Mit der Gambe durch die Eifel – im „Eifeldom“ Mirbach

(31. Mai 2026, Erlöserkapelle Mirbach) Zum zweiten Mal gastiert Ensemble favori in der seiner Glasmosaik-Ornamente wegen überwältigenden Erlöserkapelle in Mirbach. Christian von Mirbach, Nachfahre des Bauherrn Ernst von Mirbach, begrüßte das Publikum in dem „Eifeldom“, wie die Erlöserkapelle von den Eifelern bewundernd genannt wird. Die den Kirchenraum füllenden mehr als 50 Zuhörerinnen und Zuhörer waren aber nicht nur aus der Eifel angereist. Auch aus Siegburg und Köln hatten sie hierher gefunden. Sie ließen zur Musik die Blicke über die Steinvariationen gleiten. (Von Sabine Weber)

Der Goldgrund in der Mirbacher Erlöserkapelle. Foto: Jukka Höhe
Glänzende Lichtsteine und Goldgrund in stetiger Variation

Christian von Mirbach ging als Schirmherr dieses Konzerts auf die gesamten kirchlichen Bauten seines Vorfahren ein, die er im Auftrag der Kaiserin Auguste Victoria im ausgehenden 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts errichten ließ. Es sollen um die 300 Kirchen gewesen sein. Viele mit Glasmosaiken auf Goldgrund verziertem Interieur, den die eigens dazu gegründete Manufaktur Puhl & Wagner in Rixdorf bei Berlin lieferte. Im Glanz der Eifeler Glasmosaike ließ sich Schauspielerin Hildegard Meier auf Historie und Mythos der Kostbarkeiten hier ein.

„En rondeau“ – in stetiger musikalischer Variation

Im zweiten Konzert der Reihe Mit der Gambe durch die Eifel präsentierten Christoph Barth, Arciliuto, und Sabine Weber, Viola da gamba, passend zu den Variationsmustern der Wände Variationen aus der Feder Marin Marais‘. Mit En rondeau bezeichnete er Stücke, deren immer wiederkehrendes Rondeau sich auch leicht verändern könne, also nicht nur die sogenannten Couplets Neues bringen. Auch der wiederkehrende Teil wird von ihm variiert, wie im Ballet En Rondeau. Höhepunkt waren natürlich die Couplets de folies, eines der bekanntesten Werke Marais‘, ebenfalls aus dessen zweitem Buch von 1701.

Sabine Weber, Christoph Barth, Ensemble favori. Foto: Jukka Höhe

Sie umrahmten einen Exkurs der Schauspielerin nach Japan. Dort heilte im 16. Jahrhundert eine Scherbenkunst zerbrochene Teetassen mittels Goldnarben. Daraus entstand die Kintsugi-Technik, die in philosophischer Überhöhung Vergänglichkeit und Neuanfang zusammen sieht. Das Prozesshafte sei das Entscheidende dieser Goldkunst, so Hildegard Meier. Denn Kintsugi zeige, dass ein Bruch nicht das Ende, sondern die Chance zu einem vergoldeten Neuanfang sein kann. Und so regnete es zum Schluss mit einem bekannten Märchen der Brüder Grimm buchstäblich Gold. Zuvor wurde auch noch aus der Glasarchitektur-Ästhetik von Paul Scheerbart zitiert. Durch Goldmosaike solle Sonnen- und Sternenlicht in geschlossene Räume gebracht werden, deren Schein den Menschen positiv beeinflusse, sogar bessern könne. „Mir erscheint dieses gerade als ein Hauptvorzug der glänzenden, bunten, mystischen, großartigen Glaswände zu sein!“

„Wir kommen wieder!“

Das Publikum lauschte trotz unbequemer Kirchenbänke hingebungsvoll den Ausführungen und einer Musik, die viele noch nie gehört haben. Der Goldmosaikgrund gab die Klänge akustisch perfekt wider. Ein Solovortrag auf dem Arciliuto und zum Schluss eine Chaconne en rondeau rundeten mit friedlich-liebevollen Klängen den Konzertbogen ab. In der nahen Dorfkneipe Em Backes, eigentlich geschlossen, aber die Inhaber öffneten noch einmal für diesen besonderen Mirbach-Tag, traf sich ein Teil des Publikums mit den Künstlern. Viele äußerten sich begeistert und erklärten, dass sie zu weiteren Konzerten wiederkämen. Das nächste Mit-der-Gambe-durch-die-Eifel-Konzert findet in der Kerpener Burgkapelle in Kerpen/Eifel am 28. Juni statt. Kartenreservierungen sind unter Ticket@favori.de möglich.

Weitere Informationen unter www.favori.de

Foto: Jukka Höhe

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