gambe durch die Eifel in die ehemalige Militärkapelle nach Vogelsang ein. Verleih uns Freundschaft ewiglich ist dieses Ereignis überschrieben. Der ehemalig in Vogelsang stationierte belgische Soldat Luc Bruyland bietet vorher eine Führung nach Wollseifen hin und zurück ein (Siehe dazu auch den podcast favori mit Luc Bruylandt zu Vogelsang). Treffpunkt ist vor der ehemaligen Militärkapelle. (Anfahrtsplan unter www.favori.de Anmeldung erbeten unter mp@nabear.de) Eifeldichter Andreas Züll trägt als Nachfahre aus Wollseifen Vertriebenen Poesie aus seinem neuesten Gedichtband vor. Mit Da-pacem-domine-Vertonungen wird in der Chapelle belge dann musikalisch der Frieden beschworen.

Weitere Informationen zu diesem Konzert unter www.favori.de und in der Eifelpresse.