(28. Juni 2026, Sankt Sebastianus Burgkapelle Kerpen/ Eifel) Auf den Tag genau ein Jahr später gastiert Ensemble favori im Rahmen von „Mit der Gambe durch die Eifel“ erneut in der Burgkapelle Kerpen. Dieses Mal ging es nicht um den Schutzpatron und Namensgeber dieser Kapelle, sondern um die Instrumente. Wie kamen sie in die Eifel? Und warum? Dabei spielten das Adelsgeschlecht der Manderscheider, ein streitbarer Papst und ein Universalgelehrter von der Mosel eine wichtige Rolle… Das Publikum ließ sich von der Hitzewelle nicht abhalten. Eine älterer Herr im Rollstuhl schaffte es sogar mit seiner Begleiterin auf den Burgberg. Und ein Nordlicht aus Hamburg findet den Weg. Er würde Ferien in der Eifel machen, hätte von diesem Konzert gehört und wollte unbedingt kommen. So etwas wie Mit der Gambe durch die Eifel gäbe es in Hamburg nicht. (Von Sabine Weber)
Ohne Manderscheider Grafen keine Einstützenkirche in der Eifel
Schirmherr dieses Konzerts war Historiker Norbert Toporowsky, Vorstand des Geschichtsforum Schleiden und spezialisiert unter anderem auf die Manderscheider Grafen der Linie Schleiden-Kerpen und in Folge der Aremberger. Nach dem Aussterben der Schleidener Linie übernahmen die Aremberger Grafen die Hoheit über die Burgkapelle. „Aber ohne die Manderscheider, keine Einstützenkirchen in der Eifel“, so Toporowsky in seinem Grußwort.

Und schon wechselte er zu den langlebigeren Blankenheimer Manderscheidern, beziehungsweise Manderscheiderinnen. Denn er hielt das neue Buch von Kollegin Gabriele Rünger hoch. Die Eifeler Historikerin hat in einer im April erschienen Dokumentation erstmals 27 ManderscheiderInnen aus dem Dunkel der Geschichte hervor geholt, porträtiert und in ihrer Bedeutung für die Hausmacht der Manderscheider gewürdigt.
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Diese Manderscheiderinnen prägten entscheidend die Hausmacht
Gabriele Rünger saß auch im Publikum als Schauspielerin Hildegard Meier basierend auf diesem Buch im dritten Textblock auf drei Manderscheiderinnen speziell einging. Diese zogen eine Herrschaft als Reichsäbtissin von Damenstiften – nicht zu verwechseln mit Klöstern, sie lebten weltlich – einer Heirat vor. Denn das bedeutete nicht selten Dauerschwangerschaft
Hochbarocke französische Gambenmusik gehört auch in der Eifel
Im 17. Jahrhundert wurde auch an Eifeler Höfen Französisch gesprochen, und auch die Manderscheiderinnen hielten nach französischem Vorbild Hof, mit französischer Musik selbstverständlich. Im dritten Konzert der Reihe Mit der Gambe durch die Eifel gab es also hochbarocke französische Musik von Marin Marais, dem Hofgambisten Ludwigs XIV. Christoph Barth, Chitarrone, und Sabine Weber, Viola da gamba, hatten aus Marais‘ 500 Gamben-Piècen, in fünf Büchern herausgegeben, eine Auswahl passend zu den Texten zusammengestellt. Auf eine Chaconne in D-dur aus dem ersten folgte die Suite in d-moll aus dem vierten, die Fantaisie in A-dur aus Buch zwei und die Muzette und La Guitare aus dem dritten Buch ergänzt durch eine Muzette von Robert de Visée für Chitarrone. De Visée gehörte mit zum exquisiten Musikerzirkel in Versailles. Ebenso Antoine Forqueray, dessen Pièce La Regente noblement, willkürliche und zickige Herrschaftsattitüde imitierte. Brisant, weil er ein Konkurrent Marin Marais‘ war, der als Engel apostrophiert wurde, Forqueray hingegen als der Teufel.

Der Borgia-Papst und Nikolaus von Kues
Zwei mächtige Kirchenmänner des 16. Jahrhunderts sind letztendlich schuld, dass die Gambe in die Eifel nach Kerpen kam. Das war in dem Konzertvortrag ebenfalls zu erfahren. Der aus Valencia stammende Borgia-Papst Alexander VI. brachte die Gambe aus Spanien nach Rom zu seinem neuen Amtssitz mit. Mit den neuen Instrumenten erregte er Aufsehen. Und setzte zum Siegeszug durch Europa an. Nikolaus von Kues brachte die Architektur der Einstützenkirche aus Böhmen an die Mosel und in die Eifel, gefördert von den Manderscheidern in Schleiden-Kerpen. Errichtet wurde die Einstützenkirche in Kerpen übrigens zu dem Zeitpunkt, als die Gambe per Schiff aus Spanien nach Rom unterwegs war. Von dort wurde sie nach Deutschland, England und zuletztFrankreich weitergereicht, wo sie zum höfischen Modeinstrument wurde. Musik und auch Instrumente überwinden erstaunliche Grenzen!
Grounds, Rounds und Kräutermärchen am Kalvarienberg in Alendorf
Das nächste Mit-der-Gambe-durch-die-Eifel-Konzert findet am 4. Juli nächsten Samstag um 17 Uhr in der Alten Kirche in Alendorf/ Blankenheim statt. Die zumeist geschlossene Kirche weist einmalige Kräuterfresken auf. Daher lädt um 14 Uhr lädt Biologe Karl-Heinz Linne von Berg vorab zu einer biologischen Exkursion in die Wacholderhänge ein, die knapp drei Kilometer lang sein wird. Startpunkt ist vor der Alten Kirche in Alendorf.
Kartenreservierungen sind unter Ticket@favori.de möglich.
Weitere Informationen unter www.favori.de