Sabine Weber, Christoph Barth. Foto

Magie des Schuhkartons

Ensemble favori gastiert in der ehemaligen Militärkapelle Sankt Walburgis in Vogelsang. Der rechteckig langgestreckte Raum bettet Lauten- und Gambenklänge in einen unerwartet samtweichen Wohlklang. Und der Beginn sorgte für Magie.(Sabine Weber)

Nicht sichtbar für die Zuhörer intonierte Hildegard Meier das Da pacem domine auf der Blockflöte in den weiten Raum. Dann wechselte sie summend zum Gesang und schritt von hinten nach vorne. Die Instrumente griffen  das Da pacem domine in einer dreistimmigen Fassung von Alexander Agricola auf. Vorne angekommen mischte Hildegard Meier die Friedensbitte nochmals hinein.

Ein roter Faden

Christoph Barth, Hildegard Meier. Foto
Christoph Barth, Hildegard Meier. Foto: Jukka Höhe
Die gregorianische Antiphon war in diesem Konzert der rote Faden,  mit dem jeder Musikblock begann. Folgend in einer wiederum dreistimmigen Version von Johannes Ghiselin und einer anonymen Fassung, beide aus dem Lorraine Chansonnier. An die himmlische Friedensbitte schlossen sich tänzerisch rhythmisierte – ‚irdische‘ – Stücke von Diego Ortíz oder Girolamo Kapsberger an, die inzwischen zum Kernrepertoire des Ensembles gehören.

Gedichte vom Eifeldichter Andreas Züll

Das bereitete dem Eifeldichter Andreas Züll die Grundlage für den Vortrag seiner Gedichte. Sie bezogen sich in den ersten beiden Textbeiträgen auf Wollseifen, eine in der Nachbarschaft Vogelsangs gelegene ‚Wüstung’, so genannt, weil die Bewohner dieses Dorfes nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden. Es wurde ein  Übungsplatz für Häusernahkämpfe gefordert. Aber darauf wollte Züll nicht weiter eingehen. Zülls Verse versuchten, dem Wollseifener Leben eine positive Seite zu geben. Denn schließlich – so Andreas Züll – lebten in Wollseifenseit Jahrhunderten Menschen auch fröhlich und lebenslustig zusammen.

Andreas Züll, Sabine Weber. Foto
Andreas Züll, Sabine Weber. Foto: Jukka Höhe

So stellte er Verse über seinen Großvater solche über seine Großmutter gegenüber. Beide Gedichte werden demnächst in seinem neuen Gedichtband erscheinen. Zuvor erinnerte er daran, dass er in dieser St. Walburgis  Kapelle getauft wurde und diese für dieses Konzert das erste Mal wieder betreten habe.

Kaum wiederzerkennen…

Wenn auch seine Wollseifener Großtante nicht mitkommen konnte, die noch in Wollseifen geboren ist, so waren doch seine Eltern und weitere Verwandte anwesend. Seine Mutter konnte denn Raum allerdings kaum wiedererkennen. Er wirke viel größer als früher. Vielleicht der Leere wegen.

Finalement

Im letzten Teil stimmte Hildegard Meier nochmals die gregorianische Antiphon an, und mit virtuosen Stücken für Chitarrone solo mit Christoph Barth und Gambe, Sabine Weber, endete das Konzert.

Gemeinsamer Ausklang

Nach dem Konzert standen und saßen die Besucher und die Musiker noch lange vor den wuchtigen Mauern der Kapelle zusammen, genossen den lauen Spätsommerabend und tauschten sich bei kühlen Getränken aus. Darunter auch der ehemals in Vogelsang stationierte belgischer Soldat Luc Bruylandt, der vor dem Konzert einen Teil der Konzertbesucher mit auf einen Rundweg nach Wollseifen mitgenommen hatte.

Konzerthinweis: am kommenden Freitag, dem 11. September, findet das nächste – und letzte – Konzert der Reihe Mit der Gambe durch die Eifel statt. In St. Georg Frauenberg/Euskirchen. Mit Musik für Viola da gamba und Cembalo von Marin Marais, François Couperin und Antoine Forquerqay. Hildegard Meier wird über ihre Namensvetterin von Bingen philosophieren Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Ensemble favori.

Andreas Züll, Sabine Weber, Hildegard Meier, Christoph Barth. Foto
Andreas Züll, Sabine Weber, Hildegard Meier, Christoph Barth. Foto: Jukka Höhe