Der Andrang war überwältigend! Viele Eifeler aus der Umgebung und Alendorfer pilgerten zu ihrer alten Kirche auf den Berg, auch, um den Blick aus der Höhe auf die gegenüberliegenden Wacholderhänge des Kalvarienbergs zu werfen. Das war der erste Auftritt von Ensemble favori an diesem besonderen Ort in diesem wieder besonderen Kirchendenkmal. (Von Sabine Weber)

(4. Juli 2026, Alte Kirche in Alendorf) Es mussten noch die letzten Betbänke aus einem Erker hervorgeholt werden. Das freute Ortsvorsteherin Martina Schmidt, die am Ende des Konzerts spontan nach vorn trat und ein Dankeswort sprach. „Wir Alendorfer hatten es ja auch nicht weit!“ Und wies auch auf das Wacholderfest in Alendorf am 2. Augustwochenende hin.

Die Kirche selbst ist längst nicht mehr im Messbetrieb, abgelöst durch einen Neubau unten im Dorf und gerade deswegen ein Kleinod. Keine Restaurierung hat das Kirchlein seiner Ursprünglichkeit beraubt. Der erste Steinboden ist noch drin. Zwischen den sandsteinfarbenen Kreuzgewölberippen, in den Gewölbezwickeln im Osten und im Eingangsbereich finden sich wunderliche Blumen- und Kräuterfresken. Karl-Heinz Linne von Berg, Biologe der Uni Köln, zog allerdings gleich den Kräuterzahn: wenn aus ein und derselben Pflanze drei verschiedenen Blüten sprießen, kann es sich nur um Paradieskräuter handeln. Die seien auch in der Toskana-Eifel nicht zu finden.
Alle fanden Platz!
Und alle fanden Platz, die letzten eben gelehnt an die Betbänken ohne Lehne. Die Älteren durften nach vorne in die Sitzbänke.

Die zuvor mit Dr. Karl-Heinz Linne von Berg auf Exkursion den gegenüberliegenden Bergrücken des Kalvarienberges erwanderten, kehrten noch vor dem Konzert für eine kleine Erfrischung im Café Stübchen unterhalb der Kirche ein.
In Proportion und Harmonie
Die Atmosphäre im Konzert war traumhaft. Die ersten nahmen schon eine Stunde vor dem Konzert Platz und genossen die angenehme Temperatur. Das Publikum lauschte aufmerksam den frühbarocken Bassmodellen des Italo-Spaniers Diego Ortiz, der eine der frühesten Sammlungen mit Gambenwerken Mitte des 16. Jahrhunderts in Rom herausgegeben hat. Renaissancelaute (Christoph Barth) und Gambenklänge (Sabine Weber) mischten sich angenehm in der von Graf Salentin Ernst von Manderscheid 1494 gestifteten Kirche. Das war der jüngere Bruder der Manderscheiderinnen, um die es im vorherigen Konzert in Kerpen ging.
Kräutermärchen und virtuoser Abschluss

Hildegard Meier präsentierte Kräutermärchen, deren Pointe das Publikum immer zum Schmunzeln brachte. Ein Eifeler Graf, der ständig in Ohnmacht fällt, die durch die Luft fliegende Kuh Elsa oder ein Räuberhauptmann, der Pilger köpft, werden durch Kräuter geheilt. Mit Bartolomeo de Selmas Susanne ung Jour und einer virtuosen Divison in e-moll von Christopher Simpson endete der Musikvortrag. Bei der Zugabe gingen die Mobilgeräte hoch! Noch lange stand das Publikum an der Südseite des Kirchleins, genoß den Sommerabend und ließ die Blicke weit übers Land schweifen…
Die nächsten Konzerte im Rahmen von Mit der Gambe durch die Eifel finden in der belgischen Eifel in Wirtzfeld/ Büllingen – 2. August (hier auch mit Exkursion) – und am 30. August in Weweler statt. Mehr Infos unter favori.de oder beim OstbelgienFestival unter obf.be