Daniel Hope und das Züricher Kammorchester in Köln

Der Geiger Daniel Hope ist eine spannende Personalie. In Südafrika geboren, in England aufgewachsen, lebt er in Berlin und darf durchaus als populär gelten. Viele kennen ihn als WDR3-Autor und Moderator der Klassiksendung „Persönlich“. Über ihn ist ein Film gedreht worden. Er schreibt Bücher, ist Ko-Leiter eines US-Festivals, wo Klassik auf Folk trifft, und seit 2016/17 ist er künstlerischer Leiter des Züricher Kammerorchester (ZKO). Das heißt, er leitet das Kammerorchester vom ersten Geigenpult aus. Wenn er nicht als Solist ganz vorn steht. Hope hat seine Fans, wie bei seinem Kölnbesuch mit dem ZKO zu erleben war. (Von Sabine Weber)
(4.2.2026 Kölner Philharmonie. Beitragsbild: Generalprobe 2016 beim Eurovision Young Musicians in Köln. Foto: Superbass / CC-BY-SA-4.0 Wikicommons ) Das Publikum strömte in die Philharmonie. Und Daniel Hope, im Dauereinsatz als Konzertmeister und Solist gefordert, griff nach der Einleitungssinfonie, einer frühen Sinfonie Wolfgang Amadeus Mozarts (KV 196+12; 207a, aus Opernsinfonien und einem nachkomponierten dritten Satz zusammengesetzt), auch zum Mikrophon. Damit bediente er charmant alle Erwartungen.

Glucks Furientanz – ein Showpiece

Natürlich hingen die Fans an seinen Mikrofonworten. Die weiß er zu dosieren und smart einzubringen. Zu seiner Show gehörte es auch, dass er sich bei den letzten drei Schlusstönen, spätestens beim letzten Ton, zum Saal drehte und herausfordernd ins Publikum schaute, dabei den Bogen mit großer Geste in die Luft warf. Das Publikum liebte diese persönliche Ansprache, fühlte sich aufgefordert und brach sogar zwischen den Sätzen in Jubel aus! Christoph Willibald Glucks Furientanz (aus Orphée ed Eurydice) ist natürlich ein besonderes Show-Piece. Aus dem unheimlich-kreisenden, sul ponticello gespieltem Unisono-Anfang der Streicher, werden Drehfiguren und Tonkaskaden entfesselt. In nur wenigen Minuten lösten Hope und das ZKO höllisches Ungemach ein – freilich nach damaliger Couleur! Die Hörner furzten böse ins Spiel.

Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges – der schwarze Mozart?

Gespannt war man auf die Violinkonzerte. Zunächst das in A-dur von Mozarts Zeitgenossen Joseph Bologne, geadelt als Chevalier de Saint-Georges. 1745 wurde er in Guadeloupe als Sohn eines Musketiers (und Plantagenbesitzers) und einer Sklavin („Mulattin“ wie es früher hieß), geboren. In Paris beim großen Geiger Jean-Marie Leclair ausgebildet und als Komponist möglicherweise bei François-Joseph Gossec in die Lehre gegangen, führte er aber nicht nur den Geigenbogen, sondern auch den Degen virtuos, schwamm wie ein Weltmeister, war Rittmeister und verteidigte als erster dunkelhäutiger Offizier die junge Republik in der Revolution. Dass er damit beinahe auf dem Schafott landete, ist eine besondere Volte, die sein Schicksals bereit hielt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Chevalier de Saint-Georges auch schon Opern komponiert.
Dennoch, auf den Plüschsesseln der Opéra Français Platz zu nehmen, war ihm verwehrt. Die Übernahme eines Opernorchesters ebenso – wegen seiner Hautfarbe, die das Sängerpersonal irritieren würde. Bei Königin Marie-Antoinette ging sogar eine rassistische Petition ein. Insgesamt also ein dramatisches Schicksal. Er kam zwar aus der Bastille wieder frei, starb aber kurz darauf verbittert und verarmt. Ein Schicksal, das mit dem Beinamen der „schwarze Mozart“ allzu verharmlosend klingt. Hope erwähnte ihn als elegante Person und Eifersüchteleien Mozarts. Sie hätten mal irgendwo in einem Haus zusammen gewohnt.

Französische Frühklassik mit barocker Verve

Seine Werke sind zu recht längst wiederentdeckt und stehen für die französische Frühklassik. Der letzte Satz des Violinkonzerts beschwört mit einem wilden Tambourin aber noch barocke Verve. Wie auch viele verspielte Figuren und Sequenzen barocken Gestus haben. In Hopes Interpretation wurde im ersten Satz die Kadenz vermisst. Im zweiten kam eine zurückhaltend. Sie musste gegen einen Mobilklingelton aus der ersten Reihe durchhalten, was Hope wiederum cool und kurz gutmütig grinsend quittierte.

Interpretation nicht ausgereift …

Insgesamt schien die Interpretation nicht bis ins letzte ausgereift. Die Streicher spielten ohne Vibrato, Hope mit, aber nicht zu viel, das war also nicht der Grund, warum sich die Balance zwischen Solist und Ensembleklang nicht wirklich einstellte. Es war kein einheitlicher Guss, vielleicht nicht genug geprobt?, und die solistischen Spielfiguren blieben nicht immer makellos, waren oft nicht auf dem Punkt.

Nach der Pause

Die Aufstellung nach der Pause wirkte sich fürs Orchester günstiger aus. Die Violinen eins und zwei saßen sich links und rechts gegenüber, statt alle links nebeneinander. Die Celli, Bratschen (in der ersten Hälfte rechts) in der Mitte. Die beiden Kontrabässe, beeindruckend die Dame, die sogar mit einem Barockbogen spielte, klangen jetzt noch besser. Hörner und Oboen blieben natürlich hinten.

Mozarts Violinkonzert – „La Passione“ von Haydn

Das Mozartsche Violinkonzert in B-dur kam ausgereifter, die Kadenz im dritten Satz lieferte auch Virtuosität. Auch klangen die Leittöne weniger zu hoch gegriffen als in Chevaliers de Saint-Georges Konzert. Richtig perfekt rund war der Orchesterklang trotz des düsteren Moll in der Haydn-Sinfonie „La Passione“. Vielleicht hat ja auch das Tabletspiel, jeder der Streicher steht vor seinem eigenen Pult, statt dass zu zweit an jeweils einem Pult gespielt wird, seine Nachteile. Der Tablet-Wald sieht natürlich sehr elegant aus.

Das Publikum liebt Hope ohne Wenn und Aber…

Das Publikum war ohne Wenn und Aber  von vornherein auf Hopes Seite, der sich auch nach jedem Stück höflich charmant zu den Logen hinter dem Podium umdrehte und verneigte. Mit stehenden Ovationen erklatschen sich die Fans noch zwei Zugaben. Natürlich von Mozart (der letzter Satz aus der Sinfonie KV 201 in A-dur und das Andante aus seinem Divertimento in F-dur, KV 138, das als seine dritte Salzburger Sinfonie gelistet ist). Ein Fragezeichen bleibt dennoch zurück. Bezahlt Hope seine vielen cross-over Aktivitäten vielleicht doch ein bisschen mit solistischer Exzellenz?

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