Im Abschlusskonzert von „Mit der Gambe durch die Eifel“ wurde nochmals in eine kunsthistorisch eindrucksvolle Dorfkirche geladen. Unter Kräuterfresken umgeben von Wandmalereien zu biblischen Geschehen widmete sich Ensemble favori seinem Lieblingsoeuvre, der französischen Gamben- und Cembalomusik von Marin Marais, François Couperin und Antoine Forqueray, (Von Sabine Weber)
(11. September 2026, Sankt Georg Frauenberg/ Euskirchen) Ein Sippenaltar des Kölner Meisters der Ursulalegende mit der Verwandtschaft Christi in prächtiger Versammlung saugt die Blicke in den Chor.

Wer die Bauanlage durch das erste Seitenschiff links betritt, sieht rechts noch ein angebautes Seitenschiff. Das Hauptschiff ist also nicht die Mitte, sondern ganz links. Die ansonsten schlicht ausgestattete Kirche wirkt durch farblich abgestimmte Rippen im Gewölbe, die sich die Pfeiler herabziehen, durch verblasste Fresken, die wie ein aufgeschlagenes Bilderbuch bewegte Geschichte an Geschichte reiht, nicht zuletzt durch ein sanft strahlendes Licht.
Sankt Georg – Ein Zauberort auf dem Frauenberg
Sankt Georg ist ein Zauberort auf einem kleinen Berg, umringt von einer klosterähnlichen Mauer. Ein Ort, der aus der Zeit herausfällt. Er war der Muttergottes gewidmet, bevor Anno von Köln die Kirche im 11. Jahrhundert dem heiligen Drachentöter zusprach. Aber zur Muttergottes ziehen die Pilgerzüge nach wie vor heute auf den Frauenberg.
Ensemble favori auf dem Berge beate Mariae
Schauspielerin und Theologin Hildegard Meier ließ auf dem Berge beate Mariae noch eine andere berühmte Frau des Rheinlandes erscheinen. Von ihrer Namenspatronin Hildegard von Bingen, der ersten dokumentierten heilkundigen Frau und Visionärin, trug sie Briefe vor, die sie an die Kirchenoberen richtete oder an Kaiser Barbarossa. Vom Papst hatte sie höchstpersönlich die Lizenz zur öffentlichen Predigt erhalten. Eine Frau, die öffentlich predigt und mahnende Briefe an die höchsten Fürsten verfasst, das war im Mittelalter eine Sensation.
Vision und irdische Melancholie
Eine ihrer kosmischen Vision, von oben in den Raum geschleudert, eröffnete das Konzert Punkt 19 Uhr.

Das Glockenläuten setzte wie bestellt ein, das gefühlt fünf Minuten jeden in atemloses Schweigen versetzte. Kein Laut war zu vernehmen. Dann sprach die Musik von vorn. Marin Marais’ Suite in d-Moll aus dem vierten Buch erdete die Zuhörer mit einem Hauch Melancholie und charmanten Suitensätzen. In diesem Konzert begleitete das Cembalo die Gambenklänge und trug mit Klangkraft die gestrichenen Saiten in den Raum. Willi Kronenberg, zumeist als Orgelsolist unterwegs, ist ein alter Weggefährte von Gambistin Sabine Weber. Sie kennen sich seit Studienzeiten und haben für Mit der Gambe durch die Eifel schon letztes Jahr an der Königsorgel in Sankt Leodegar zusammengefunden.

Couperin, Forqueray und Marais
Die Pièces de clavecin Le rossignol en amour und Les Baricades Mistérieuses von François Couperin, hätten vielleicht etwas mehr Delikatesse und temps perdue vertragen können. Aber das Publikum genoss die Cembalokunst auf dem Instrument des Kölner Cembalobauers Burghard Zander. Daran schlossen sich willkürliche Herrschaftsgeste imitierende Gambentöne von Antoine Forqueray an. Mit den fulminant präsentierten Couplets de folies von Marin Marais in allen Variationen rundete sich der Vortragsbogen.
Zusammenkommen und sich Verbinden
Das Publikum versuchte sich eine Zugabe zu erklatschen, die es dann im Abschlussumtrunk im Kircheneingangsbereich gab. Die katholische Gemeinde Sankt Martinus in Euskirchen steht anders als andere Gemeinde dem Zusammenkommen und Sich-Verbinden offen gegenüber. Nichts anderes bedeutet Religion. Religere, sich rückverbinden. Die Kirche wurde in allen Details auch nochmals bewundert. Das Thema Hildegard von Bingens lebte auch im Gespräch nochmals auf. Zwei Damen waren sogar aus Aachen angereist, weil die eine der anderen dieses Konzert zum Geburtstag geschenkt hatte, denn Hildegard von Bingen sei ihr Staatsarbeitsthema gewesen. Auch einige aus Frauenberg waren da, auch ehemalige Frauenberger, um ihre Kirche nochmals zu erleben. Natürlich auch die treuen Gesichter unter anderem aus Siegburg, Gerolstein und aus Kronenburg, die bereits zum vierten Mal dieses Jahr ein Konzert von Mit der Gambe durch die Eifel besuchten. Die drei Solisten von Ensemble favori bekamen sogar Blumen aus dem Publikum überreicht…
